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Wieder daheim - arche noVa unterstützt Rückkehrgemeinden im Nordirak

6. August 2019 - Irak
Für Abdul Gafur Gaber ist heute ein Freudentag. Endlich sprudelt das Wasser wieder aus dem Hahn – sauber und gesund. Darauf musste der Ortsvorsteher von Said Jaber, einer Siedlung im nördlichen Irak, lange warten. Dank arche noVa konnten im April und Mai die wichtigsten Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten am Leitungssystem realisiert werden.

Wenn er die Wahl gehabt hätte, wäre Abdul niemals aus seinem Dorf weggegangen. Der Endvierziger mit dem ansteckenden Lachen ist ein Macher; jemand, der seine Rolle als Ortsvorsteher ernst nimmt und das Beste für seine Gemeinde will. Als im August 2014 die Kämpfer des Islamischen Staates immer näher rückten, entschied die Dorfgemeinschaft zu fliehen. Manche nur bis ins nahe gelegene Khanaqin, andere bis ins knapp 90 Kilometer entfernte Baaquaba oder noch weiter weg.

Abdul, der mit seiner Familie in Bagdad ausharrte, wusste, dass er irgendwann zurückkehren würde. Lieber früher als später. 2016, nach gut zwei Jahren in der Fremde, entschied er, wieder nach Hause zu gehen. Er wusste, dass es nicht leicht sein würde. Die Dschihadisten hatten die ohnehin marode Infrastruktur noch mehr zerstört: Rohre waren kaputt oder fehlten ganz und es gab immer wieder Bombenanschläge, die Wasserleitungen sprengten.

Mann sitz in beiger Kleidung auf dem Boden, zwei Mädchen dahinter

Das Schwierigste nach der Rückkehr war, an sauberes Wasser zu kommen. Die Leitungen, die aus Jalawla in unser Dorf führten, waren defekt. Es gab Lecks, aus denen nicht nur Wasser auslief, sondern wo Erde und Müll eindrangen und das Wasser verunreinigten.

 

Abdul Gafur Gaber, Ortsvorsteher von Said Jaber

Ein Nachbar erzählt, dass sie oft weite Wege auf sich nehmen mussten, um überhaupt an sauberes Wasser zu kommen.  „Die Terroristen sind schuld, dass hier seit Jahren nicht mehr investiert wurde“, klagt Ammar Gaber aus Said Jaber. Und seine Frau erzählt, dass vor allem die Kinder unter den schwierigen Bedingungen litten. „Wir mussten Wasser aus dem Fluss holen, mit kleinen  Gefäßen und Wasserkanistern, die oft nicht richtig sauber waren. Dann haben die Kinder Bauchschmerzen bekommen und Durchfall, das war das Schlimmste“, sagt Imm Mohamad, die Frau von Ammar Gaber.

Umso mehr freut sie sich, dass Dank arche noVa nun das Wassersystem umfassend repariert wurde. Das Projekt, das von unserem Irak-Team in Said Jaber realisiert wurde, ist eine Kooperation mit der lokalen Wasserbehörde in Jalawla, finanziert mit Mitteln von UN-OCHA. Dabei konnte für 5.000 Menschen, darunter etwa 1.000 Kinder, der Zugang zu sauberem Wasser gesichert werden. In der gesamten Region Diyala wurden darüber hinaus in drei Schulen und in zwei Gesundheitszentren die Wasserinfrastruktur und Sanitäranlagen repariert.

„Wir sind glücklich, dass wir wieder überall im Dorf Wasser haben“, freut sich Frau Gaber aus Said Jaber. „Jetzt können wir alles sauber machen. Außerdem ist es uns Frauen wichtig, allen klar zu machen, das sauberes Wasser ein hohes Allgemeingut ist, und dass wir alle dafür verantwortlich sind, das System pfleglich zu behandeln.“

Für arche noVa ist die Arbeit im Irak indes noch lange nicht beendet. In der Region Diyala, etwa 150 km nordöstlich von Bagdad, fehlt es an vielem. Das liegt zum einen daran, dass hier jahrelang der IS wütete, aber auch daran, dass aufgrund politischer und wirtschaftlicher Instabilität über Jahre nicht in die Infrastruktur investiert wurde.

Portrait Mann mit Brille und Hemd

Unser Hauptfokus liegt neben der Versorgung von Flüchtlingscamps derzeit auf den Rückkehrgemeinden, also den Orten, wo Menschen tatsächlich hin zurückkommen. Auch müssen wir an Kommunen denken, wo, infolge diverser Krisen, Fremde angekommen sind, die sich dann an diesen Orten ein Leben aufgebaut haben und bleiben werden. Da gibt es immer wieder auch Engpässe, vor allem wenn es an Ressourcen für grundsätzliche Versorgungsdienstleistungen fehlt.

Dominik Giese, Referent Auslandprogramme

Unser Projektreferent für den Irak ist gerade von einem Monitoringbesuch zurück und weiß, was sich die Menschen in Said Jaber am meisten wünschen: Eine Grundschule im Ort, damit die kleinen Kinder nicht mehr so weite Strecken auf schlechten Straßen bis zur nächsten Schule laufen müssen. Und eine bessere medizinische Versorgung. Aber das jetzt das Wasser wieder überall in Said Jaber fließt, ist schon mal ein wichtiges Zeichen, das Hoffnung gibt.

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