Titelbild Kenia - Gemeinsam stärker. Selbsthilfegruppe Kee
arche noVa/Axel Fassio

Kenia: Sanddämme ermöglichen Wasser und bessere Landwirtschaft

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Kenia gilt hierzulande als Traumurlaubsziel. Doch Strand und Safari-Abenteuer für Touristen sind nur eine Seite des ostafrikanischen Landes. Viele Kenianerinnen und Kenianer leben in Regionen, wo die Lebensgrundlagen alles andere als sicher sind und der Klimawandel deutliche Spuren hinterlässt.
Kenia
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Zu den Gebieten, die mit extremen Wetterbedingungen zu kämpfen haben, zählen die Distrikte Makueni, Machakos und Kitui im Zentrum Kenias. Hier ist es die meiste Zeit des Jahres heiß und trocken. Lediglich zwei kurze aber heftige Regenzeiten sorgen für Niederschlag und damit für Bewässerung der Felder. Doch binnen weniger Tage ist das Wasser versickert und die Flüsse ausgetrocknet. Die Folge: Auf den sandigen Böden können die Bäuerinnen und Bauern nur wenig Ertrag aus ihren Feldern ziehen. Und für ihr Trinkwasser müssen sie weite Fußmärsche auf sich nehmen. Hoffnung auf Besserung gibt es nicht – im Gegenteil. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich, weil die Regenzeiten immer kürzer werden und die Gesamtmenge der Niederschläge sinkt.  Immer öfter können die Bauern deshalb nicht einmal mehr ihren Eigenbedarf sichern. Offiziell gilt der Distrikt Makueni als Nahrungsmittel-Defizit-Region. Zwei Drittel der Familien leben in Armut. Viele von ihnen sind von den Lebensmittelverteilungen internationaler Hilfsorganisationen abhängig.

Dem Klimawandel trotzen

Unser Projekt zielt darauf ab, die prekären Lebensbedingungen der hier lebenden kleinbäuerlichen Familien dauerhaft zu verbessern. Dafür nehmen wir seit 2012 ein ganzes Maßnahmenbündel in die Hand, das ein großes Ziel verfolgt: Die Menschen vor Ort in die Lage zu versetzen, konstruktiv auf den Klimawandel zu reagieren, sich selber versorgen und Einkommenschancen erschließen zu können. Im Fachjargon wird dies Resilienz genannt. Damit dies gelingt, spielen die Menschen vor Ort in unserem Projekt von Anfang an selbst die entscheidende Rolle. Denn gebaut und unterstützt wird nur da, wo die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner bereits die Initiative ergriffen und eine Selbsthilfegruppe gegründet haben. Ihr Ansprechpartner sind unsere lokalen Partnerorganisation Africa Sand Dam Foundation (ASDF) und Laikipia Permaculture Trust (LPCT), die die weiteren Projektmaßnahmen bündeln und gemeinsam mit den Selbsthilfegruppen umsetzen.

Sanddämme sichern die Wasserversorgung dauerhaft

Dreh und Angelpunkt in jedem unserer Projektdörfern ist der Bau von Felsauffangbecken oder Sanddämmen, die die Wasserversorgung dauerhaft sichern. Die Sanddämme entstehen dort, wo schon wenige Tage nach der Regenzeit kein Wasser mehr zu sehen ist: in den trockenen Flussbetten. Der Bau funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Der Damm hält den Sand zurück und wird zum Wasserspeicher. Die Menschen und ihre Viehherden profitieren davon. Zugleich stabilisiert sich die Grundwasserspeicherschicht, die den Baum- und Strauchbestand kräftiger wachsen lässt und zu besseren Erträgen auf den Feldern führt.

Die Bauarbeiten übernehmen die Selbsthilfegruppen der beteiligten Gemeinden. Denn unsere Partnerorganisationen arbeiten nur mit den Menschen und nicht für sie. Deshalb verteilen die Organisationen auch keine Hilfsgüter oder Bargeld, sondern bringen lediglich Expertise, Training, logistische Unterstützung, Werkzeuge und einen Teil der Baumaterialien mit wie zum Beispiel Zement und Bewährungsstahl. Sand, Kies und Gestein werden dagegen von den Selbsthilfegruppen beigesteuert. Über Monate sammeln und beschaffen sie die notwendigen Mengen. Dann beginnt der Bau unter Anleitung der Expertinnen und Experten der Partnerorganisationen.

Zunächst wird das Grundgestein freigelegt und eine Betonmauer verankert. Diese Mauer ist der eigentliche Damm und wird gestuft gestaltet, um mit verschieden starken Fluten fertig werden zu können und dabei stets auch noch ausreichend Wasser für die flussabwärts liegenden Gemeinden durchzulassen. Im Laufe von drei Regenzeiten bildet sich vor den Dämmen, flussaufwärts eine flache Sandebene, die als Speichermedium dient und verhindert, dass das Wasser wie bei einem offenen Stausee verdunstet. Außerdem verbessert der Sand die Wasserqualität, indem er das Wasser filtert.

Noch mehr Wasser dank Solarpumpen

An einzelnen Standorten mit Sanddämmen werden zudem Solarpumpen installiert, die das Wasser aus dem Sandspeicher in ein Wassersystem pumpen. Dieser Ausbau findet in Ortschaften, die so weit oberhalb der Flussläufe gelegen sind, dass der Weg zu einer Handpumpe zu weit oder beschwerlich ist. Die Green-Energy-Lösung rundet die klimaangepassten Aktivitäten weiter ab.

Für alle Dörfer gilt: Während des Projektes werden Wasserkomitees gegründet und geschult, die für den Erhalt und Betrieb der neuen Systeme zuständig sind.

Für dieses Projekt spenden

27
15 Kilogramm dürreresistente Pflanzensamen
59
ganzjährig Trinkwasser für eine Familie an einem Sanddamm
350
Installation einer Handpumpe an einem Sanddamm

Positive Effekte durch Kooperation verstärken

Die langjährige Erfahrung unserer lokalen Partnerorganisation beweist: Wo Sanddämme entstehen, gibt es ausreichend Wasser, sparen die Menschen viel Zeit beim Wasserholen, entsteht neues Ackerland, gedeihen Feldfrüchte besser, können neue Bäume gepflanzt werden und das Mikroklima verbessert sich. Diese positiven Effekte verstärken wir in unserem Projekt gezielt, in dem wir das Know-how von zwei lokalen Parnternorganisationen zusammenführen: ASDF bringt die Expertise im Bereich Wasserversorgung und Mobilisierung von Selbsthilfegruppen ein und LPCT die Expertise in der nachhaltigen Landwirtschaft.

Bäume pfanzen, Ernten verbessern, Einnahmen erzielen

An den Projektstandorten werden Baumschulen eingerichtet und Wiederaufforstungsprogramme durchgeführt. Dies sind wichtige Schritte gegen die zunehmende Versteppung in der Region. Weitere Verbesserungen gelten der Landwirtschaft. Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern lernen während unseres Projektes, wie sie auf ihren Feldern Terrassen bauen und die Erosion bekämpfen können. Sie erhalten Dürre resistentes Saatgut und bekommen Trainings zu nachhaltigen Bewirtschaftungsmethoden und Permakultur. Hinzu kommt die Unterstützung in der Zucht und Haltung von Hühnern und Ziegen. So gerüstet können sich die beteiligten Familien besser versorgen und darüber hinaus neue Einkommensmöglichkeiten erschließen.

Nicht zuletzt kümmern wir uns vor Ort um den lokalen Klimaschutz, indem ASDF gezielt den Einsatz energieeffizienter Öfen fördert. Dazu werden Freiwillige ausgebildet, die ihrerseits Schulungen in den Gemeinden durchführen. Sie werden erläutern, wie man bessere Öfen baut oder vorhandene abdichtet. So spart jede einzelne Familie Holzkohle und Brennholz und der Kohlendioxid-Ausstoß verringert sich.

In Vorgängerprojekten schon viel bewegt

arche noVa ist seit 2015 in Kenia aktiv. Etliche Selbsthilfegruppen wurden bereits unterstützt. Dabei wurden neben dem Bau von Sanddämen in einzelnen Projektgemeinden auch Felsauffangbecken gebaut, um das Regenwasser von Felsformationen aufzufangen und zu speichern. Leitungssysteme, Wassertanks und Ausgabestellen kamen hinzu. Zu den Einsatzorten zählten auch Schulen, wo wir gemeinsam mit ASDF Regenwasserspeichertanks für die Wasserversorgung gebaut haben. Nicht zuletzt spielt in unserem Länderprogramm von Anfang an das Thema Hygiene eine wichtige Rolle. 2020 wurden diese Aktivitäten im Zuge der Covid-19-Prävention noch verstärkt.

Projektsteckbrief

Projektziel

Wirkungsziel: Erhöhung der Resilienz ländlicher Gemeinden in ariden und semiariden Gebieten gegenüber Dürren und anderen Auswirkungen des Klimawandels

Aktuelles Projekt: Sicherung der Trinkwasserversorgung und Ernährung sowie Schaffung von Einkommensquellen

Zielgruppe
6.380 Menschen in 16 Dörfern
Aktivitäten
  • Bau von 14 Sanddämmen und 2 Solarpumpen an bestehenden Dämmen
  • Gründung und Training von Wasserkomitees
  • Terrassenbau auf Farmen
  • Einrichtung kollektiver Gemüsegärten als Demonstrationsflächen
  • Einrichtung von Samenbanken für Feldfrüchte
  • Verteilung von dürretoleranten Nutzpflanzensorten (Samen) und Werkzeugen
  • Aufforstung und Aufbau von Baumschulen
  • Schulungen zu klimaangepasster Landwirtschaft und Vermarktung der Produkte
  • Aufbau von Katastrophenvorsorge-Strukturen
Projektlaufzeit
bis Dezember 2022
Kooperationspartner
Africa Sand Dam Foundation (ASDF)
Laikipia Permaculture Centre Trust (LPCT)
Förderer
  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  • Aktion Deutschland Hilft
  • Spenderinnen und Spender
Förderer

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