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Hilfe für Frauen in Beirut

3. September 2020 - Libanon
Als Teil unserer Nothilfe nach der Explosions-Katastrophe in Beirut hat unser Team im Stadtteil Karantina 1.000 Hygienepakete verteilt. Einen Monat nach der Explosionskatastrophe in der Hauptstadt ist der Hilfsbedarf im gesamten Land weiterhin hoch. Unsere Untersützung wird dringend gebraucht.

Unser Team war zuletzt in Karantina unterwegs. Das ist einer der ärmsten Bezirke Beiruts. Hier sind die Schäden in Folge der Explosion nicht so spektakulär wie an den schicken Gebäuden in Hafennähe, dafür ist der Hilfsbedarf umso größer. Denn hier leben Menschen,die die Krise nicht aus eigener Kraft bewältigen können.

Bei der Explosion wurden viele der Gebäude im Inneren beschädigt, insbesondere Fenster, Türen und Möbel gingen zu Bruch. Die Aufräum- und Aufbauarbeiten nehmen die Menschen in Beschlag. Zugleich herrscht nicht zuletzt auch wegen Covid-19 eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Familienkassen sind leer.

Unsere Hilfsgüter kommen besonders bedürftigen Menschen zugute. Bei der Aktion haben wir mit der libanesischen Organisation DPNA zusammengearbeitet, die seit der Katastrophe in Beirut mit Nothilfe im Einsatz ist und besonders bedürftige Frauen für die Verteilung ermittelt hat. Sie stammen aus dem Libanon, Palästina und Syrien. An diese ging nun unsere gemeinsame Verteilung.

Insgesamt 1.000 Pakete mit Hygieneartikeln wurden verteilt. Es handelt sich um sogenannte "Dignity-Kits", die die besonderen Bedürfnisse von Frauen berücksichtigen.  Aus unserer langjährigen Arbeit im Libanon wissen wir, dass Frauen in Krisensituationen oft zurückstecken müssen. Ihr Bedarf nach Menstruationshygiene spielt in Familien eine untergeordnete Rolle. Wir aber wollen, dass die Frauen und Mädchen gerade jetzt, wo vielleicht das eigene Bad einer Baustelle gleicht und eh schon  alles kompliziert ist, wenigstens mit Hygieneartikeln gut versorgt sind.

In den Paketen befinden sich Damenbinden, Desinfektionsmittel, Seife, zwei kleine Handtücher, feuchte Tücher und Shampoo, ausreichend für etwa zwei Monate. Die Verteilung konnten wir dank der bereits eingegangenen Spenden für unsere Nothilfe im Libanon finanzieren.

Zu den weiteren Hilfsleistungen, mit denen unser Team bereits begonnen hat, zählen zehn mobile Toiletten und zehn Duschkabinen, die in Notunterkünften für obdachlos gewordene Menschen in Beirut aufgestellt werden.

Hilfsbedarf im ganzen Land riesig

Die Explosions-Katastrophe vor einem Monat in Beirut traf ein Land, das bereits zuvor mit zahlreichen Krisen und Herausforderungen zu kämpfen hatte. Angefangen von einer desaströsen Wirtschaftslage und einer Regierungskrise über mangelnde Infrastruktur bis hin zu steigenden Corona-Infektionszahlen und der Unterbringung von rund 1,5 Millionen Geflüchteten (rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerungszahl).

Muriel Schockenhoff, Projektreferentin im Libanon

Es ist kaum möglich, all die Schwierigkeiten und Herausforderungen zu erklären, mit denen die Menschen im Libanon derzeit konfrontiert sind. Alle sind betroffen, alle haben Bedürfnisse. Selbst diejenigen, die früher viel Geld auf ihren Bankkonten hatten, haben jetzt keinen Zugang mehr zu diesem Geld. Das ganze Land braucht Unterstützung und Veränderung.

Muriel Schockenhoff, Projektreferentin im Libanon

Besonders schwierig sind die Lebensbedingungen für die vielen Geflüchteten im Land. Das gilt sowohl für Palästinenserinnen und Palästinenser, die hier meist schon seit Jahrzehnten leben, als auch für Familien aus Syrien.  Sie sind vor dem Krieg ins Nachbarland geflohen. Trotz der sehr harten und schwierigen Bedingungen, unter denen sie im Libanon leben müssen, können und wollen die allermeisten von ihnen derzeit (noch) nicht zurück, auch wenn es in einigen Regionen Syriens keine Kampfhandlungen mehr gibt. In Gesprächen mit unserem Team sagen sie verharmlosend, dass sie es „vorziehen, sich von der syrischen Regierung fernzuhalten“.

De facto ist die Versorgungslage der Geflüchteten im Libanon dramatisch. Die Einkommensmöglichkeiten sind extrem beschränkt, die Unterkünfte provisorisch, ein Großteil der Kinder hat keinen Zugang zu Bildung. Viele Familien leben in informellen Camps. Dort hat unser lokales Team in den letzten Wochen verstärkt gearbeitet.

Corona-Prävention in Notunterkünften

In den den kommenden Wochen werden erneut 6.000 Sanitär- und Desinfektionspakete an Menschen verteilt, die in Zelten und provisorischen Behausungen leben. Das ist die dritte Aktion dieser Art in Kooperation mit dem Libanesischen Roten Kreuz. „Wir haben den Inhalt dieser Kits verbessert. Zusätzlich zu den Standardprodukten für Familien haben wir auch hier Damenbinden für Frauen hinzugefügt“, erläutert unsere Mitarbeiterin Muriel Schockenhoff. Es gibt zwei Sorten von Hilfspaketen: Erstere zur allgemeinen Hygiene und Gesundheitsvorsorge und außerdem spezielle für bereits von Covid-19 betroffene Familien. Darin enthalten sind unter anderem Schutzhandschuhe und Fieberthermometer.

Außerdem wird arche noVa in den kommenden Wochen Reparaturmaßnahmen an den Wasser- und Sanitärsystemen in den informellen Camps vornehmen.

arche noVa-Länderprogramm so wichtig wie noch nie

Zwei längerfristige Projekte betreibt arche noVa nach wie vor im Libanon. In unserem WASH-Projekt geht es um den Ausbau der Wasser- und Sanitärversorgung von Gemeinden und Schulen in den Distrikten Akkar und Nordlibanon. In unserem Schulprojekt erhalten rund 900 syrische Kinder regulären Schulunterricht an ihren Zufluchtsorten in der Bekaa-Ebene, östlich von Beirut. Beide Projekte tragen an ihren Einsatzorten erheblich zur Entspannung der krisenhaften Lage bei.

Für unsere Aktivitäten im Libanon sind wir weiterhin dringend auf Spenden angewiesen.

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