Titelbild Kenia - Gemeinsam stärker. Selbsthilfegruppe Kee
©arche noVa/Axel Fassio

Kenia: Sanddämme ermöglichen Wasser und bessere Landwirtschaft

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Kenia gilt hierzulande als Traumurlaubsziel. Doch Strand und Safari-Abenteuer für Touristen sind nur eine Seite des ostafrikanischen Landes. Viele Kenianerinnen und Kenianer leben in Regionen, wo die Lebensgrundlagen alles andere als sicher sind und der Klimawandel deutliche Spuren hinterlässt.
Kenia
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Zu den Gebieten, die mit schwacher Infrastruktur, Armut und extremen Wetterbedingungen zu kämpfen haben, zählen die Distrikte Makueni, Machakos und Kitui im Zentrum Kenias. Lediglich zwei kurze aber heftige Regenzeiten sorgen für Niederschlag und damit für Bewässerung der Felder. Doch binnen weniger Tage ist das Wasser versickert und die Flüsse ausgetrocknet. Die Folge: Auf den sandigen Böden können die Bäuerinnen und Bauern nur wenig Ertrag aus ihren Feldern ziehen. Und für ihr Trinkwasser müssen sie weite Fußmärsche auf sich nehmen. Hoffnung auf Besserung gibt es nicht – im Gegenteil. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich, weil die Regenzeiten immer kürzer werden und die Gesamtmenge der Niederschläge sinkt. Immer öfter können die Bauern deshalb nicht einmal mehr ihren Eigenbedarf sichern. Offiziell gilt der Distrikt Makueni als Nahrungsmittel-Defizit-Region. Zwei Drittel der Familien leben in Armut. Viele von ihnen sind von den Lebensmittelverteilungen abhängig.

Das zweite Projektgebiet von arche noVa liegt im Laikipia County, das besonders dünn besiedelt und wenig erschlossen ist. Auch hier müssen Menschen weite Wege zurücklegen, um sich mit Trinkwasser zu versorgen. In akuten Dürrephasen verschärft sich die Situation, so wie zuletzt im Frühjahr 2022. Angesichts des enormen Hilfsbedarfs versorgt unsere lokale Partnerorganisation die Menschen durch Wasserlieferung per Tanklaster.

Dem Klimawandel trotzen, Widerstandskraft stärken

Unser Projekt zielt darauf ab, die prekären Lebensbedingungen der hier lebenden kleinbäuerlichen Familien dauerhaft zu verbessern. Dafür nehmen wir ein ganzes Maßnahmenbündel in die Hand, das ein großes Ziel verfolgt: die Menschen vor Ort in die Lage zu versetzen, konstruktiv auf den Klimawandel zu reagieren, sich selber versorgen und Einkommenschancen erschließen zu können. Im Fachjargon wird dies Resilienz genannt. Damit dies gelingt, spielen die Menschen vor Ort in unserem Projekt von Anfang an selbst die entscheidende Rolle. Denn gebaut und unterstützt wird nur da, wo die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner bereits die Initiative ergriffen und eine Selbsthilfegruppe gegründet haben. Ihr Ansprechpartner sind unsere lokalen Partnerorganisation Africa Sand Dam Foundation (ASDF) und Laikipia Permaculture Trust (LPCT), die die Projektmaßnahmen bündeln und gemeinsam mit den Selbsthilfegruppen umsetzen.

Sanddämme sichern die Wasserversorgung dauerhaft

Dreh und Angelpunkt in unseren Projektdörfern ist der Bau von Sanddämmen, die die Wasserversorgung dauerhaft sichern. Die Sanddämme entstehen dort, wo schon wenige Tage nach der Regenzeit kein Wasser mehr zu sehen ist: in den trockenen Flussbetten. Der Bau funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Der Damm hält den Sand zurück und wird zum Wasserspeicher. Die Menschen und ihre Viehherden profitieren davon. Zugleich stabilisiert sich die Grundwasserspeicherschicht, die den Baum- und Strauchbestand kräftiger wachsen lässt und zu besseren Erträgen auf den Feldern führt.

Die Bauarbeiten übernehmen die Selbsthilfegruppen der beteiligten Gemeinden in Eigenleistung. Dabei werden sie von unseren Partnerorganisationen eng begleitet. Die Kooperation beginnt schon bei der Planung. Die Selbsthilfegruppen erhalten Baupläne, Trainings, logistische Unterstützung, Werkzeuge und einen Teil der Baumaterialien wie zum Beispiel Zement, Stahl und Holz. Sand, Kies und Gestein werden dagegen von den Selbsthilfegruppen beigesteuert. Über Monate sammeln und beschaffen sie die notwendigen Mengen. Dann beginnt der Bau unter Anleitung der Expertinnen und Experten der Partnerorganisationen. 

Zunächst wird das Grundgestein freigelegt und eine Betonmauer verankert. Diese Mauer ist der eigentliche Damm und wird gestuft gestaltet, um mit verschieden starken Fluten fertig werden zu können und dabei stets auch noch ausreichend Wasser für die flussabwärts liegenden Gemeinden durchzulassen. Im Laufe von drei Regenzeiten bildet sich vor den Dämmen, flussaufwärts eine flache Sandebene, die als Speichermedium dient und verhindert, dass das Wasser wie bei einem offenen Stausee verdunstet. Die Wasserentnahme erfolgt direkt neben den Dämmen bequem per Handpumpe.

Noch mehr Wasser dank Solarpumpen

An einzelnen Standorten werden Solarpumpen installiert, die das Wasser aus dem Sandspeicher in ein Wassersystem pumpen. Dieser Ausbau passiert in Ortschaften, die so weit oberhalb der Flussläufe gelegen sind, dass der Weg zu einer Handpumpe zu weit oder beschwerlich ist. Die Green-Energy-Lösung rundet die klimaangepassten Maßnahmen weiter ab.

Für alle Dörfer gilt: Während des Projektes werden Wasserkomitees gegründet und geschult, die für den Erhalt und Betrieb der neuen Systeme zuständig sind.

Für dieses Projekt spenden

27
15 Kilogramm dürreresistente Pflanzensamen
59
ganzjährig Trinkwasser für eine Familie an einem Sanddamm
430
Installation einer Handpumpe an einem Sanddamm

Positive Effekte durch Kooperation verstärken

Die langjährige Erfahrung unserer lokalen Partnerorganisation ASDF beweist: Wo Sanddämme entstehen, gibt es ausreichend Wasser, sparen die Menschen Zeit beim Wasserholen, entsteht neues Ackerland, gedeihen Feldfrüchte besser, können neue Bäume gepflanzt werden und: das Mikroklima verbessert sich. Diese positiven Effekte verstärken wir in unserem Projekt gezielt, in dem wir das Know-how von zwei lokalen Partnerorganisationen zusammenführen: ASDF bringt die Expertise im Bereich Wasserversorgung und Mobilisierung von Selbsthilfegruppen ein und LPCT die Expertise in der nachhaltigen Landwirtschaft.

Bäume pflanzen, Ernten verbessern, Einnahmen erzielen

An etlichen Projektstandorten werden Baumschulen eingerichtet und Wiederaufforstungsprogramme durchgeführt. Dies sind wichtige Schritte gegen die zunehmende Versteppung und die weitverbreitete Erosion in der Region. Die Bepflanzung ist damit Teil der Katastrophenvorsorge.

Weitere Verbesserungen gelten der Landwirtschaft. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern lernen während unseres Projektes, wie sie auf ihren Feldern Terrassen bauen und die Erosion bekämpfen können. Sie erhalten Dürre resistentes Saatgut und bekommen Trainings zu nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden und Permakultur. Hinzu kommt die Unterstützung in der Viehzucht von Hühnern und Ziegen. So gerüstet können sich die Menschen besser versorgen und darüber hinaus neue Einkommensmöglichkeiten erschließen. Das ist bislang insbesondere für junge Menschen in der Region extrem schwierig. Viele Jugendliche sehen ihre Zukunft in der Abwanderung in Städte. Unser Projekt bezieht deshalb diese Zielgruppe explizit ein. Jugendliche erhalten Schulungen in Geflügelzucht, Töpferei und Gartenbau sowie in Betriebswirtschaft.

Zu den Zukunftsperspektiven, die das Projekt fördert, zählt zudem die Produktion von Kosmetikprodukten wie Seifen oder Shampoo, die direkt vor Ort vermarktet werden. Dazu wird der Anbau von Aloe Vera vorangetrieben. Die Pflanzen wachsen schnell und brauchen wenig Wasser. Seife wird im Projekt zudem aus Ziegenmilch hergestellt und vertrieben. Erste Seifenstücke finden sich bereits in Hotelzimmern der Region, ein wichtiger Schritt für die Entwicklung weiterer Vermarktungsmöglichkeiten.

Um Abholzung und Emissionen zu reduzieren, fördert  ASDF gezielt den Einsatz energieeffizienter Öfen. Dazu werden Freiwillige ausgebildet, die ihrerseits Schulungen in den Gemeinden durchführen. Sie werden erläutern, wie man bessere Öfen baut oder vorhandene abdichtet. So spart jede einzelne Familie Holzkohle und Brennholz und der Kohlendioxid-Ausstoß verringert sich.

Widerstandsfähigkeit stärken und Risiken eindämmen

Unser Projekt setzt auf Nachhaltigkeit und Resilienz. Was sich an einzelnen Standorten bewährt hat, wird als best practice im Netzwerk weiterkommuniziert. Gezielt fördert arche noVa die Vernetzung zivilgesellschaftlicher Akteure untereinander und die Kommunikation unserer Partnerorganisationen zu den behördlichen Strukturen vor Ort.

Wichtigster Akteur, um die Risiken von Katastrophen zu verringern, sind die Gemeinschaften vor Ort. Sie müssen sich neben anderen Gefahren, insbesondere den Auswirkungen des Klimawandels stellen. Das können sie umso besser, je besser ihre Informationsgrundlage ist. Im Zuge unseres Projektes werden deshalb Kartierungen mit den Gemeinden durchgeführt, die die natürlichen Risiken ortsspezifisch abbilden.

Wo genau und wie sehr Überschwemmungen, Erosionen, Verlust von Vieh, anhaltende Dürre und Ernteausfälle die einzelnen Dörfer bedrohen, ist vielen Gemeinschaften bisher nicht in der ganzen Tragweite bewusst. Hinzu kommt die Überbeanspruchung natürlicher Ressourcen und eine nicht nachhaltige Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen. All dies wird in Trainings mit den Gemeinden thematisiert und daraus Anpassungsmaßnahmen abgeleitet. Zuletzt soll jede Gemeinschaft über Strategien zur Katastrophenvorsorge, Frühwarnsysteme und Notfallpläne verfügen und den Weg zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen einschlagen.

In Vorgängerprojekten schon viel bewegt

arche noVa ist seit 2012 in Kenia aktiv. Etliche Selbsthilfegruppen wurden bereits unterstützt. Dabei wurden über 50 Sanddämme gebaut. An vier Standorten wurden Felsauffangbecken errichtet, um das abfließende Regenwasser von Felsformationen aufzufangen und zu speichern. Leitungssysteme, Wassertanks und Ausgabestellen wurden an zahlreichen der Standorte gebaut.

Zu den Einsatzorten zählten auch Schulen, wo wir gemeinsam mit ASDF Regenwasserspeicher für die Wasserversorgung gebaut haben. Nicht zuletzt spielt in unserem Länderprogramm von Anfang an das Thema Hygieneaufklärung eine wichtige Rolle. 2020 wurden diese Aktivitäten im Zuge der Covid-19-Prävention noch verstärkt.

Projektsteckbrief

Projektziel

Wirkungsziel: Erhöhung der Resilienz ländlicher Gemeinden in ASAL-Gebieten gegenüber Dürren und anderen Auswirkungen des Klimawandels

Aktuelles Projekt: Sicherung der Trinkwasserversorgung und Ernährung sowie Schaffung von Einkommensquellen

Zielgruppe
10.540 Personen
Aktivitäten

 

  • Bau von 26 Sanddämmen sowie 4 Solarpumpen an bestehenden Sanddämmen
  • Gründung und Training von Wasserkomitees
  • Terrassenbau auf Farmen
  • Einrichtung kollektiver Gemüsegärten als Demonstrationsflächen
  • Einrichtung von Samenbanken für Feldfrüchte
  • Verteilung von dürretoleranten Nutzpflanzensorten (Samen) und Werkzeugen
  • Aufforstung und Aufbau von Baumschulen
  • Schulungen zur klimaangepasster Landwirtschaft, Agroforstwirtschaft, Vermarktung der Produkte
  • Förderung der Kleintierhaltung
  • Schulung von Jugendlichen im Gartenbau, Betriebsmanagement, Geflügelproduktion
  • Trainings zu Boden- und Wasserschutz,  
  • Aufbau von Katastrophenvorsorge Strukturen
Projektlaufzeit
Seit Dezember 2020
Kooperationspartner
Africa Sand Dam Foundation (ASDF)
Laikipia Permaculture Centre Trust (LPCT)
Förderer
  • Aktion Deutschland Hilft
  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  • Spenderinnen und Spender

 

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