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Corona-Krise befördert neue digitale Formate und aktive Selbsthilfe

2. Juni 2020 - Myanmar
Als wir Mitte März die ersten Informationen über konkrete Hilfsmaßnahmen zur Prävention von COVID-19 in Myanmar erhielten, hatten wir noch ein bisschen gehofft, dass das Thema möglichst bald wieder Geschichte ist. Jetzt – knapp zweieinhalb Monate später – sind wir in Deutschland froh über Lockerungen und wieder mehr Normalität. Im Globalen Süden jedoch herrschen immer noch massive Ausgangsbeschränkungen verbunden mit Not, Hunger und Angst vor der Krankheit. In unseren Projektgebieten in Myanmar – wie in vielen anderen Regionen auch - laufen daher unsere Corona-Präventionen immer weiter. Auch wenn sich der Schwerpunkt vom Verteilen und Informieren ein Stück weit zum Selbstproduzieren, z.B. von Geschichtsmasken verschoben hat.

In einem Webinar zum Thema „Humanität adé? – Europäische Flüchtlings- und Entwicklungshilfe in Corona-Zeiten“ berichtet unser Landesbüroleiter Ralf Thill im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Stephan Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) sehr anschaulich über die Situation vor Ort – das schwache Gesundheitssystem, die immer wieder aufflammenden lokalen Konfliktherde und der strenge Lockdown, der das Leben massiv einschränkt. Worauf Ralf Thill trotz allem hofft?

„Ich wünsche mir, dass der Blick auf die Krise nicht lokal hängen bleibt, sondern dass die Menschen in Deutschland sehen, dass im Moment die Probleme weltweit ähnlich sind. Die Corona-Pandemie ist eine globale Herausforderung und ich hoffe, dass der Rest der Welt über die eigenen Sorgen auch in Sachsen nicht vergessen wird, sondern dass die Solidarität, die sich jetzt vielfach gezeigt hat, erhalten bleibt“, erklärt unser Landesbüroleiter in Myanmar.

Webinar mit Stephan Kühn, MdB, und Ralf Thill, arche noVa

Sein Team in Myanmar war im März eines der ersten weltweit, das mit der Verteilung von 5000 Seifenpäckchen in 30 Dörfern rund um Lashio sowie Plakaten, Infoflyern und SMS in fünf Sprachen - Chinesisch, Kachin, Shan, Burmesisch und Englisch - die Präventionsmaßnahmen gegen COVID-19 startete.


"Das schnelle Reagieren auf die neue Situation war deshalb möglich, weil arche noVa bereits seit vielen Jahren in Myanmar aktiv ist, erklärt Landesbüroleiter Ralf Thill. „Während der Fokus in den ersten Jahren insbesondere auf Nothilfemaßnahmen nach Erdbeben und Zyklonen, die das Land regelmäßig heimsuchen, lag, rückten in den vergangenen Jahren zunehmend Hygienemaßnahmen und Krisenprävention in den Mittelpunkt. Dadurch war es uns jetzt möglich, die Programme schnell auf die aktuelle Situation anzupassen und die Regierung Myanmars und natürlich die Menschen in den teils schwer zugänglichen Gebieten des Landes bei der Eindämmung von COVID-19 zu unterstützen“, sagt Ralf Thill.

 

Sogar das lokale Gesundheitsministerium meldete sich in dieser kritischen Zeit bei arche noVa, mit der Bitte, dringend benötigte Gesichtsmasken zu besorgen, die seit Tagen ausverkauft und nirgends zu beschaffen waren. Am 30. März konnte arche noVa in Lashio eine Lieferung von 1.000 Schutzmasken an die Gesundheitsbehörde übergeben, die direkt an medizinisches Personal und Hebammen im ländlichen Raum weitergeleitet wurden, um zum persönlichen Schutz der Menschen beizutragen.

Mittlerweile werden die Schutzmasken in Lashio in einem neu aufgelegten Programm von arche noVa selbst hergestellt. Einer der Maskenproduzenten ist U Thein Maung, gelernter Nähmaschinen-Mechaniker und passionierter Feuerwehrmann. Der Familienvater, der seit über 30 Jahren eine kleine Schneiderwerkstatt betreibt, war sehr schnell extrem von der Corona-Pandemie betroffen. Seit Wochen gab es für ihn kaum noch Aufträge und damit brach das Einkommen für seine achtköpfige Familie weg. Umso mehr freuen sich U Thein Maung und seine Frau Daw Khin mu, dass sie jetzt im Auftrag von arche noVa Schutzmasken schneidern können, die dann direkt in den entlegenen Dörfern zur COVID-19-Prävention verteilt werden. Damit ist vielen geholfen.

 

Um auch weiterhin effektiv helfen zu können und Bedarfe zeitnah zu erkennen, sprechen sich die Teamkolleg*innen in Myanmar sowie die Freiwilligen auch in Zeiten von Lockdown und Kontaktsperre regelmäßig ab. Ein wichtiges Thema ist dabei immer der fachliche Austausch zu Best-Practise-Maßnahmen in dieser für alle neuen und speziellen Situation. So kommen beispielsweise im arche noVa-Büro in Ann immer wieder kleine Gruppen von freiwilligen Helfern aus den Bereichen Hygiene und Katastrophenvorsorge zusammen, um über ihre Erfahrungen auf den Dörfern zu sprechen und sich die aktuellsten Informationen über wichtige Hygiene- und Gesundheitsmaßnahmen in Bezug auf COVID-19 abzuholen. Selbstverständlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand. Denn Social Distancing gilt auch in Myanmar.

Dass regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit am besten gegen das Corona-Virus hilft, lernen auch in Myanmar schon die Kleinsten. Deshalb stellt arche noVa in Krisenzeiten an Schulen sogenannte Handwaschstationen auf, immer kombiniert mit Tafeln und Bildern zu Hygieneregeln. Diese Handwaschstationen werden modulweise errichtet und sind damit bei Bedarf schnell gebaut und beliebig erweiterbar. Ein einzelnes Modul besteht aus vier Wasserhähnen, die über eine Leitung mit Wasser versorgt werden. Außerdem gibt es in der Mitte einen Ablageplatz für Seife und Handtücher. Wie viele Module benötigt werden, hängt von der Größe der jeweiligen Schule ab. Eine Schule im Shan State hat üblicherweise um die 100 Kinder, da braucht man also zwei solcher Handwaschmodule.

Die flexiblen Handwaschstationen oder auch massiv errichtete Waschanlagen an Schulen sind eine Maßnahme, die arche noVa in Myanmar schon seit Jahren im Rahmen seiner WASH-Aktivitäten durchführt. Damit ist Gesundheitsvorsorge durch gute Hygiene nicht nur in Krisenzeiten möglich. Doch neben Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten, die die Menschen in Myanmar immer wieder bedrohen, kommt jetzt noch die Gefahr von Corona hinzu.  

 

Wie in vielen unserer Projektgebiete weltweit ist COVID-19 auch in Myanmar nur ein weiteres Problem zu vielen anderen Katastrophen und Konflikten dazu. So berichtete Mitte April unsere Programmmanagerin Laura Puts über das Projekt im Rakhine State: „15 unserer Projektdörfer sind wegen der andauernden Kämpfe zwischen den Bürgerkriegsparteien schon seit Wochen nicht mehr zugänglich. Vergessen haben wir die Menschen, die sich zwischen den Fronten befinden, allerdings nicht. Für sie werden Pakete mit Seife und Informationsmaterial geschnürt, so dass diese schnell und unkompliziert an die Dörfer geliefert werden können, sobald sich die Möglichkeit bietet.“

Trotz aller Hürden wurden in und um Ann im März und April Seife und Infomaterialien verteilt: 1826 Familien erhielten 3790 Barren Seife. 118 der betroffenen Familien müssen in dieser kritischen Situation in einem Lager für Binnenvertriebene ausharren, da sie vor den Kämpfen auf dem Land in die Stadt geflohen sind.

Bis jetzt laufen die humanitären Hilfsmaßnahmen zur Prävention von COVID-19, die arche noVa sowohl im Rakhine State wie auch im Shan realisiert, weiter. Auch neue Maßnahmen zur Verbesserung vor allem der Situation von intern Vertriebenen sind in Planung.

 

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