Eine Hygienepromoterin im Gespräch mit einer Mutter, die zwei Kleinkinder bei sich hat, im Hintergrund Zelte eines Camps

Irak: In Camps und Dörfern erhalten geflohene Familien Wasser und elementare Hilfe

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Seit Jahrzehnten befindet sich der Irak im Krisenzustand. 2013 spitzt sich die Lage nach einer Phase der Beruhigung erneut zu. Ganze Landstriche werden von bewaffneten Gruppen in ihre Gewalt gebracht. Der sogenannte „Islamische Staat“ kontrolliert weite Teile des Zentral- und Nord-Irak. Zur Abwehr sind die irakische Armee und regierungsnahe Gruppen permanent im Kampfeinsatz. Die Folge: Mehr als drei Millionen Menschen sind vor der Gewalt innerhalb des Landes auf der Flucht. Die meisten von ihnen suchen im Nordosten des Landes Zuflucht. Anfang 2017 sind im Irak laut UN-Angaben insgesamt elf Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Irak
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Die Menschen brauchen Unterstützung in Form von Unterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserversorgung und medizinischen Leistungen. Etliche Binnenflüchtlinge leben in überfüllten oder illegalen Camps. Andere haben in Bauruinen und ungenutzten Gebäuden Zuflucht gefunden. Sie wohnen bei Bekannten oder mieten, was sie sich leisten können. Eines verbindet sie alle: die Sorge um die tagtägliche Versorgung ihrer Familien und die unsichere Aussicht auf Rückkehr in ihre Heimat. Der Hilfsbedarf ist riesig und die Herausforderung an die internationalen Helfer enorm.

arche noVa startete in Kooperation mit einer lokalen Partnerorganisation im August 2014 einen Nothilfe-Einsatz im Nordirak. Es werden Lebensmittel und Hygieneartikel an Geflüchtete verteilt, die bis dahin keine offizielle Unterkunft gefunden und keine Hilfsgüter erhalten haben.

Nach ausführlicher Bedarfserkundung vor Ort begann im März 2015 die zweite Phase unseres humanitären Einsatzes. Entsprechend unserer Kompetenz wird arche noVa im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene aktiv. Einen Schwerpunkt bildet die Versorgung der Menschen in den Flüchtlingslagern Al-Wand und Qoratou und seit Oktober 2016 auch im Camp Daquq in der Provinz Kirkuk. arche noVa übernimmt die Verantwortung für den Ausbau und den Betrieb der Wassersysteme, die insgesamt rund 3.400 Familien mit sicherem Trinkwasser versorgen. Dazu wurden Leitungssysteme und Wasserabgabestellen errichtet, Brunnen gebohrt, Pumpen betreut und es wird regelmäßig die Wasserqualität überprüft.

Außerdem kümmert sich das Projektteam um die Instandhaltung der Toiletten und zum Beispiel im Camp Qoratou auch um die kleinen Räume, die jede Familie hat, um sich in Privatsphäre mit dem in Kanistern geholten Wasser waschen und duschen zu können. Alle Abwässer fließen durch Rohre in Sickergruben, die von arche noVa in Betrieb gehalten werden. Im Auftrag von arche noVa übernehmen lokale Unternehmen die Müllbeseitigung in den Camps. Großes Augenmerk legt das arche noVa Team auf das Thema Hygiene. In allen Camps werden entsprechende Hilfsgüter verteilt. Angeleitet von unserem professionellen Team werden darüber hinaus viele Bewohnerinnen und Bewohner als Hygienetrainer im Programm einbezogen. Sie übernehmen die Aufgabe, alle Familien mindestens einmal in der Woche persönlich mit Themen rund um Hygiene und Gesundheitsvorsorge anzusprechen.

Doch arche noVa ist nicht nur in Camps aktiv. In den angrenzenden ländlichen Gemeinden in der Provinz Diyala leben ebenfalls viele Binnenflüchtlinge, die auf Hilfe angewiesen sind. Das gilt wegen der äußerst prekären wirtschaftlichen Lage vor Ort auch für ihre Gastgeber. Manche Familien beherbergen mehr geflüchtete Verwandte als ursprünglich im Haushalt lebten, manche bieten Bekannten eine Unterkunft, manche vermieten Wohnraum gegen ein geringes Entgelt. Für alle gilt: Die Versorgung in den verstreuten kleinen Ortschaften ist ungenügend und schwierig.

arche noVa ermittelte in einer ausführlichen Bedarfsanalyse 51 Dörfer, die dringend eine bessere medizinische Versorgung benötigen. Drei mobile Gesundheitsteams, jeweils mit einem Arzt oder einer Ärztin sowie einer Apothekerin oder einem Apotheker machen nach einem festgelegten Turnus wöchentlich in den Projektdörfern Station und bieten rund 45.000 Dorfbewohnern Konsultationen und einfache Behandlungen an, verteilen Medikamente und klären über Gesundheitsfragen auf. Die Aktivitäten im medizinischen Bereich werden abgerundet durch Investitionen für das Gesundheitszentrum im nahegelegenen Jelawla und im Krankenhaus in der Provinzhauptstadt Khanaqin.

Auch die Wasserversorgung im Projektgebiet wird von arche noVa im Zuge des Projektes verbessert. In 36 Gemeinden rehabilitiert und ergänzt unser Team die vorhandenen Wassersysteme, überprüft die Wasserqualität und baut individuelle Lösungen für das Abwassermanagement auf – dies alles in enger Absprache mit den lokalen Behörden.

Dem großen Bedarf entsprechend hilft arche noVa auch an den Schulen der Region. An 21 Schulen wurden bisher für rund 6.500 Schülerinnen und Schüler die Wasser- und Sanitärversorgung verbessert. Zusätzlich gibt es an allen Schulen Hygieneaufklärungstraining.

Wie sehr die Region Nordirak arche noVa am Herzen liegt, beweist ein Blick in die Vereinsgeschichte. Irakisch Kurdistan war 1992 während des zweiten Irak-Krieges das Ziel des ersten arche noVa-Einsatzes und mündete in der Vereinsgründung. Es folgten weitere Einsätze in der Region: 1994 und 2003 bis 2006.

Das aktuelle Projekt erhält Finanzmittel des Auswärtigen Amts und weiterer Geberinstitutionen. Es wird unter anderem cofinanziert vom Programm zur Entwicklungszusammenarbeit des Außenministeriums der Republik Polen.

Für dieses Projekt spenden

10
Sanitärversorgung einer Familie im Camp sicherstellen
50
Sicheres Trinkwasser für 15 Menschen in einem Camp
125
Tagessatz für ein mobilies medizinisches Team

Projektsteckbrief

Zielgruppe

85.000 Binnenflüchtlinge und Ortsansässige im Gouvernement Diyala, 600 Flüchtlinge in Dohuk und 9.800 Geflüchtete in Kirkuk

Projektziel
Verbesserung der Situation von Binnenflüchtlingen in den Gouvernements Dohuk und Diyala, Nordirak
Aktivitäten
  • Im IDP-Camp Al-Wand (Diyala) mit rund 1.200 Familien: Bau, Betrieb und Instandhaltung der Wasserleitung, Verteilung von Hygiene Kits und Schulungen in Hygiene- und Gesundheitsvorsorge, Müllbeseitigung
  • Im IDP-Camp Qoratou (Diyala) mit rund 300 Familien: Einrichtung einer Wasserversorgung, Instandhaltung der Sanitäranlagen, Bau einer Kanalisation inklusive Kläranlage, Müllbeseitigung, Hygieneaufklärung
  • Im IDP-Camp Daquq (Kirkuk) mit rund 1.850 Familien: Betrieb und Instandhaltung der Wasserleitung, Verteilung von Hygiene Kits und Schulungen in Hygiene- und Gesundheitsvorsorge, Müllbeseitigung
  • Gouvernement Diyala: Einsatz von drei mobilen Gesundheitsteams in einem Gebiet mit 45.000 Menschen (die Hälfte davon Binnenvertriebene); Ausstattung eines Gesundheitscenters und eines Krankenhauses; Rehabilitierung von Sanitäranlagen an 21 Schulen; Rehabilitierung der Wasserversorgung in 36 Dörfern; WASH Focal Point des WASH Cluster
  • In Dohuk: Verteilung von Hilfsgütern an 100 Familien
Projektlaufzeit
August 2014 - voraussichtlich Dezember 2018
Kooperationspartner
  • Bremen Overseas Research and Development Association (BORDA)
  • Christian Aid Program (CAPNI)
  • Kurdish Health Foundation (KHF)
Förderer
Auswärtiges Amt, Unicef, Aktion Deutschland Hilft, Polska Misja Medyczna/Polish Medical Mission, Spenderinnen und Spender
AnsprechpartnerIn
Meike John
Meike John
Abteilung
Kommunikation
Funktion
Redakteurin Öffentlichkeitsarbeit
Standort
Dresden
Telefon
0351 481984-12

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