Überblick über Kibera mit Schulgebäude
©arche noVa/ Alfred Githinji

Kenia: Wasser, Ernährung und Bildung an der St. Juliet Schule in Kibera

Am St. Juliet Education Centre in Kibera, dem größten Slum der Hauptstadt Nairobi, setzt arche nova das langjährige Engagement fort. Das neue Projekt stärkt klimasensibel die Wasserversorgung, verbessert Hygienepraktiken, fördert gesunde Ernährung und modernisiert die Lerninfrastruktur — für rund 1.800 Menschen, die direkt von den Maßnahmen profitieren.
Kenia
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Das St. Juliet Education Centre wurde im Jahr 2000 in freier Trägerschaft gegründet — mitten in Kibera, wo großes Engagement auf schwierige Lebensbedingungen trifft. 16 Lehrkräfte unterrichten Schülerinnen und Schüler, viele von ihnen sind selbst in dem benachteilgiten Viertel aufgewachsen. Die Schule ist von den Behörden anerkannt und bietet lehrplangemäßes Unterrichtsangebot, erhält jedoch keine öffentlichen Mittel. Alle Kosten werden aus Fördermitteln und privaten Zuwendungen gedeckt.

Schule als Anker

Für die Kinder und Jugendlichen ist die Schule weit mehr als ein Lernort – sie ist Schutzraum, Rückzugsort und sozialer Ankerpunkt. Viele kommen auch in den Ferien, weil es zu Hause eng ist und die Straßen des Slums nicht sicher sind. arche nova unterstützt diesen besonderen Ort bereits seit 2020. Im aktuellen Projekt geht es um eine weitere Stärkung der Infrastruktur und die Verbesserung der Lernbedingungen.

Wasser sichern, Überschwemmungen verhindern

Kibera liegt in einer Senke und leidet regelmäßig unter Überschwemmungen – mit dem Klimawandel nehmen Starkregenereignisse zu. Im Projekt werden deshalb konkrete Schutzmaßnahmen umgesetzt: Ein 150 Meter langer Entwässerungskanal soll die Schule künftig vor Hochwasser schützen. Gleichzeitig wird ein Grauwasseraufbereitungssystem im Versorgungszentrum der Schule installiert. Dachrinnen und zwei 5.000-Liter-Wassertonnen zur Regenwassernutzung sichern die Versorgung auch dann, wenn das öffentliche Netz – wie so oft – ausfällt.

Ein besonderes Augenmerk legt das Projekt auf Menstruationshygiene. Viele Mädchen in Kibera haben schlicht keinen Zugang zu Hygieneartikeln und fehlen deshalb regelmäßig im Unterricht, wenn sie ihre Periode haben. Wer einmal häufig fehlt, verliert den Anschluss. Was klein erscheint, entscheidet über Bildungswege. Im Projekt erhalten Schülerinnen deshalb Hygienekits mit Damenbinden. Darüber hinaus wird ein Pilotprojekt mit wiederverwendbaren Binden gestartet – eine nachhaltige Lösung. 

„Wer in Kibera täglich erlebt, wie oft Kinder und Jugendliche wegen fehlender Schultoiletten und Mangel an Menstruationsprodukten dem Unterricht fernbleiben oder sich schämen, versteht sofort: Wasser, Sanitär und Hygiene sind keine Zusatzleistungen, sie sind die Grundlage für alles andere. Deshalb beginnen wir hier.“ 

Yvonne Stephan, Länderreferentin Kenia

Außerdem finden Hygieneschulungen für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sowie regelmäßige Reinigungsaktionen in der Gemeinde statt. Das WASH-Komitee der Schule wird ausgebaut und gestärkt, damit das Wissen und die Strukturen über das Projekt hinaus erhalten bleiben. 

Vom Schulgarten auf den Teller: Ernährung und Lebensgrundlagen stärken

In Kibera ist das Schulessen für viele Kinder die wichtigste — manchmal die einzige — Mahlzeit des Tages. Im Projekt wird die Schulküche weiter ausgebaut und mit 20 Tischen und 80 Bänken ausgestattet, damit Kinder gemeinsam und in Würde essen können.

Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkräfte werden zudem in klimafreundlichem Küchengartenbau und Hydrokulturen geschult. Zwei Austauschbesuche an Schulen mit vorbildlichen Hydrokultursystemen geben dabei praktische Inspiration. Das Engagement in Küchengärtnerei und Lebensmittelkonservierung soll die Schulgemeinschaft stärken aber auch in die Nachbarschaft getragen werden. Von den Schulungen sollen vor allem von Frauen geführte Haushalte profitieren. Ein neu gebildeter Ernährungsausschuss sowie Gesundheits- und Ernährungskampagnen runden die Maßnahmen ab.

Neben dem Ernährungsthema geht es zudem um Nachhaltigkeit und Einkommensmöglichkeiten. Schülerinnen und Schüler sowie Frauen und Jugendliche werden in der Herstellung von Briketts geschult und erhalten dafür eine Ausstattung . Weitere Teilnehmende lernen die Seifenherstellung, um ihre wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken.

Moderne Räume für gutes Lernen

Gute Bildung braucht ein gutes Umfeld. Vier Klassenzimmer und ein Büro werden saniert und anschließend mit Solarenergie versorgt. So gibt es zuverlässiges Licht, unabhängig vom instabilen öffentlichen Stromnetz. Zudem wird eine digitale Lernecke mit fünf Tablets errichtet, die den Schülerinnen und Schülern, die im Gegenatz zu ihren Altersgenossen im Globalen Norden nicht über eigene Mobiltelefone verfügen, Zugang zur digitalen Welt ermöglicht. Fortbildungen für Lehrkräfte sowie die Entwicklung und Verteilung von Lehrmaterialien runden die Maßnahmen ab.

In Vorgängerprojekten viel erreicht

Unsere ersten Aktivitäten am St. Juliet Education Centre begannen in Covid-Zeiten, als der Hilfsbedarf besonders groß war. Anschließend hat  arche nova  die Wasser- und Sanitärversorgung ausgebaut. Auf einem nahegelegenen Grundstück wurde ein neues Versorgungsgebäude mit Toiletten und Waschgelegenheiten sowie einem Müllverbrennungsofen gebaut, wo unter anderem Menstruationshygieneprodukte entsorgt werden können. Davon profitiert die Schulgemeinschaft direkt und indirekt: Menschen aus der Nachbarschaft können die Anlagen gegen Gebühr mitnutzen. Zudem wurde bereits die Schulküche ausgebaut und ihr Betrieb damit gesichert.
Was diese Investitionen bedeuten, brachte Trish Kageha Chamb, Schülerin der Abschlussklasse, in einer Rede vor der Schulgemeinschaft auf den Punkt:

„Es wäre nicht fair, wenn ich nicht sagen würde, dass die Benutzung von Toiletten mit Wasserspülung, die es trotz Slum-Setting jetzt an unserer Schule gibt, es uns ermöglicht hat, uns gleichwertig mit den Kindern zu fühlen, die in den besseren Stadtteilen leben.“

Projektsteckbrief

Projektziel

Verbesserung der Resilienz durch klimasensiblen Zugang zu WASH, Ernährung und moderner Lerninfrastruktur in Kibera, Kenia

Zielgruppe

Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte der St. Juliet School in Kibera (1.820 Menschen) sowie Gemeinde rund um die Schule

Aktivitäten
  • Installation eines Grauwasseraufbereitungssystems
  • Installation von Dachrinnen und zwei 5.000-Liter-Tanks zur Regenwassernutzung
  • Bau eines 150 m langen Entwässerungskanals
  • Hygiene- und Ernährungsschulungen für 300 Personen
  • Verteilung von Hygiene-Sets und Damenbinden
  • Pilotprojekt mit wiederverwendbaren Binden für 30 Mädchen
  • Ausstattung der Schulküche mit 20 Tischen und 80 Bänken
  • Sanierung von 4 Klassenzimmern und 1 Büro
  • Installation einer Solaranlage
  • Einrichtung einer digitalen Lernecke mit 5 Tablets
  • Schulungen in klimafreundlichem Küchengartenbau und Hydrokulturen
  • Schulungen in Brikettherstellung und Seifenherstellung
Projektlaufzeit
April 2026 – März 2027
Förderer
  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Aktion Deutschland Hilft
  • Spenderinnen und Spender

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