Frau mit Ziegen vor ausgetrockneter Fauna
©arche nova

Somalia: SOMALILAND: Lebensgrundlagen stärken

Unser Projekt in Somaliland erreicht Menschen, die in der abgelegenen Grenzregion zu Äthiopien traditionell von Viehhaltung und Agrarwirtschaft leben. Ihre Lebensgrundlagen sind alles andere als sicher. Immer häufiger bedrohen Dürren die Region. Mit unserer Partnerorganisation verbessern wir die Wasserversorgung, eröffnen Einkommensmöglichkeiten und unterstützten die Widerstandsfähigkeit der Menschen vor Ort.
Somalia
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Globales Programm in 14 Ländern

Um das Ökosystem in unseren Projektregionen zu schützen, verfolgt arche nova in Somalia den Ansatz grüner humanitärer Hilfe. Bei der Planung, Umsetzung und dem Monitoring von Hilfsmaßnahmen achten wir auf eine weitsichtige, umweltfreundliche und an den lokalen Lebensraum angepasste Vorgehensweise. Diese Aktivitäten sind Teil eines globalen Programms, das wir in Zusammenarbeit mit dem ASB, der German Toilet Organization und zahlreichen lokalen Partnern realisieren. Gemeinsam bringen wir Themen wie Inklusion, ökologische Nachhaltigkeit, Katastrophenvorsorge und internationalen Wissenstransfer in insgesamt 14 Ländern weiter voran.

Somaliland ist eine selbstverwaltete Region am Horn von Afrika, deren ländliche Bevölkerung seit Generationen von der Viehhaltung mit umherziehenden Herden und kleinbäuerlicher Landwirtschaft lebt. Doch was früher ein stabiles, wenn auch einfaches Auskommen sicherte, ist heute unter Druck geraten.

Mehrere aufeinanderfolgende Regenzeiten sind in den vergangenen Jahren ausgefallen. Traditionelle Wasserquellen, wie Zisternen, Flachbrunnen und saisonale Flussverläufe reichen für den Bedarf nicht mehr aus. Die Grundwasserpegel sinken, das Weideland wird knapp, Tiere sterben oder werden in der Not weit unter Wert verkauft. Wer kein Wasser erreichen kann, kauft es teuer ein. Schon unter normalen Bedingungen zahlen Familien einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Wasser, in Trockenzeiten sind die Preise kaum erschwingbar. Gleichzeitig ist internationales humanitäres Engagement zurückgegangen.

Im Zentrum unserer Projekte steht die Hawd Region, ein semi-arides Hochplateau an der Grenze zu Äthiopien, das über keine dauerhaften Wasserquellen verfügt. Alles hängt von zwei kurzen Regenzeiten im Jahr ab. Fallen sie aus, trocknen fast alle Wasserquellen vollständig aus. Dann müssen die Menschen und ihre Herden weite Strecken zurückzulegen, um überhaupt Wasser zu finden. Oder sie sind auf Wasserlieferungen per Tankwagen angewiesen, die teuer und nicht verlässlich verfügbar sind.

In akuten Krisenzeiten verkaufen viele Familien, was sie haben, um das Nötigste zu finanzieren. Andere schränken ihren Nahrungsmittelkonsum ein oder verlassen ihre Heimatdörfer auf der Suche nach Arbeit. Unterernährung ist keine Ausnahme. Vor allem Kinder unter fünf Jahren, deren Entwicklung besonders auf verlässlichen Zugang zu Nahrung und sauberem Wasser angewiesen ist, ist die Ernährungskrise existenziell.

Vor diesem Hintergrund ist arche nova im Distrikt Baligubadle und weiteren besonders betroffenen Gebieten der Hawd Region seit 2022 im Einsatz 

Wasserversorgung: konkret und nachhaltig

In Partnerschaft mit der Organization of Welfare Development Action (OWDA) verbessert arche nova im aktuellen Projekt die Wasserinfrastruktur in mehreren ländlichen Gemeinden. Gemeinsam bauen wir neue Birkaz und setzen bestehende wieder instand. Diese unterirdischen Regenwasserzisternen können bis zu 800 Kubikmeter Wasser speichern. Das ist genug, um viele Haushalte über die Trockenzeit zu bringen.
 
Zusätzlich nimmt arche nova im Projektgebiet ein ausgefallenes Bohrloch wieder in Betrieb und sorgt dafür, dass auch das Krankenhaus in Baligubadle über ein eigenes Wassersystem verfügt.

Während etwaiger akuter Dürreperioden liefert unsere Partnerorganisation in Kooperation mit lokalen Dienstleistungsbetrieben Wasser per Tankwagen, um die stärksten Engpässe zu überbrücken. Außerdem statten wir im Zuge des Projektes Haushalte mit Mitteln zur Wasseraufbereitung aus, damit auch trübes und verunreinigtes Wasser trinkbar wird. 

Parallel dazu entstehen geschlechtergerechte Sanitäranlagen und finden über 40 Hygienekampagnen in Gemeinden, Schulen und Unterkünften für Binnenvertriebene statt. Aktivitäten rund um das Thema Müllentsorgung runden das Programm ab. In Kombination mit der verbesserten Wasserversorgung wird so das Risiko von Erkrankungen erheblich gesenkt.

Neue Wege für ein sicheres Einkommen

Allein auf Viehzucht zu setzen, wird angesichts des Klimawandels immer riskanter. Deshalb unterstützt das Projekt Menschen dabei, neue Einkommensquellen zu erschließen. Gefördert werden Imkerei, Geflügelzucht und eine Schneiderinnen-Genossenschaft. Haushalte unter weiblicher Führung erhalten zudem Eselskarren, die sie als Transportmittel für eigene Zwecke aber auch für Dienstleistungen als Einkommensquelle nutzen können. Über ländliche Spar- und Kreditgenossenschaften wird Hilfe zur Selbsthilfe gezielt unterstützt. 

Wer nicht mehr den halben Tag damit verbringt, Wasser heranzuschaffen, hat Zeit für anderes. Auch das ist Teil der Projektlogik.

Vorbereitet sein, bevor die nächste Krise kommt

Unsere vielfältigen Kooperationen vor Ort zielen nicht nur auf heute, sondern blicken auch auf die kommenden Jahre, die von der Klimaveränderung geprägt sein werden. Gemeindebasierte Frühwarnsysteme helfen dabei, Extremwetterereignisse frühzeitig zu erkennen. Lokale Katastrophenvorsorge-Komitees wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Mehr als 87 lokale Institutionen und Partner werden in den Ansätzen der „Grünen Humanitären Hilfe“ und der Klimacharta geschult – damit Umweltstandards nicht nur auf dem Papier stehen.

Insgesamt erreicht arche nova mit diesem ganzheitlichen Ansatz über 33.500 Menschen in Somaliland: mit Wasser, Hygiene, Einkommensmöglichkeiten und Katastrophenvorsorge als aufeinander aufbauenden Bausteinen.

Projektsteckbrief

Projektziel

arche nova stärkt in Somaliland die Resilienz pastoraler und agro-pastoraler Gemeinschaften gegenüber Klimarisiken, Naturgefahren und Konflikten. Im Mittelpunkt steht der Zugang zu sicherem Wasser und angemessener Sanitärversorgung – ergänzt durch Hygieneaufklärung, Katastrophenvorsorge und die Stärkung wirtschaftlicher Lebensgrundlagen. Gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation OWDA werden nachhaltige, gemeindebasierte Strukturen aufgebaut, die über die Projektlaufzeit hinaus Bestand haben.

Zielgruppe

21.150 Menschen in pastoralen und agro-pastoralen Gemeinden

Aktivitäten
  • Sanierung und Neubau von Wasserversorgungssystemen darunter ein Bohrlochs und 9 unterirdischen Regenwasserzisternen (Birkaz) 
  • Verbesserung der Wasserversorgung an 5 Schulen u.a. durch Regenwassersammlung auf Dächern
  • Wasserversorgung per Tanklastwagen als Sofortmaßnahme in akuten Krisensituationen.
  • Bereitstellung von Wasseraufbereitungsmitteln 
  • Bau barrierefreier, geschlechtergerechter Sanitäranlagen in Gemeinden, Schulen und Gesundheitseinrichtungen
  • Aufbau und Schulung von WASH-Komitees sowie Bereitstellung von Betriebs- und Wartungswerkzeugen
  • Schulung von Gesundheitshelfer*innen sowie Durchführung von 15 Hygienekampagnen 
  • Durchführung von Klima- und Katastrophenrisikoanalysen sowie Kartierung
  • Einrichtung gemeindebasierter Frühwarnsysteme 
  • Aufbau und Schulung von Katastrophenvorsorge-Komitees (DRR-Komitees) 
  • Förderung von Austausch und Zusammenarbeit lokaler, regionaler und nationaler Akteur*innen im Katastrophen- und Klimarisikomanagement.
  • Förderung von Einkommensperspektiven und wirtschaftlicher Eigenständigkeit mit Fokus auf Frauen, u.a. 3 Imkergruppen, 3 Frauengruppen in Geflügelzucht, 1 Schneiderinnen-Genossenschaft
  • Unterstützung von Haushalten unter weiblicher Führung durch Eselskarren als Transportmittel und Einkommensquelle 
  • Gründung und Schulung ländlicher Spar- und Kreditgenossenschaften für verbesserten Zugang zu Finanzdienstleistungen.
Projektlaufzeit
seit 11/2023
Kooperationspartner

OWDA

Förderer
  • Auswärtiges Amt (AA), Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Aktion Deutschland Hilft (ADH)
  • Private Spenderinnen und Spender

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