Portrait einer Frau vor einer Hauswand, neben ihr ein Durchgang, der mit einem Stück Stoff verhangen ist.
© arche nova/Sumy Sadurni

Uganda: Resilienz am Viktoriasee stärken

Gemeinsam mit lokalen Partnern schaffen wir Zugang zu sauberem Wasser, stärken Menschenrechte und fördern nachhaltige Einkommensquellen in Fischergemeinden am Viktoriasee.
Uganda
Simple World Map - Author: Al MacDonald Editor: Fritz Lekschas License: CC BY-SA 3.0 ID: ISO 3166-1 or "_[a-zA-Z]" if an ISO code is not available

Leben zwischen Wasser und Unsicherheit

Entlang der Ufer des Viktoriasee leben die Fischergemeinden in Uganda in einer paradoxen Situation: Sie sind umgeben von Wasser, doch sauberes Trinkwasser ist Mangelware. In den verstreuten Dörfern im Mukono und Buvuma Distrikt müssen die Menschen weite Wege zurücklegen oder das verschmutzte Seewasser nutzen. Sanitäre Einrichtungen fehlen weitgehend, Müll wird oft direkt im See entsorgt. Die Folgen sind Krankheiten wie Bilharziose, Durchfall und Hautinfektionen. Gleichzeitig bedrohen Klimawandel, restriktive Fischereigesetze und prekäre Lebensbedingungen die Perspektiven der Menschen. Besonders Frauen und Kinder sind von Armut, Gewalt und Diskriminierung betroffen.

Wasser, Rechte und Zukunftsperspektiven

Das Projekt setzt auf mehreren Ebenen an. Im Mittelpunkt stehen drei Gemeinden, wo neue Wasserversorgungssysteme entstehen: ein Bohrloch in Katuba, eine Ultrafiltrationsanlage für die Inselgemeinde Katooke, die Seewasser reinigt, und eine Quellwasseranlage in Kitosi, die fachmännisch ausgebaut wird – eine Premiere für arche noVa. Dazu kommen Latrinen, Waschräume und Müllverbrennungsöfen. Lokale Komitees werden geschult, um die Anlagen zu betreuen und instand zu halten. 

Neben den Bauarbeiten im Bereich Wasser- und Sanitärversorgung erhalten insgesamt 16 Gemeinden Schulungen zu Hygiene, Bilharziose-Prävention und dem neuen nationalen Rahmenwerk für Wassermanagement. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Menschenrechten und Geschlechtergerechtigkeit: In Diskussionen und Trainings setzen sich die Menschen mit Themen wie Landkonflikten, geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung auseinander. Sie erarbeiten gemeinsam Lösungsansätze und lernen, ihre Rechte einzufordern.

Katastrophenvorsorge fördern

Die Gemeinden am Viktoriasee werden immer wieder von den Folgen der Klimakrise und Überschwemmungen bedroht. Deshalb führt unsere lokale Partnerorganisation KWDT im Rahmen unseres gemeinsamen Projektes partizipative Katastrophenrisikobewertungen durch, bei denen die Menschen selbst die Gefahren für ihre Gemeinde identifizieren. Ziel ist es, im Fall der Fälle Schäden an Infrastruktur, der Wasserversorgung und den Gebäuden zu verhindern oder zu verringern. Auf den Sitzungen bringen die Teilnehmenden weitreichende Themen auf den Tisch, die für sie wichtige Gefahren darstellen - von Malaria über Gewalt bis hin zu Hexerei-Vorwürfen. Gemeinsam wird über Prävention diskutiert, dabei entwickeln die Dorfgemeinschaften Notfallpläne und vernetzen sich mit lokalen Behörden.

Einkommen schaffen

Um die Widerstandskraft in den Gemeinden zu stärken und die Einkommenssituation zu verbessern, erhalten Frauengruppen legale Fischereiausrüstung wie Boote, Netze und Motoren. Andere Gruppen bekommen Kühe, Schweine oder Hühner, um mit der Viehzucht alternative Einkommensquellen aufzubauen. Schulungen zu Tierhaltung, Vermarktung und Gesundheit ergänzen die Maßnahmen.

Nachhaltigkeit durch Eigenverantwortung

Das Projekt endet im März 2027, doch die Strukturen bleiben bestehen. Wassernutzungskomitees, Toilettenverwaltungskomitees und Katastrophenmanagement-Komitees übernehmen Verantwortung für die Infrastruktur und setzen die erlernten Praktiken fort. Dabei wünschen sich die Teilnehmenden Verbindlichkeit in den Regeln, die sie selbst erarbeitet haben. Deshalb wird das Wichtigste verschriftlicht und in Form von Plakaten mit Namen und Fotos öffentlich gemacht. Regelmäßige Review-Treffen fördern den Austausch zwischen den Gemeinden und ermöglichen es, voneinander zu lernen. Die Frauen, die in Selbsthilfegruppen bei KWDT organisiert sind, organisieren weiterhin Trainings und Monitoring in ihren Dörfern. So festigt sich das Netzwerk, das über das Projekt hinaus trägt. Die Menschen am Viktoriasee gestalten ihre Zukunft selbst – mit Wissen, Ressourcen und der Gewissheit, dass ihre Rechte und ihre Würde zählen.
In Vorgängerprojekten bereits viel erreicht

Seit 2014 hat arche nova in Kooperation mit KWDT in zahlreichen ländlichen Gemeinden direktt am Viktoriasee und ein Stück weiter im Landesinnern Projekte im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH) umgesetzt. Ein besonderes Highlight war die Ausbildung von Handpumpenmechanikerinnen, die dafür sorgen, dass Brunnen funktionstüchtig bleiben und mehr als 150.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt sind. 
 

Die Heldinnen vom Viktoriasee - WASH ist hier Frauensache

©arche nova

Starke Partnerschaft

Seit über zehn Jahren arbeitet arche nova mit dem Katosi Women Development Trust (KWDT) zusammen, einer ugandischen NGO, die 1996 gegründet wurde. KWDT basiert auf einem Netzwerk von Frauenselbsthilfegruppen. Die haupt- und ehrenamtlich  Mitwirkenden kennen die lokalen Begebenheiten von Grund auf. Unsere Partnerschaft mit KWDT basiert auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und gemeinsamer Entscheidungsfindung. arche noVa bringt technisches Know-how ein – etwa bei der Installation einer Ultrafiltrationsanlage oder Sanitäranlagenbau. KWDT steuert lokales Wissen, kulturelles Verständnis und den direkten Zugang zu den Gemeinden bei. Gemeinsam entwickeln wir Lösungen, die nachhaltig und kulturell angemessen sind. Die Menschen vor Ort werden nicht als Empfänger*innen von Hilfe gesehen, sondern als aktive Gestalter*innen ihrer eigenen Entwicklung.
 

Für dieses Projekt spenden

18
Material zur Produktion von Flüssigseife
63
Konstruktion eines Biosandfilters für eine Familie
162
Solarpaneele und Beleuchtung für eine kommunale Toilette

Projektsteckbrief

Projektziel

Verbesserung der Resilienz und Lebensgrundlagen von vulnerablen Fischergemeinden durch Multisektoralen Ansatz mit Schwerpunkt WASH

Zielgruppe
  • 9.850 Menschen in 16 Fischerdörfern (3.020 Haushalte)
  • Schwerpunkt: vulnerable Fischergemeinden am Viktoriasee in den Distrikten Mukono und Buvuma
  • Besonderer Fokus auf Frauen, Kinder und marginalisierte Gruppen
Aktivitäten
  • Bau von Wasserversorgungssystemen (Bohrloch, Ultrafiltrationsanlage, Quellwasseranlage)
  • Bau von Latrinen, Waschräumen und Müllverbrennungsanlagen
  • Schulungen zu WASH, Hygiene und Gesundheits-Prävention
  • Trainings zu Menschenrechten, Gender und Landkonflikten
  • Partizipative Katastrophenrisikobewertungen und Entwicklung von Notfallplänen
  • Verteilung von Fischereiausrüstung (Boote, Netze, Motoren)
  • Verteilung von Tieren (Kühe, Schweine, Hühner) zur Einkommensdiversifizierung
  • Schulungen zu Tierhaltung, Vermarktung und Gesundheit
  • Aufbau und Schulung lokaler Komitees (Wasser, Sanitär, Katastrophenmanagement, Abfallwirtschaft)
  • Entwicklung von Bildungsmaterialien zu Ernährung und Gesundheit

 

Projektlaufzeit
Oktober 2024 bis März 2027
Kooperationspartner
  • Katosi Women Development Trust (KWDT) 
  • Lokale Behörden und Distriktregierungen in Mukono und Buvuma
  • Frauengruppen und Selbsthilfegruppen in den 16 Gemeinden
  • Uganda Water and Sanitation Network (UWASNET)
Förderer
  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Spenderinnen und Spender

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