Wasser in der Nothilfe: eine existenzielle Frage

18.03.2026 - 10:42 - Syrien
Wasser ist in humanitären Krisen das Erste, was fehlt – und das Erste, was rettet. Im Nordosten Syriens zeigt arche nova, was das in der Praxis bedeutet.

Am 22. März ist Weltwassertag – ein Tag, der weltweit auf das Menschenrecht auf sauberes Wasser aufmerksam macht. Für uns bei arche nova ist er mehr als ein Datum im Kalender. Wasser ist das Herzstück unserer humanitären Arbeit. 

Ohne sauberes Trinkwasser gefährdet jede Krise Menschenleben unmittelbar: Schon binnen weniger Tage droht ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr der Tod durch Dehydrierung. Fehlendes sauberes Wasser führt zudem zur raschen Ausbreitung von Durchfallerkrankungen und anderen durch Wasser übertragenen Krankheiten. In der Nothilfe kommt es deshalb darauf an, schnellstmöglich sicheren Zugang zu ausreichend sauberem Wasser herzustellen. Das ist unser Ausgangspunkt – in jeder Krisenregion, in der wir arbeiten. Im Nordosten Syriens stehen wir derzeit vor einer enormen Versorgungskrise – der wir mit akuter Nothilfe begegnen.


Nothilfe für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben

Wasserlieferungen per Tanklaster sind teuer, ressourcenintensiv und keine dauerhafte Lösung. Wir setzen sie dennoch ein, wenn es in akuten Notlagen keine Alternative gibt. Im Nordosten Syriens ist das der Fall. arche nova liefert für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben oder verlassen mussten, mittels Tanklaster 40 Liter Wasser pro Person und Tag: genug zum Trinken, Kochen und für die Körperhygiene. 7,5 bis 15 Liter gelten in der Nothilfe als absolute Untergrenze – wir übertreffen das gezielt, damit Menschen in Würde leben können. 

Unser Projektgebiet für die Nothilfe in Nordostsyrien umfasst Camps, informelle Unterkünfte und Anlaufstellen in der Region al-Hasaka. Ergänzt wird die Wasserversorgung durch die Verteilung von Hygiene-Hilfspaketen, Hygieneschulungen und den Betrieb der Sanitäranlagen im Washokani Camp. Seit Februar 2026 erreichen wir weitere informelle Unterkünfte in der Nähe von Qamishli, wo Menschen nach erneuter Gewalteskalation Zuflucht gesucht haben. Das sind unter anderem Schulen, Moscheen und kommunale Gebäude.

Im Washokani Camp verlassen sich 17.000 Menschen auf arche nova

Rund 17.000 Menschen leben im Washokani Camp in der Region al-Hasaka – einem der größten Notunterkünfte im Nordosten Syriens. Sie sind vor Gewalt und Zerstörung geflohen, viele von ihnen im Laufe der Kriegs- und Krisenjahre mehrfach. Ende 2025 übernahmen wir das Wassermanagement im Camp, weil die zuvor zuständige Hilfsorganisation mangels Budgets ihre Arbeit einstellen musste. Wir sind eingesprungen. 

 Wasser bedeutet für uns Leben. Es ist unverzichtbar zum Trinken, Kochen, Reinigen und für unsere Gesundheit. Und ohne Wasser können wir nicht weiter im Lager leben.

Hameed Salem Al Darboo, 31 Jahre, Waschokani Camp

Aufgrund der instabilen militärischen und politischen Lage befürchten wir, dass die Wasserversorgung jederzeit unterbrochen werden könnte. Außerdem gibt es immer weniger Unterstützung von Hilfsorganisationen. Wir haben Angst, dass die Hilfe ganz ausbleibt – vor allem bei der Wasserverteilung.

Nouria Motee Al Sehel, 27 Jahre, Waschokani Camp

Eine Region, in der Wasser äußerst knapp ist

Der Norden Syriens war einst für seine fruchtbaren Böden und grünen Flussläufe bekannt. Die Klimakrise und mehr als ein Jahrzehnt bewaffneter Konflikte haben das geändert. Die öffentliche Wasserinfrastruktur ist weitgehend zerstört, so gut wie niemand kann zu Hause einfach einen Hahn aufdrehen. Besonders schwer wiegt der Ausfall des Wasserwerks Alouk am Euphrat, einst wichtigste Versorgungsstation für rund eine Million Menschen – es stellte aufgrund von Kriegsschäden 2020 den Betrieb ein.

Ganze Ortschaften sind seither auf Lkw-Lieferungen oder private Brunnen angewiesen, deren Grundwasserspiegel dramatisch sinkt. 2025 verschärfte die schwerste Dürre seit Jahrzehnten die Lage zusätzlich. Laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, haben bereits sechs von zehn Menschen in Syrien nicht ausreichend zu essen. Wassermangel und Ernährungsunsicherheit bedingen einander. Nicht zuletzt stellt die Wasserqualität in der Region ein großes Problem dar. Viele Kläranlagen sind außer Betrieb, und die meisten Oberflächengewässer demzufolge stark verunreinigt.

Warum wir bleiben, wenn andere gehen

Weltweit werden Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt. Auch im Nordosten Syriens haben sich Organisationen bereits zurückgezogen – das Washokani Camp ist ein Beispiel dafür. arche nova bleibt, weil die Notlage es erfordert und weil wir die Erfahrung mitbringen, unter schwierigen Bedingungen verlässlich eine Grundversorgung zu sichern. 2025 haben wir mit Wasserlieferungen rund 90.000 Menschen im Nordosten Syriens erreicht, mit allen WASH-Maßnahmen zusammen rund 172.000. Wasserversorgung in Krisen ist kein Randthema unserer Arbeit. Es ist ihr Kern – am Weltwassertag und an jedem anderen Tag des Jahres.

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