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Humanitärer Einsatz, wo jeder Tag Weltflüchtlingstag ist

12. Juni 2020 - Syrien
Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni macht arche noVa auf das Schicksal der Betroffenen in Syrien aufmerksam, die Krieg und Zerstörung im eigenen Land in die Flucht geschlagen hat. Besonders dramatisch ist die Situation im nicht von der Regierung kontrollierten Idlib, wo arche noVa Nothilfe leistet. Aber auch in den anderen Landesteilen ist die Not groß. 11,1 Millionen Menschen sind auf humanitäre Unterstützung angewiesen. Angesichts der dramatischen humanitären Situation in Syrien weist arche noVa die Forderung einzelner Politiker hierzulande nach einer Aufhebung des Abschiebestopps entschieden zurück.

arche noVa gegen Abschiebung nach Syrien

„Der Krieg ist nicht beendet, es gibt keinen internationalen Friedensplan und kein Abkommen unter der Regie der Vereinten Nationen. Man kann derzeit niemanden in das Land zurück schicken“, so arche noVa-Geschäftsführer Mathias Anderson. „Für Rückkehrende gibt es keine Sicherheit. Die Zerstörungen sind enorm, die Versorgungslage ist katastrophal, die Inflation erschreckend und in vielen Orten gibt es keinen Wohnraum“. Gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention dürfen Geflüchtete nicht in ein Land abgeschoben werden, in dem ihnen Gefahr für Leib und Leben droht. „Das gilt aber nach wie vor für jeden, der im Laufe des kriegerischen Konflikts in Syrien auch nur einmal politisch Stellung genommen hat.“

Humanitäre Hilfe zwischen den Fronten

Unser lokales Team begegnet vor Ort täglich Menschen, die sich im eigenen Land nicht sicher fühlen. Sie leben mit der Angst vor Anschlägen und weiteren Vertreibungen. arche noVa arbeitet in Idlib, im Nordwesten des Landes. Unser Auftrag: Möglichst viele Menschen beim Überleben zwischen den Fronten zur Seite zu stehen. Wir sorgen für Brot, Lebensmittel, Trinkwasser, Toiletten und Hygienesets. Unser Einsatz ist umso wichtiger, als dass Corona als neue Bedrohung noch dazu gekommen ist.

Idlib: Mehr als zwei Millionen Geflüchtete auf engstem Raum

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlicht die UN regelmäßig historische Höchststände. Das ist auch dieses Jahr der Fall. Zur Zeit werden weltweit 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht registriert. Die Mehrzahl von ihnen sind innerhalb ihres eigenen Landes als sogenannte Binnenvertriebene geflohen. Das syrische Idlib zählt zu den Regionen der Welt, wo besonders viele Menschen auf engstem Raum zusammengedrängt wurden. Hier leben aktuell rund vier Millionen Menschen, mehr als zwei Millionen von ihnen sind Binnenflüchtlinge.

Wie geht es den Menschen hinter den Zahlen?

Hinter den Zahlen und Fakten stehen einzelne Menschen und ihre Geschichten; Geschichten von Gewalt und Verlust, aber auch von Mut und Hoffnung. Ihre Stimmen wollen wir zum Weltflüchtlingstag in den Mittelpunkt stellen.

« Mich beunruhigen immer so viele Dinge, wie die Möglichkeit, dass wir krank werden könnten und kein Geld haben, um Medikamente zu kaufen, oder eine neue Operation für mein Kind, das beim Beschuss verletzt wurde. Vor fünf Jahren sind wir vor dem Beschuss von Zuhause geflohen. Mitgenommen haben wir nichts außer unseren privaten Dokumenten. Ich habe zwei Schwager verloren. Jetzt lebe ich hier mit meinem Mann, meinen vier Kindern, meiner Schwiegermutter und den Neffen. Am dringendsten ist es, dass wir eine Arbeitsmöglichkeit finden, damit wir die Miete bezahlen und unseren Kindern, die durch Krieg und häufige Vertreibung fast Analphabeten geworden sind, ein Mindestmaß an Bildung bieten können. »
Fatema Daaboul, 25 Jahre
« Wir haben unser Zuhause und unser Geschäft verlassen und meinen Bruder und seine beiden Kinder bei einem Luftangriff verloren. Ich habe Angst um die Zukunft meiner Kinder. Sie haben ihre Ausbildung verloren und ihre Schulen wurden zerstört. Ich möchte, dass sie lernen. Ich hätte nie gedacht, dass sie das grundlegendste ihrer Rechte, nämlich "Bildung", nicht bekommen würden. »
Ahmad Kelly, 45 Jahre
« Ich bin ein Mann im sechsten Jahrzehnt meines Lebens. Die Krise hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Wir wurden mehrfach vertrieben. Ich habe einen meiner Söhne verloren, der zwei Kinder hat, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, weil sie mit ihrer Mutter weit entfernt leben. An diesem Ort leben wir zu sechst. Das Brot und die Lebensmittelpakete von arche noVa sind für uns sehr wichtig, weil ich keinen Job habe und Nahrungsmittel zu teuer sind. Ich brauche dringend Arbeit, damit wir die Miete bezahlen und Medikamente für meinen Sohn kaufen können, der ohne sie nicht atmen kann. Ich wünsche mir, dass dieser Krieg beendet wird und dass ich zurückkehren kann, auch wenn ich in einem Zelt auf den Ruinen des abgerissenen Hauses wohnen muss. »
Ibrahim Almazboh, 64 Jahre
« Ich kann an nichts anderes denken, als dass dies unser letzter Tag an diesem Ort sein könnte. Ich habe wirklich Angst, dass dieser Konflikt lange andauert und uns erneut zur Flucht zwingt. Früher habe ich mit meiner Familie in unserer Heimatstadt gelebt und hatte ein Lebensmittelgeschäft. Der Beschuss unserer Stadt zwang uns zur Flucht aus unseren Häusern, wir verloren unsere Lebensgrundlagen. Zuerst zogen wir in den Norden von Idlib in die Stadt Kelly. Wir hatten nichts und kein Mensch bot uns irgendeine Hilfe an. Wir schliefen unter den Bäumen und mussten sogar Wasser kaufen, was sehr teuer war. Jetzt leben wir in diesem Lager. Seit arche noVa vor Ort ist hat sich einiges verbessert. Wir haben sauberes Wasser, Abfallentsorgung, Wassertanks und Latrinen. »
Suleiman Muhammad Salmu , 54 Jahre

Für dieses Projekt spenden

30
ein Lebensmittelpaket, das Grundnahrungsmittel für eine Familie für einen Monat enthält.
70
ein 1.000-Liter-Tank, der Wasser für 15 Menschen in einem informellen Camp speichert.
250
Bau einer Toilette für 20 Menschen, die in Zelten oder Notunterkünften leben.

20. Juni ist Weltflüchtlingstag

Zum Weltflüchtlingstag veröffentlicht UNHCR jährlich die globalen Flüchtlingszahlen – in den letzten Jahren haben sie traurige Rekorde erreicht. Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen in vielen Regionen der Welt haben zu Höchstständen bei Binnenvertriebenen, Flüchtlingen und Asylsuchenden geführt. Binnenvertriebene sind Zivilistinnen und Zivilisten, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht vor Konflikten, Gewalt oder allgemeinen Menschenrechtsverletzungen sind. Sie stellen eine der größten Gruppen von schutzbedürftigen Menschen dar: Ende 2019 galten geschätzte 45,7 Millionen Menschen als binnenvertrieben.

Abschiebestopp nach Syrien in Gefahr

Vom 17. bis 19. Juni findet die nächste Innenministerkonferenz in Erfurt statt. Die Länderminister werden unter anderem über den Abschiebungsstopp nach Syrien beraten, der ohne eine weitere Verlängerung am 30.06.20 auslaufen würde. Bereits bei der letzten Konferenz der Innenminister im Dezember 2019 drohte der Abschiebungsschutz aufgeweicht zu werden. Zwar einigte man sich final auf eine erneute sechsmonatige Verlängerung des uneingeschränkten Abschiebungsverbots nach Syrien, zuvor waren jedoch Forderungen von verschiedenen Seiten nach Abschiebungsmöglichkeiten publik geworden. arche noVa fordert die deutschen Innenminister auf, den Abschiebestopp angesichts der Menschenrechtslage vor Ort zu verlängern.

Mehr erfahren

Mehr Informationen zur humanitären Hilfe von arche noVa in Syrien lesen Sie in unserem Projektbericht.

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