Menstruation darf kein Nachteil sein

20.05.2026 - 12:05 - weltweit
Zum Tag der Menstruationshygiene am 28. Mai ruft arche nova zu mehr Gerechtigkeit rund um das Thema Periode auf. In unseren Projekten erreichen wir gezielt Frauen und Mädchen. Wir verteilen Produkte zur Menstruationshygiene und ermöglichen Zugang zu Wasser und Toiletten. Mindestens ebenso wichtig: Aufklärung und Entstigmatisierung. Unsere Überzeugung: Die Periode darf kein Nachteil sein.

Jeden Tag erleben rund 1,9 Milliarden Menschen auf der Welt ihre Menstruation. Viele von ihnen haben jedoch keine Möglichkeit, diesen natürlichen Vorgang in einer würdigen und gesunden Weise zu handhaben.

Was Frauen und Mädchen das Leben schwer macht

In vielen Ländern der Welt sind Frauen und Mädchen von Tabus und Stigmatisierung betroffen, weil sie menstruieren. Vielerorts gibt es keinen Zugang zu oder nur unerschwinglich teure Periodenprodukte sowie einen eklatanten Mangel an sanitären Einrichtungen und nur unzureichende Möglichkeiten der Körperhygiene. Dies alles zusammen erschwert das Leben von Frauen und Mädchen. 
 

Sobald Frauen und Mädchen ins Menstruationsalter kommen, haben sie mit Herausforderungen zu kämpfen. Sie haben dadurch weniger Bildungschancen und Karrieremöglichkeiten. Die schlechte Versorgung rund um die Menstruation schadet ihrer Gesundheit und untergräbt ihre Stellung in der Gesellschaft. Besonders gravierend ist die Situation für Menschen in Krisenregionen und in von Armut betroffenen Lebensräumen.

„Wenn ich meine Periode hatte, hielt ich mich vom Dorf fern. Es war mir sehr peinlich, mit einer Binde in den entfernten Busch zu gehen, um sie dort zu entsorgen. Heute schäme ich mich nicht mehr.“ Doreen aus Buleebi in Uganda, wo unsere Partnerorganisation Sanitäranlagen und direkt daneben einen Müllverbrennungsofen gebaut hat.

Konkrete Projekte – starke Wirkung

arche nova fördert in Somalia den Bau von Schultoiletten und holt das Thema Menstruation aus der Tabuzone.

Wie in vielen Schulen haben an der Bandsared Schule im Galkayo Distrikt früher zahlreiche Schülerinnen mehrere Tage im Monat den Unterricht verpasst. Unter ihnen die 15-jährige Safiyo Ali Mohamed. Sie machte sich ständig Sorgen, dass ihre Kleidung Flecken bekommen könnte oder dass andere etwas bemerken würden. Die Angst und das Unbehagen rund um die Menstruation wirkten sich zum Schluss auch negativ auf ihr Selbstvertrauen und ihre Beteiligung am Unterricht aus.

Mit dem Bau von Toiletten, die Privatsphäre bieten, und Waschmöglichkeiten mit fließendem Wasser, sowie Aufklärungsveranstaltungen hat sich die Situation an der Schule im Zuge unseres Projektes grundlegend geändert. Safiyo fehlt nicht mehr im Unterricht und kann offen mit anderen über die Menstruation sprechen. “Ich verstehe meinen Körper besser und fühle mich selbstbewusster“, sagt sie.

Gut versorgt mit Hygieneprodukten, geht es leichter

Zu den Ungerechtigkeiten rund um das Thema Menstruation gehört der fehlende Zugang zu Hygieneprodukten. Viele Frauen und Mädchen nutzen aus Mangel an guten Lösungen Stoffreste oder Pflanzenfasern. Nicht selten verwenden Betroffene auch die teuren Einwegprodukte mehrfach oder zu lange, andere können ihre Stoffbinden nicht ausreichend waschen, was erhebliche Gesundheitsgefahren mit sich bringt. Weil Damenbinden, Tampons und andere Hygieneartikel für Menschen in benachteiligten Regionen oder Krisengebieten kaum bezahlbar sind, stehen Familien vor der Wahl: Essen oder Binden?
 

Toiletten sind für Frauen und Mädchen besonders relevant

Als Organisation mit dem Schwerpunkt Wasser, Sanitär und Hygiene, kurz WASH, bauen wir in vielen Projektregionen Toiletten. Damit tragen wir nicht zuletzt zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen bei.
 

Mit unseren lokalen Partnerorganisationen verbessern wir die Sanitärversorgung an Schulen und medizinischen Einrichtungen, aber auch an öffentlichen Orten. Hinzukommen Toiletten für einzelne Haushalte oder Familien. Dabei haben wir das Thema Geschlechtergerechtigkeit stets im Blick. Frauen und Mädchen brauchen für einen guten Umgang mit ihrer Menstruation Privatsphäre, Sicherheit, Waschgelegenheiten und Entsorgungsmöglichkeiten für die Periodenprodukte. Adäquate Toiletten sind eine Frage von Gesundheit und Würde.

Kompakt –
Unsere Aktivitäten rund um das Thema Menstruationshygiene

  • Workshops und Gemeindedialoge zum Aufbrechen von Tabus und Abbau der Stigmatisierung, gezielt auch mit Männern und Jungen
  • Wissensvermittlung und Gesundheitsförderung
  • Verteilung von Produkten zur Menstruationshygiene, u.a. in der Nothilfe
  • Unterstützung von Schulgemeinschaften für einen besseren Umgang mit der Menstruationshygiene
  • Stärkung weiblicher Gemeinschaften
  • Zugang zu menstruationsfreundlichen Sanitäranlagen
  • Entsorgungslösungen für gebrauchtes Hygienematerial

Beteiligte Projektländer: Äthiopien, Mali, Myanmar, Somalia, Syrien, Uganda

Nie mehr vergessen: 28. Mai ist Tag der Menstruationshygiene

Der 28. Mai ist Tag der Menstruationshygiene (Menstrual Hygiene Day). Das Datum symbolisiert den durchschnittlichen Zyklus (28 Tage) und die Dauer der Menstruation (5 Tage). Mit dieser Eselsbrücke kann man den Termin nicht mehr vergessen. Und das ist gut so, denn der Tag der Menstruationshygiene ist so wichtig wie nie.

Geschlechtergerechtigkeit unter Druck

Wie aktuelle Studien zeigen, werden die fragilen Fortschritte in der Geschlechtergerechtigkeit derzeit weltweit wieder infrage gestellt. Der Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (Venro), wo arche nova Mitglied ist, warnt, dass das Erstarken von Anti-Rights-Bewegungen massive Folgen für die Rechte aller Menschen hat. Feministische internationale Zusammenarbeit sei rechtlich geboten und dringender denn je.

Wie rückwärtsgewandt sich Gesellschaften überall auf der Welt derzeit zeigen, untersuchte zuletzt auch das King‘s College (London). Den Wissenschaftler*innen zufolge wächst – besonders bei jüngeren Männern – das Gefühl, die Gleichstellungsdebatte gehe zu weit. Ein Drittel der Jüngeren findet, die Frau solle dem Ehemann gehorchen.

Dabei geht es um mehr als einzelne Privatmeinungen. Vielerorts beeinflussen Anti-Gender-Mobilisierungen und Narrative, die die Gleichstellung als Bedrohung für die soziale Ordnung sehen, die öffentlichen Debatten. Damit wird die Geschlechtergerechtigkeit zum zentralen Schauplatz im Kampf um nationale Identität, Moral und politische Autorität.

The International Team for the Study of Security in Verona warnt: Die international beschlossene Verwirklichung des Globalen Entwicklungsziels der Geschlechtergleichstellung (SDG 5) bis 2030 erfordert nicht nur Maßnahmen zur Verringerung von Diskriminierung und zur Stärkung von Frauen, sondern auch Strategien, die den Narrativen und politischen Kräften entgegenwirken, die darauf abzielen, die Gleichstellung selbst zu delegitimieren.

Vor diesem Hintergrund agiert arche nova. Unser Mandat ist es, in unseren WASH-Projekten ganz konkret zum Erreichen der SDGs beizutragen. Mit unseren Aktivitäten rund um das Thema Menstruationshygiene stärken wir Frauen und Mädchen, damit sie gleichberechtigt an Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur teilnehmen und selbstbestimmt und frei ihr Leben führen können.

Teilen: