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Wie Mädchentoiletten für Bildungserfolg und Zukunftschancen sorgen

25. Mai 2020 - Somalia
Am 28. Mai ist Menstruationshygiene-Tag. Für uns ein Anlass in unsere WASH-Projekte in Somalia zu schauen. Dort wurden im vergangenen Jahr an 15 Schulen neue Mädchentoiletten gebaut, 45 Lehrerinnen zu Hygiene-Trainerinnen fortgebildet und Gesundheitsvorsorge in den Unterrichtsalltag integriert. Für uns und Hunderte Mädchen und Frauen ein Grund zur Freude!

„Ich habe meine Tage.“ Eigentlich ein harmloser Satz, der jedoch selten genug so unbefangen ausgesprochen wird. Selbst in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren, in der Mädchen und Jungen spätestens im vierten Schuljahr über die körperlichen Veränderungen in der Pubertät lernen und damit aufgeklärt und vorbereitet sind, ist das Thema Menstruation mit Scham und Peinlichkeit verbunden. Doch während hierzulande Regelschmerzen oder die Monatsblutung hin und wieder Grund für eine Sportbefreiung sind oder eine verschobene Matheklausur, bedeuten sie für viele Mädchen in den Ländern des Globalen Südens nicht selten das plötzliche Ende ihrer Schulzeit und damit ein nachteiliges Minus ihrer formalen Bildung.

Studien zeigen, dass ein Fünftel der Mädchen die Schule abbrechen, sobald sie ihre erste Periode bekommen und mehr als zwei Drittel jeden Monat bis zu drei Tage Unterricht verpassen, weil es an den Schulen keine Möglichkeit  gibt, sich zu waschen, ihre Binden zu wechseln oder weil sie sich gar keine Hygieneartikel leisten können. Aufgrund der hohen Fehlzeiten sind viele Mädchen gezwungen, die Schule abzubrechen oder sie steigen aus, weil ihnen immer mehr Unterrichtsstoff fehlt und sie den Anschluss verlieren.

Ihre Spende zum Tag der Menstruationshygiene

60 Euro für Hygieneartikel, damit eine Schülerin ein Jahr lang gut versorgt ist.

Für uns als humanitäre Organisation mit dem Fokus auf WASH, also Wasser, Sanitär und Hygiene, ist es deshalb zentral, das Thema Monatshygiene immer wieder zu adressieren – in unserer üblichen Projektarbeit, aber auch in Form von Sensibilisierung, wie zum alljährlichen Menstruationshygiene-Tag, der seit 2014 immer am 28. Mai stattfindet. Initiiert wurde er von der Berliner Organisation WASH United, die jedes Jahr ein umfangreiches Netzwerk mobilisiert, um das Tabuthema Menstruation auf die Agenda zu heben.

„Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sich Mädchen nirgendwo auf der Welt für ihre Periode schämen müssen“, erklärt Dana Ritzmann, Kommunikationschefin von arche noVa. „Und dass die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden, damit Mädchen und junge Frauen ohne Unterbrechung zur Schule gehen können.“ Dazu gehört zum Beispiel der Bau von geschlechtergetrennten Toiletten und Waschmöglichkeiten in Bildungseinrichtungen ebenso wie das Verteilen von Hygieneartikeln und die Durchführung von Gesundheitsschulungen über den weiblichen Zyklus und den Schutz vor Infektionen. Gerade letzteres ist in Zeiten von Corona noch mal ganz besonders relevant, denn Pandemien machen nicht vor Perioden halt. Aber Wissen schützt in jedem Fall vor Krankheit ebenso wie Wasser und Seife.

All diese genannten Komponenten waren Teil eines Kooperationsprojektes, das arche noVa gemeinsam mit der somalischen Organisation ASEP (Action for Social and Economic Progress) und der polnischen Hilfsorganisation PAH im vergangenen Jahr in Somalia realisieren konnte.

Ihre Spende zum Tag der Menstruationshygiene

250 Euro für eine Schulung von Schüler*innen und Lehrer*innen zur Menstruationshygiene

Im Rahmen des Projektes wurden in 15 Schulen in Adado, Dhusamareeb, Belet Hawa sowie in den Regionen Bardeere und Kisimayo geschlechtergetrennte Latrinen mit abschließbaren Türen, Waschbecken und Trockenständern für gewaschene Binden gebaut, die von etwa 850 Mädchen genutzt werden. Außerdem wurden gut 1500 Hygienepäckchen mit Binden in den Schulen verteilt. Parallel zu den Bauarbeiten und der Verteilung wurden Statistiken geführt, wie sich die Anwesenheit der Schülerinnen durch die neuen Klohäuschen veränderte.

Das sich definitiv etwas verbessert hat, bestätigt Nimo Mohamed Umar. Die 29-Jährige arbeitet als Umweltpädagogin am SAMTEC College, einer Art Berufsschule am Stadtrand von Belet Hawa Town.

Nimo, eine Frau mit Umhang, steht vor einer Toilette

„Für viele unserer Mädchen ist die Periode immer verbunden mit Scham und Schuld, mit Stigmatisierung und Aberglaube, die alle zusammen häufig dazu führen, während der Menstruation nicht zum Unterricht zu erscheinen. Zumal wenn es in der Schule kein sauberes Wasser gibt, um sich und die Hygienematerialien zu waschen und zu trocknen oder überhaupt ungestört zur Toilette gehen zu können.“

Nimo Mohamed Umar, Umweltpädagogin und Hygienetrainerin

Mit dem aktuellen Hilfsprojekt habe sich vieles an ihrer Schule verbessert. So gäbe es jetzt einen sicheren Ort mit fließendem Wasser, an dem die Mädchen in Würde ihre Monatshygiene bewältigen können. Das sei viel Wert. Außerdem gäbe es regelmäßig Schulungen zum Thema Frauengesundheit.

Die 29-jährige Nimo, selbst Mutter von vier Kindern, war eine von von 45 Lehrer*innen in 15  Schulen in Belet Hawa, Kismayu und South Bardeere die seit März 2019 zu Trainer*innen fortgebildet wurden und jetzt selbst an ihren Einrichtungen über Menstruationshygiene und Gesundheitsvorsorge aufklären. Dabei geht es sowohl um biologisches Grundwissen, aber auch um das Aufräumen mit Stigmata und Irrglauben.

„Unsere Mädchen werden viel selbstbewusster durch das erworbene Wissen und wegen der neuen Sanitäreinrichtungen. Sie können sich jetzt viel besser auf den Fachunterricht konzentrieren, weil sie sich keine unnötigen Gedanken mehr um ihre Monatshygiene machen müssen“, freut sich Nimo Mohamed Umar für ihre Schülerinnen. „Jetzt können sie ihre Träume verwirklichen, etwas lernen und sich so für das Wohl ihrer Gemeinden einsetzen.“

Ihre Spende zum Tag der Menstruationshygiene

20 Euro für den Druck von Flyern und Infomaterialien, die an Schulhygieneclubs verteilt werden.

Zusätzlich zu den geschlechtergerechten Sanitäreinrichtungen an den Schulen, wurden auch in fünf Dörfern in der Region Bardeere 30 neue frauenfreundliche Latrinen gebaut und damit der Alltag von etwa 300 Familien – insbesondere Mädchen und Frauen – verbessert.

Tatsächlich sind saubere Toiletten und Handwaschgelegenheiten eigentlich eine Selbstverständlichkeit oder sollten es zumindest überall auf der Welt sein. Eine bedenkenlose Menstruation ohne unnötige Sorgen um angemessene Hygiene sollte kein Luxus sein, nicht in Somalia, nicht in anderen einkommensschwachen Ländern – und auch nicht in Deutschland. Denn hier gelten trotz erfolgreicher Petitionen für die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Monatshygiene Binden und Tampons nicht etwa als Artikel des Grundbedarfs sondern als eine Art Luxusgut, die regulär mit 19 Prozent besteuert werden.

Um auf solche und andere Missstände im Zusammenhang mit dem Thema Monatshygiene hinzuweisen, braucht es den Mestrual Hygiene Day am 28. Mai. Wir sehen aus Prinzip diese Woche rot und berichten in unseren Social Media Kanälen jeden Tag über interessante Aktionen und innovative Formen, um „die Tage“ für alle Mädchen und Frauen auf der Welt so angenehm wie möglich zu gestalten.

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