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25 Jahre arche noVa - 25 Geschichten Nr. 24 Andrea Bindel

15. Dezember 2017 - Pakistan
2017 wird arche noVa 25 Jahre alt. Seit einem Vierteljahrhundert setzen wir uns für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit ein. Was steckt dahinter? Im Laufe des Jahres stellen wir 25 Menschen vor, deren Geschichten exemplarisch für arche noVa stehen. Dieses Mal Andrea Bindel, Projektreferentin im Auslandsprogramm.

Andrea Bindel ist eine von denen, die seit Anfang an bei arche noVa dabei ist. Die studierte Diplomingenieurin für Wasserwirtschaft wollte schon immer Menschen helfen, die weite Welt sehen und dafür am liebsten im Ausland arbeiten. Seit den Vorbereitungen für den zweiten Hilfstransport 1992 in den Nordirak ist sie bei arche noVa dabei.  „Das war ja damals eine politisch äußerst bewegte Zeit nach der Wende“, sagt Andrea Bindel. Sie studierte gerade Wasserwirtschaft an der TU Dresden. „Auch in Dresden gab es Demonstrationen gegen den Krieg im Irak unter dem Motto „Kein Blut für Öl“. Wir wollten unbedingt was verändern!“

Für den ersten Hilfstransport extra einen LKW-Führerschein gemacht

Um beim Hilfstransport in den Nordirak mit am Steuer zu sitzen, machte sie extra ihren LKW-Führerschein. Einen Tag, nachdem sie ihn in der Hand hatte, ging es gemeinsam mit ihren Mitstreitern los. Im Gepäck die Ausrüstung für ein Krankenhaus, um die medizinische Versorgung in dem vom Krieg gezeichneten Nordirak zu verbessern. Diese Reise war eine Herausforderung für Mensch und Technik und schweißte das Team eng zusammen. Es folgten zahlreiche Hilfstransporte zur Versorgung der während des Bosnien-Krieges eingeschlossenen Städte Tuzla und Zenica.

Engagement und Ingenieurwissen miteinander vereint

Einige Jahre später (1998) kam dann der Kosovo-Konflikt. „Wir sind hingefahren und haben uns um die Reinigung von verseuchten Brunnen gekümmert.“ Andrea Bindel leitete den Einsatz und hatte das Gefühl, dass ihr Wissen als Ingenieurin mit dem Schwerpunkt Wasser hier perfekt am Platz ist. Es folgten Nothilfeeinsätze im Irak sowie in Indien und Sri Lanka. Besonders gefallen ihr bei arche noVa die kurzen Entscheidungswege, der Gestaltungsspielraum und die Möglichkeit, Projekte nach den eigenen Erfahrungen und Wissen gestalten zu können. Und das wichtigste: dass die Mitarbeiter von arche noVa vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten, dass lokales Wissen und Ressourcen immer in die Planung eines Projektes mit eingebracht werden und das soweit als möglich die Eigenleistung der Betroffenen eingefordert wird, um eine Nachhaltigkeit der Projekte zu erreichen.

Mitten im pakistanischen Projektgebiet anderthalb Jahre im Zelt übernachtet

Das Erdbeben im Kaschmir im Jahre 2005, eines der schlimmsten, dass die Region jemals erschütterte, brachte Andrea Bindel nach Pakistan. Sie übernahm die Leitung des Nothilfeeinsatzes von arche noVa im pakistanischen Teil des Kaschmir. Gemeinsam mit ihren 55 lokalen und zwei internationalen Mitarbeitern bauten oder rehabilitierten sie 72 Trinkwasserversorgungssysteme in den schwer zugänglichen Bergdörfern, bauten Latrinen und führten Hygiene-Trainings für 70 Schulen im Gebiet durch. „Für anderthalb Jahre schliefen wir in Zelten in einem Camp mitten im Projektgebiet - im heißen Sommer und im eiskalten Winter. Um den Menschen in der schwer betroffenen Region helfen zu können, wurden zum ersten Mal nach rund fünfzig Jahren Zugangsrestriktionen Ausländer während der akuten Nothilfephase wieder in diesen Teil des Kaschmir gelassen.“

Seitdem lässt Andrea Bindel Pakistan nicht mehr los. Fünf Jahre war sie als Landeskoordinatorin vor Ort, und verantwortet mittlerweile die Pakistan-Projekte von arche noVa in den Bereichen WASH-, Katastrophenvorsorge- und Ernährungssicherung von Berlin und Dresden aus. Dabei sind ihr die vier Projektbesuche pro Jahr In Pakistan besonders wichtig. Im Nothilfeeinsatz in Kashmir lernte sie auch ihren Mann kennen. Die vierköpfige Familie lebt nun in Deutschland, reist aber regelmäßig nach Pakistan, um dort Verwandte zu besuchen und im Karakorum zu wandern. Mit den beiden Kindern paddeln und radeln sie gern in Brandenburg oder lieben es mit ihrem Bus durch die Lande zu ziehen und zu campen.

Am wichtigsten: die Begegnung mit den Menschen

Andrea Bindel blickt auf fast 25 Jahre mit arche noVa zurück. Neben der eigentlichen Projektarbeit vertritt sie arche noVa als WASH- und DRR-Expertin in zahlreichen nationalen und internationalen Gremien, wie dem WASH Netzwerk oder der Toilet Board Coalition. Was sie an arche noVa besonders mag? Die Möglichkeit der bedarfsgerechten Hilfe in schwierigsten Kontexten, der Respekt und die Begegnungen mit den Menschen. Sie erzählt gern die Geschichte, als man ihr aus Dankbarkeit ein Huhn in Pakistan schenkte. „Das war kurz nach dem Erdbeben im Kaschmir. Die Menschen hatten selbst kaum etwas zu essen, viele der Tiere waren umgekommen. Aber eine Familie bereitete aus Dankbarkeit eines ihrer kostbaren Hühner für mich zu. Damals war ich überzeugte Vegetarierin. Aus Respekt blieb mir natürlich nichts anderes übrig, als das Hühnchen mit ihnen zu essen.“

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