Eine Hygienepromoterin im Gespräch mit einer Mutter, die zwei Kleinkinder bei sich hat, im Hintergrund Zelte eines Camps

Irak: In Camps und Dörfern erhalten geflohene Familien Wasser und elementare Hilfe

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Seit Jahren befindet sich der Irak im Krisenzustand. Höhepunkt: die drei Jahre anhaltende Schreckensherrschaft des sogenannten „Islamischen Staat“ (IS). 2017 wurde er offiziell territorial besiegt. In weiten Teilen des Landes war die Erleichterung groß. Trotzdem müssen die Menschen weiter mit Anschlägen und asymmetrischen Kämpfen durch bewaffnete Gruppen rechnen. Immer wieder flammen religiöse und ethnische Spannungen auf. Hinzu kommt die angespannte wirtschaftliche Lage. Knapp vier Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Ein Großteil von ihnen sind Binnenvertriebene. Wer kann, bereitet sich auf eine Rückkehr in die Heimatorte vor, für andere fehlen dafür nach wie vor die Voraussetzungen.
Irak
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Humanitäre Hilfe für vertriebene Familien in Notunterkünften

Seit dem Ausbruch der Gewaltherrschaft des „IS“ im Jahr 2014 ist arche noVa im Irak im Einsatz. Was mit schneller Verteilung von Hilfsgütern begann, ist zu einem umfassenden Programm gewachsen, in dessen Mittelpunkt die Versorgung von Menschen in Flüchtlingscamps steht. Bis zu 20.000 Menschen werden von uns an ihren Zufluchtsorten mit Trinkwasser, sanitären Anlagen und Hygieneartikeln versorgt. Unser Team vor Ort stellte die Versorgung rund um die Uhr sicher und reagierte unverzüglich auf sich ändernde Rahmenbedingungen.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu neuen Fluchtbewegungen. Zuletzt Ende 2017, als im Nordirak die Spannungen zwischen der Kurdischen Regionalregierung und der Zentralregierung aufflammten. arche noVa reagierte auf die neue Situation. Und wurde in zusätzlichen Camps aktiv. Inzwischen verfolgen die Behörden verstärkt den Plan, Notunterkünfte zu schließen. Ende 2018 war davon auch ein Camp betroffen, in dem arche noVa arbeitete.

Wiederaufbau wird zu einem Kraftakt

Auf absehbare Zeit wird im Irak humanitäre Hilfe gebraucht – auch in den Notunterkünften, wo Ende 2018 immer noch 700.000 Menschen untergebracht sind. Zwei Millionen Menschen gelten immer noch als Binnengeflüchtete. Unterdessen sind internationale Geldgeber sowie die Irakische Regierung bestrebt, die geflüchteten Familien zur Rückkehr in ihre Heimatdörfer zu bewegen. Doch der Wunsch ist noch lange keine Realität. Viele geflüchtete Familien berichten, dass es für sie unmöglich ist, in ihre Dörfer zurückzugehen, weil sie dort höchst unsichere Bedingungen vorfinden würden. In den vom IS befreiten Gebieten bestimmen weitreichende Zerstörungen der Häuser und  der Infrastruktur sowie fehlende Erwerbsmöglichkeiten das Bild. Hinzu kommt eine nach wie vor angespannte Sicherheitssituation. Der Wiederaufbau der Infrastruktur, der Wirtschaft und die Versöhnung innerhalb der Gesellschaft benötigen viel Zeit und Kraftanstrengungen von allen Beteiligten: den betroffenen Menschen, der irakischen Regierung, der lokalen Behörden und der Internationalen Gemeinschaft.

arche noVa baut in Dörfern und Schulen Wassersysteme und Sanitäranlagen auf

Das lokale arche noVa Team bereitet sich auf neue Aufgaben vor. Langfristig geht es dabei auch um eine Exit-Strategie für die Menschen in den Notunterkünften. arche noVa möchte die Rückkehr von Familien in ihre Heimat oder ihr Sesshaftwerden in anderen Landesteilen unterstützen. Der Bedarf der Menschen steht für uns an erster Stelle. Unser Ziel ist nachhaltige Hilfe.

Deshalb sind wir neben den Aktivitäten in den Notunterkünften schon seit langem auch in ländlichen Kommunen engagiert. Unserer Expertise entsprechend kümmern wir uns um den Wiederaufbau und die Rehabilitation von kommunalen Wasser- und Entwässerungssystemen. Wir arbeiten in Dörfern, wo viele geflüchtete Familien Zuflucht gefunden haben. Schritt für Schritt weiten wir diese Aktivitäten zusätzlich auf Kommunen aus, die umkämpft waren und seitdem in weiten Teilen zerstört sind. Auf dem Programm stehen Reparaturen an Wasserleitungen, Brunnen und Entwässerungssystemen. Außerdem erneuern wir auch die Trinkwasser- und Sanitärversorgung an Schulen und Krankenhäusern. Insgesamt kommen unsere Baumaßnahmen rund 150.000 Menschen zugute.

Um langfristig die Strukturen vor Ort zu verbessern, unterstützen wir außerdem die lokale Wasserbehörde in Kalar. Sie erhält notwendige Geräte und Materialien, damit sie die Qualität des Trinkwassers kontrollieren und sicherstellen kann. Unser lokales Team leitet in Sulimaniyah den WASH-Focalpoint, ein Gremium, in dem sich Behörden und internationale Organisationen zu Aktivitäten im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene absprechen.

Medizinische Grundversorgung benötigt

arche noVa engagierte sich im Projektgebiet zudem im Bereich der medizinischen Grundversorgung. Drei mobile medizinische Teams waren rund um die Provinzstadt Kalar unterwegs, um ortsansässige als auch geflüchtete Menschen zu versorgen, die sonst kaum Unterstützung fanden. Derzeit  evaluieren wir diese Projektkomponenente und wollen je nach Finanzierungsmöglichkeit diese Aktivitäten neu aufsetzen. Denn der Bedarf nach Zugang zu medizinischer Grundversorgung bleibt in den vernachlässigten Wohnorten der Menschen eine Herausforderung.

Wie sehr die Region Nordirak arche noVa am Herzen liegt, beweist ein Blick in die Vereinsgeschichte von arche noVa. Irakisch Kurdistan war 1992 während des zweiten Irak-Krieges das Ziel des ersten arche noVa-Einsatzes. Er mündete in der Vereinsgründung. Es folgten weitere Einsätze in der Region: 1994 und 2003 bis 2006.

Das aktuelle Projekt erhält Finanzmittel des Auswärtigen Amts und Aktion Deutschland Hilft. Es wurde in der Vergangenheit mitfinanziert vom Programm zur Entwicklungszusammenarbeit des Außenministeriums der Republik Polen, und hatte Partnerschaftskomponenten mit Unicef.

Für dieses Projekt spenden

10
Hygienekit für eine Familie
50
Sicheres Trinkwasser für 15 Menschen in einem Camp
125
Beitrag für den Aufbau von Wasser- und Sanitärsystemen an Schulen

Projektsteckbrief

Zielgruppe
  • 22.000 Menschen in Notunterkünften
  • 150.000 Menschen durch Rehabilitation der WASH-Infrastruktur

 

Projektziel
Verbesserung der Lebensbedingungen, insbesondere die Versorgung mit WASH, für Binnenflüchtlinge in den Gouvernements Diyala, Kirkuk und Sulimaniya im Nordirak
Aktivitäten
  • Im IDP-Camp Al-Wand (Diyala) mit rund 950 Familien: Bau, Betrieb und Instandhaltung der Wasserleitung, Verteilung von Hygiene Kits und Schulungen in Hygiene- und Gesundheitsvorsorge, Müllbeseitigung
  • Im IDP-Camp Qoratou (Diyala) mit rund 260 Familien: Einrichtung einer Wasserversorgung, Instandhaltung der Sanitäranlagen, Bau einer Kanalisation inklusive Kläranlage, Müllbeseitigung, Hygieneaufklärung
  • Im IDP-Camp Nazrawa (Kirkuk) mit rund 335 Familien: Hygienepromotion
  • Rehabilitierung von insgesamt 95 Wasser- und Sanitärsystemen in ländlichen Kommunen und an Schulen in Diyala, Kirkuk und Sulimaniyah
  • Unterstützung der lokalen Wasserbehörde in Kalar
  • WASH Focal Point des WASH Cluster
  • Mitarbeit an Exitstrategie für IDP-Camps
  • Bedarfsanalysen für weitere Gebiete außerhalb der Camps
Projektlaufzeit
Seit August 2014
Förderer
  • Auswärtiges Amt
  • Aktion Deutschland Hilft
  • Private Spenderinnen und Spender

 

AnsprechpartnerIn
Portrait Meike John mit roter Pumpe
Meike John
Abteilung
Kommunikation
Funktion
Redakteurin Öffentlichkeitsarbeit
Standort
Dresden
Telefon
0351 481984-12
E-Mail
meike.john [at] arche-nova.org

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