Wie ist die aktuelle Lage in der Ukraine?
Die Lage ist dramatisch. Die Zivilbevölkerung und das alltägliche Leben sind Zielscheibe der Luftangriffe. Seit über drei Wochen wird Kyjiw täglich und auch nachts mit Drohnen und Raketen angegriffen, sodass die Menschen kaum zur Ruhe kommen. Überall, wo man hinschaut: Im Norden, Osten und Süden, mittlerweile auch verstärkt im Westen des Landes werden Menschen getötet oder verwundet, Lagerhallen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln angegriffen, die Lebensgrundlagen zerstört und kritische Infrastruktur beschädigt oder in Brand gesetzt, darunter auch das Bahnnetz, das längst zu einer Transport- und Versorgungslebensader der Bevölkerung geworden ist.
Erst vor wenigen Tagen wurde hier in Kyjiw eine Schule durch einen Angriff zerstört. Auch die Wasserversorgung wurde getroffen, sodass es in mehreren Bezirken Probleme mit dem Wasserdruck und zeitweise Versorgungslücken gab.
Abgesehen von der unmittelbaren Gefahr führen diese Angriffe immer wieder zur Lahmlegung des öffentlichen Verkehrs. Staus bilden sich, der Alltag wird schwieriger und die Frustration der Menschen steigt.
Was macht arche nova? Wie unterstützen wir die betroffene Bevölkerung?
Dank unseres guten Partnernetzwerks sind wir sehr nah bei den Menschen vor Ort und wissen genau, was gebraucht wird. Unter anderem leisten wir unmittelbare Hilfe zum Schutz des menschlichen Lebens, indem wir Schutzräume ausbauen und – jetzt vor dem kommenden Winter – öffentliche Wärmestuben in verschiedenen Gemeinden vorbereiten.
Wir arbeiten zudem auf diversen Baustellen an der Sicherung der Infrastruktur. Dabei steht die dezentrale Energie- und Wasserversorgung besonders im Mittelpunkt, gerade jetzt vor der kalten Jahreszeit. Solarpanels, Ladestationen und Generatoren sind in der Ukraine längst nicht mehr nur zusätzliche Energiequellen, sondern Teil der Grundversorgung, wenn kritische Infrastruktur infolge der Angriffe ausfällt.
arche nova liefert nicht zuletzt auch die Ausstattung für Bildungseinrichtungen, öffentliche Räume, Bahnhöfe und Krankenhäuser. Dabei haben wir besonders betroffene Menschen wie Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderungen sowie ältere Menschen im Blick. Für diese Bevölkerungsgruppen wird der kommende Winter besonders schwer. Wir achten deshalb beispielsweise immer auf einen barrierefreien Zugang, wenn wir Schutzräume bauen.
Warum ist Hilfe gerade jetzt so wichtig?
Gerade jetzt ist Unterstützung entscheidend, weil ein weiterer schwieriger Winter bevorsteht. Je früher arche nova Schutz- und Wärmeräume einrichten und die nötige technische Ausstattung liefern kann, desto besser können sich Gemeinden auf weitere Angriffe und längere Versorgungsausfälle vorbereiten. Mit Spenden kann jede*r ganz konkret zu diesen lebensrettenden Aktivitäten beitragen und gleichzeitig den Mädchen und Jungen, Frauen und Männern hier in der Ukraine zeigen, dass sie nicht allein gelassen werden. Auch mehr als viereinhalb Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion erleben wir immer wieder, wie Menschen sich bei unserer Organisation für die Unterstützung bedanken. Teilweise mit Tränen in den Augen. Unsere Aktivitäten, die wir nur gemeinsam mit unseren Unterstützer*innen umsetzen können, bedeuten deshalb nicht nur ganz konkrete Unterstützung im Alltag, sondern vermittelt auch Hoffnung und eine Zukunftsperspektive.
Warum ist diese Arbeit für dich persönlich so wichtig?
Weil die Ukrainerinnen und Ukrainer jeden Tag ihres Widerstands gegen die russische Invasion auch für Werte einstehen, die uns in Deutschland und Europa verbinden
Als ich im Alter von 15 Jahren aus der Ukraine nach Deutschland kam, empfand ich keinen großen Unterschied zwischen der Weltsicht vieler Ukrainerinnen und Ukrainer und der Menschen in Deutschland. Wenn man mich heute fragt, ob ich mich eher deutsch oder ukrainisch fühle, sage ich deshalb: in erster Linie bin ich Europäerin.
Menschen in der Ukraine zahlen mit ihrem Leben, ihrer Gesundheit und ihrem persönlichen Wohlergehen für etwas, das uns häufig selbstverständlich erscheint: in einer Demokratie und einem Rechtsstaat frei und selbstbestimmt leben zu können. Ich kenne beide Länder, ich sehe vor Ort, was Menschen verlieren, und deshalb ist diese Arbeit für mich persönlich eine Herzensangelegenheit.
Ja, ich möchte helfen!
Seit 2022 haben wir schon mehr als 130.000 Menschen unterstützt.
Mit Ihrer Spende können wir noch mehr bewirken!