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Schule ist mehr als nur ein Ort zum Lernen

27. Oktober 2020 - Myanmar
Wenn im Oktober in Myanmar die Regenzeit zu Ende geht, sind einige Orte nur noch per Boot zu erreichen. Und auf eben diesem Weg machen sich dann Tische und Stühle für Schulgebäude in der Provinz auf die Reise. Die Hoffnung ist groß, dass die Mädchen und Jungen irgendwann wieder in ihren Klassenzimmern sitzen können. Die Corona-Pandemie hat viele zwangsweise vom geregelten Schulbesuch abgehalten. Immer wieder gab es Ausgangssperren oder Sicherheitsgründe, die Kindern nicht erlaubten, zur Schule zu gehen. Umso größer ist bei ganz vielen die Vorfreude

„Ich kann es kaum erwarten, wieder in die Schule zu gehen. Meine Freunde und ich, wir wollen unbedingt den neuen Spielplatz ausprobieren“, erzählt Sai Si. Der Grundschüler aus dem Dorf Pane Hone nahe Lashio im Shan State besucht die dortige Grundschule, die im vergangenen Jahr mit Unterstützung von arche noVa als eine von drei Schulen in der Region neu gebaut wurde. Dabei wurden nicht nur neue Klassenräume errichtet, sondern auch Schultoiletten, Handwaschstationen, Müllcontainer und eben neue Klettergerüste. „Ich bin sicher, dass wir jetzt viel besser lernen können“, freut sich Sai Si. Wenn er mal groß ist, will er selbst Lehrer werden.


Das wünscht sich auch der Bürgermeister von Pane Hone. Er hat sich darum gekümmert, dass im Zuge des mit Projektmitteln des BMZ finanzierten Schulneubaus seine Gemeinde Flächen für die neuen Anlagen, wie die zum Teil barrierearmen Latrinenhäuschen und die Gebäude für die Lehrkräfte zur Verfügung gestellt wurden. „Die Dorfgemeinschaft und ganz besonders natürlich die Eltern sind sehr froh, dass sich die Bildungsmöglichkeiten für unsere Kinder verbessern. In so einer neuen Schule lernen zu dürfen, motiviert die Kinder ganz besonders. Sie werden schlau und eines Tages vielleicht selbst als Lehrer oder Ärzte hier arbeiten“, sagt U Lone Pee, Bürgermeister von Pane Hone.


In Khite Sein, wo ebenfalls eine neue Schule für gut 50 Schülerinnen und Schüler sowie fünf Lehrkräfte entstand, freut man sich besonders über die neuen Hygienemaßnahmen und Sicherheit für Schülerinnen und Schüler. „Ich bin überzeugt, dass die Kinder besonders gerne in die Schule kommen, jetzt, wo sie sich hier ordentlich die Hände waschen und zur Toilette gehen können. Außerdem hat das Schulgelände einen Zaun, so dass Kühe, Schweine und Wasserbüffel nicht mehr auf den Schulhof kommen. Das sorgt für Sauberkeit und Sicherheit im Gelände“, freut sich U San Lu von der Lehrer-Eltern-Vereinigung der Se Paung-Schule in Khite Sein. Seine größte Hoffnung ist, dass die Kinder, wenn sie gute Bildung erhalten, nicht nur das Gemeindeleben verbessern, sondern dass davon auch das ganze Land profitiert.

 

Für arche noVa sind die Projekte, in denen im ländlichen Raum in Myanmar Schulen neu gebaut bzw. saniert werden, von hoher Relevanz. Die Aktivitäten reichen dabei vom eigentlichen Bau, zum Beispiel von geschlechtergetrennten und barrierearmen Latrinen, Handwaschstationen oder Regenwassersammeltanks, über die Bereitstellung von Wasserfiltern, bis hin zu Hygieneaufklärungen, der Gründung von Schulclubs zur Gesundheitsvorsorge oder Katastrophenschutzübungen an Schulen. Denn Naturkatastrophen, wie Erdbeben oder Überschwemmungen sind in vielen Teilen von Myanmar ebenso wahrscheinlich wie bewaffnete Konflikte als Folge des jahrelangen Bürgerkriegs. In den politisch instabilen und wirtschaftlich vernachlässigten Gegenden im Shan State, wo arche noVa seit mehreren Jahren aktiv ist, erfüllen Schulen aber auch eine ganz spezielle Funktion. Sie sind nicht selten der sicherste Ort im Dorf. Dort kommt die Gemeinde zusammen, wenn Wirbelstürme oder Hochwasser vorausgesagt werden oder wenn sonst irgendeine Gefahr droht. Außerdem erfüllen die Grundschulen wichtige Aufgaben nicht nur im Bereich Bildung, sondern auch bei der Gesundheitsvorsorge und Ernährung von jungen Menschen. Viele Eltern in den entlegenen Gebieten können ihren Kindern keine vollwertige Ernährung bieten, oft fehlt Vitamin A und Kalzium, so dass die Jüngsten oft mangelernährt sind und sich nicht altersgerecht entwickeln. Durch regelmäßige Schulspeisung wird dem abgeholfen. Außerdem werden Kinder in den Schulen gegen Polio, Mumps und TBC geimpft, es gibt Entwurmungskuren und sauberes Trinkwasser für alle.

 

Lokales Know-how für nachhaltige Untersützungsmaßnahmen

Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie sei allen noch mal bewusst geworden, wie wichtig gute Hygienepraktiken seien, die die Kinder dann auch in der Schule lernen, wenn fließendes Wasser und Seife zur Verfügung stehen. Außerdem üben schon die Kleinsten jetzt Abstand zu halten – mit Tischen und Stühlen, die von lokalen Tischlereien produziert werden, unterstützt von arche noVa. Auch kleine Schneidereien, die Alltagsmasken nähen, wurden mit Hilfsgeldern unterstützt. Denn Bewusstseinsschaffung braucht viele Ansatzpunkte, um das Überleben der Menschen zu sichern und die Lebensqualität ein wenig zu verbessern – für Kinder und deren Eltern.

Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Jahren in den Dörfern um Lashio neun Schulen umfangreich saniert, mehr als 3.500 Kinder und gut 175 Lehrkräfte profitieren davon. Und sobald jetzt Ende Oktober die Regenzeit aufhört, stehen im Shan State weitere acht Schulen auf dem Renovierungsplan. Wie dringend nötig das ist, zeigen die Zahlen, die 2016 der damals neue und erstmals demokratisch gewählte Minister für Erziehung bekanntgab: In Myanmar fehlten mehr als 14.000 Grund- und Mittelschulen, ganz besonders in den ländlichen Gebieten. Hier hilft arche noVa, seit Jahren – und auch in Zukunft.

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