Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung ohne Zugang zu sicheren Toiletten

Deutschland
Weltweit bedroht eine fehlende oder mangelhafte Sanitärversorgung die Gesundheit, die soziale Sicherheit und Umwelt von ca. 3,6 Milliarden Menschen. Der Welttoilettentag am 19. November macht darauf aufmerksam. Die Hilfsorganisation arche noVa fordert verstärkte Anstrengungen der Politik, um die Ziele der Nachhaltigkeitsagenda bis 2030 zu erreichen.

Dresden, 19. November 2021 – Obwohl die Vereinten Nationen 2015 beschlossen haben, die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser- und Sanitärversorgung für alle bis 2030 zu gewährleisten, haben laut aktuellen Zahlen von WHO und UNICEF noch immer ungefähr 3,6 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sicheren Toiletten. Knapp 500 Millionen erleichtern sich im Freien. 


„Die stille Katastrophe fehlender Toiletten trifft die verwundbarsten Menschen in den ärmsten Regionen der Welt am meisten und ist damit ein sichtbares Zeichen globaler Ungerechtigkeit“, sagt Andrea Bindel, Beraterin für globale Nothilfe und Wasser-, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH) bei arche noVa. „Gerade für Frauen sind fehlende Toiletten ein großes Problem“, meint die Expertin. „Wer in Haushalten ohne Sanitärversorgung lebt, muss nachts oder im Morgengrauen in die Felder oder die weitere Umgebung gehen, um die Notdurft ungesehen verrichten zu können. Das ist besonders auch für Frauen, Mädchen, Ältere und Menschen mit Beeinträchtigungen unwürdig, zeitaufwendig und oftmals gefährlich, da sie dort Übergriffen ausgesetzt sind.“


Auch für menstruierende Mädchen haben fehlende Toiletten an Schulen nachhaltige Auswirkungen: „In vielen Kulturkreisen ist die Menstruation nach wie vor ein Tabuthema“, so Andrea Bindel: „Fehlen geschlechtergetrennte Toiletten, verpassen die Mädchen jeden Monat bis zu 5 Schultage – oder gehen gar nicht mehr hin.“ Die längerfristigen Folgen dieser Schulabbrüche sind verheerend: Aufgrund der fehlenden Bildung haben die jungen Frauen beruflich schlechtere Perspektiven, was nachhaltig die Geschlechtergerechtigkeit gefährdet.


Weitere Auswirkungen fehlender oder schlecht betriebener Toiletten und Handwaschmöglichkeiten sind zudem die Verschmutzung von Trinkwasserquellen (weltweit nutzen 2 Milliarden Menschen mit Fäkalien verunreinigte Trinkwasserquellen) und die Verbreitung von Durchfallerkrankungen bis hin zu Cholera und Ruhr sowie Typhus und Bilharziose, die durch unhygienische Verhältnisse und Verunreinigungen von Wasser oder Lebensmitteln hervorgerufen werden. Alleine an Durchfall sterben weltweit täglich mehr als 700 Kinder. Nicht zuletzt wird die Bekämpfung von Covid-19 durch fehlende Hygiene erschwert.


„Gerade angesichts der globalen Covid-19-Pandemie brauchen wir dringend ein Umdenken und verstärkte Anstrengungen, um die Ziele der Nachhaltigkeitsagenda 2030 zu erreichen“, meint deshalb Katja Laudemann, Leiterin Auslandsprogramme bei arche noVa: „Der Zugang zu einer sicheren Wasser- und Sanitärversorgung muss dabei höchste Priorität haben. Denn sichere und hygienische Toiletten bilden die Grundlage für ein gesundes, würdevolles und selbstbestimmtes Leben.“
 

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