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Bewässerungssystem leitet Flusswasser auf die Felder

17. März 2020 - Äthiopien
Wasserknappheit und Nahrungsmittelunsicherheit sind die zwei großen Probleme der Somali-Region in Äthiopien. Mit dem neuesten Vorhaben in der Gemeinde Bursaredo werden gleich beide Problemfelder adressiert. Der Ort wird sowohl eine sichere Wasserversorgung als auch ein Bewässerungssystem für eine Landwirtschaftskooperative erhalten.

„Wir wollen, dass die Familien Gemüsegärten anlegen, Mais und Zwiebeln anbauen und ihr Vieh tränken können“, sagt Projektkoordinatorin Yvonne Stephan. Sie ist froh, dass die Betonröhren für das Bewässerungssystem endlich vor Ort angekommen sind. Sie haben eine beschwerliche Reise per Lastwagen hinter sich. Der Weg zum Dorf führte nur über Schotterpiste. Kurz vor dem Ziel blieb der Laster mit den Röhren noch im Schlamm stecken. Nur mit vereinten Kräften der Dorfgemeinschaft kam der Wagen wieder frei.

Schlamm und Matsch gibt es in Bursaredo so gut wie nie. Die Nebenregenzeit im letzten Winter, hier Deyr genannt, war jedoch so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Tragische daran: Das meiste Wasser floss über die harte Erde ab und war als Wasserquelle verloren. Zudem gab es die Gefahr von Überflutungen am nahe gelegenen Shabelle, dem einzigen ganzjährig Wasser führenden Fluss der Region, an dem auch Bursaredo liegt.

Ein Dorf bekommt Wasser

arche noVa errichtet derzeit in der Gemeinde Bursaredo ein umfassendes Wassersystem. Das Pumphäuschen am Fluss steht bereits. Es ist nötig, um das Flusswasser in die Hauptleitung zu führen. Von dort geht es einerseits zu einem Hochtank mit Filteranlage für die Trinkwasserversorgung und andererseits zu den neuen Bewässerungssystemen für die Felder. Beim Bau hilft die Bevölkerung mit. Gemeinsam haben sie zum Beispiel die Leitungsgräben ausgeschachtet.

Landwirtschaft als neue Perspektive

Die Menschen in Bursaredo stehen vor einer großen Aufgabe. Sie müssen ihr Leben ganz neu organisieren, denn die meisten Familien sind erst vor kurzem hierhergezogen. Traditionell leben die Menschen in der Shabelle-Zone als Viehhirten, die mit ihren Herden von Weideland zu Weideland ziehen. Angesichts der zunehmenden Gefahr von Dürren und dem Austrocknen der Böden suchen sie neue Überlebensstrategien. Am Fluss wollen sie eine Mischform von kleinbäuerlichen Landwirtschaft und Viehzucht betreiben. Doch das gelingt nur schwer.

Portrait Yvonne Stephan mit Pumpe

Mit unserer lokalen Partnerorganisation, OWDA, haben wir in einem Assessment festgestellt, dass die Landwirtschaft in Bursaredo bisher sehr unproduktiv ist. Oft gehen Ernten ganz verloren, weil die Menschen über landwirtschaftlichen Praktiken wenig wissen und es keine tragfähige Bewässerungstechnologie gibt.

Yvonne Stephan - Projektreferentin Äthopien

arche noVa unterstützt den Neuanfang der Landwirtschaft in Bursaredo auf vielfältige Weise. Dabei konzentrieren wir uns auf gefährdete, oft mittellose Familien. Die Auswahl der Begünstigten wird mit den zuständigen Behörden und den Gemeindeältesten abgestimmt.

Die beiden Bewässerungssysteme werden je eine Fläche von 50 Hektar versorgen. Zurzeit werden die Betonröhren verlegt, die das Flusswasser auf die Felder führen. „Die Landwirte müssen lernen, wann und wie viel Wasser für die verschiedenen Anbaukulturen benötigt wird. Dafür gründen die Bauern eine Kooperative. Diese wird das Bewässerungssystem verwalten. Jedes Mitglied zahlt eine Gebühr ein, so dass Einnahmen erzielt werden für den Betrieb und notwendige Reparaturen“, so Yvonne Stephan. Die beteiligten kleinbäuerlichen Familien erhalten zudem Schulungen zu verbessertem Pflanzenanbau, nachhaltiger Fruchtfolge und Bodenkonservierung. In erster Linie soll sich damit die Ernährungssituation der Familien verbessern. Perspektivisch geht es aber auch um die Vermarktung der Feldfrüchte.

Wasserholen ohne Angst vor den Krokodilen

Die großen Zukunftsfragen beschäftigen die Menschen in Bursaredo sehr und verlangen viel von ihnen ab. Doch tagtäglich ist es vor allem das Wasserholen, das ihnen Sorge bereitet. Von Bursaredo sind es 1,5 Kilometer bis zum Ufer des Shabelle. Die Frauen und jungen Mädchen holen das Wasser direkt aus dem Fluss. Das ist zum einen schwere, körperliche Arbeit und zum anderen gefährlich, da es immer wieder zu Krokodilangriffen kommt. Meist trifft es die Tiere, zum Beispiel aus den Ziegenherden, die sich hier ebenfalls Wasser holen, immer wieder werden aber auch Menschen von Krokodilen attackiert.

Die Familien haben indes keine andere Wahl. Das Wasser des Shabeelle Flusses ist die einzige Wasserquelle in der Region und von schlechter Qualität. Die meiste Zeit des Jahres ist es schlammig und sehr trüb. Von Wasser übertragene Krankheiten gehören zum Alltag. Diese Krankheiten werden entweder direkt oder durch Trinken von unbehandeltem Flusswasser verbreitet. „Jede Durchfallerkrankung ist für die Menschen eine kleine Katastrophe. Nicht zuletzt, weil es vor Ort keine Behandlungsmöglichkeiten gibt“, erläutert Yvonne Stephan. Das neue Wassersystem von arche noVa wird die Versorgung in Bursaredo auf ein neues Niveau bringen. Dazu wird neben dem Pumpenhäuschen, der Leitung und dem Hochtank in Dorfnähe auch eine Trinkwasseraufbereitungsanlage gebaut, die das Wasser filtriert. Zuletzt entsteht eine Wasserausgabestelle mit mehreren Wasserhähnen.

Portrait Yvonne Stephan mit Pumpe

Gerade führte unser Projektleiter Nazir Ahmed ein Training für das WASH Komitee durch mit einem Testlauf der Filteranlage. In wenigen Tagen wird sie in Betrieb gehen und alle sind stolz, einen Teil beigetragen zu haben!

Yvonne Stephan - Projektreferentin Äthiopien

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13
5 Familien erhalten Wasserkanister
49
1 Wasserhahn wird gekauft und installiert
141
10 Meter Betonrohre für Bewässerung

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