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25 Jahre arche noVa – 25 Geschichten Nr. 17 Friedrich Machein, WASH-Advisor

23. November 2017 - Deutschland
2017 wird arche noVa 25 Jahre alt. Seit einem Vierteljahrhundert setzen wir uns für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit ein. Was steckt dahinter? Im Laufe des Jahres stellen wir 25 Menschen vor, deren Geschichten exemplarisch für arche noVa stehen. Dieses Mal Friedrich Machein, WASH-Advisor bei arche noVa.

Friedrich Machein sitzt an einem kühlen Abend im Oktober 2017 in Sloviansk in der Ostukraine: „Heute hatten wir den ersten Schnee in diesem Jahr. Wir sahen ihn durch das Fenster, als wir abends noch im Büro zusammen saßen. Der Schnee zeigt mir, dass ein weiteres Jahr mit arche noVa langsam zu Ende geht. Doch wie fing alles an?“

Es begann an einem Sonntagmorgen im Sommer 1989 als Friedrich Machein aufwachte und beschloss sein Leben zu ändern. „Ich kam aus einer Kaufmannsfamilie und hatte im Einzelhandel gelernt, wollte aber kein Kaufmann sein“, schildert er seine damalige Verfassung. Nach Jahren der Orientierungslosigkeit war ihm an jenem Morgen klar, dass er „etwas mit Wassertechnik tun und irgendwie sinnvoll arbeiten “ wollte. Am nächsten Tag schrieb er sich in der Fachoberschule ein, wechselte ein Jahr später an die Fachhochschule und wurde Ingenieur für Tiefbau.

Nach dem Studium ins Ausland

Noch während des Studiums lernte Friedrich Machein das Arbeiten jenseits der Wohlstandsinsel Europa kennen. „Ich bekam einen Anruf von einem Consultant aus Düsseldorf, der mich fragte, was ich im kommenden April machen würde und ich sagte ihm, ich müsse in der Zeit Vorlesungen besuchen. Er aber antwortete: „Nein, im April werden Sie für uns im Jemen arbeiten“. Und so kam es. Zwei Wochen nach Ende des Krieges zwischen Süd- und Nordjemen war Friedrich Machein auf dem Weg. Schon während des Anfluges bekam er einen Eindruck von dem, was ihn erwartete: ein Land voller Zerstörung, wenig Infrastruktur und viel karger Landschaft. „Da stieg plötzlich neben uns Leuchtspurmunition in den Nachthimmel auf. Wie konnte ich ahnen, dass eine Hochzeitsgesellschaft einfach Freudenschüsse abgefeuert hatte.“

Der Aufenthalt war für den jungen Mann hart und gefährlich. „Die Leute waren sehr religiös und so unnachgiebig wie die Wüste, in der sie lebten.“ Im Jemen konnte Friedrich Machein auf das zurückgreifen, was er schon als Kind gelernt hatte: Allein sein können. „Mein Vater starb nach langer Krankheit, als ich 9 Jahre alt war. Meine Mutter war Dauernachtwache im Krankenhaus. So war ich praktisch alle Nächte allein und lernte, mit meinen Ängsten umzugehen.“

Als Ingenieur in Afrika

Nach dem Jemen ging es für Friedrich Machein nach Benin in Westafrika. Da wollte er eigentlich gar nicht hin. Er hatte sich als Entwicklungshelfer für Nepal beworben. Doch sein Arbeitgeber schickte ihn ins frankophone Westafrika. Nach Benin folgten Uganda und Kenia. „Im Lauf der Jahre merkte ich, dass das Ingenieurstudium nur die Hälfte der Fragen in einem Entwicklungsprojekt beantworten konnte. Offen blieb für mich der Umgang mit sozialen Fragen, das Arbeiten mit den Menschen, die Fragen, wie durch Zusammenarbeit mit der Zielgruppe Nachhaltigkeit erreicht werden kann“, erinnert sich der Ingenieur.

Mit arche noVa im Bürgerkriegsland Sri Lanka

Deshalb entschied er sich 2004 zu einem Masterstudium in „nachhaltiger ländlicher Entwicklung“ in Aberdeen, Schottland. Dann kam der Schritt zu arche noVa, wo Friedrich Machein 2006 eingestellt wurde. Sein erster Einsatz führte ihn nach Sri Lanka, wo die Nothilfe von arche noVa nach dem Tsunami gerade auslief und der Bürgerkrieg zwischen Tamilen und Singhalesen in den Vordergrund rückte. „In Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und Unicef wurden wir schnell für die Wasserversorgung von 120.000 Flüchtlingen im Raum Batticaloa verantwortlich. Ein hartes Jahr stand uns bevor, mit Tankerdienst an sieben Tagen in der Woche und mit großen Bauprojekten in den Flüchtlingslagern. Das alles in unmittelbarer Nähe zur Feuerlinie und unter Ausgangssperre. Trotzdem war es auch ein schönes Jahr mit einem tollen, lokalen Team, das mir für die Anstrengungen so viel Liebe und Engagement zurückgab.“

Vom arche noVa Spirit infiziert

In Sri Lanka hatte Friedrich Machein etwas gelernt: arche noVa war anders als die anderen Hilfsorganisationen. „Wir hatten weniger internationales Personal, ein kleineres Büro, ein extrem engagiertes Team und viel weniger Geld. Trotzdem schafften wir wahre Wunder und das wurde dort nie vergessen. Als ich nach Einsätzen in Ghana und Indonesien 2010 nach Batticaloa zurückkehrte, sprach sich das schnell herum. ,Fred ist back‘ hieß es im Ort und fast alle Ehemaligen kamen zurück.“

Das folgende Projekt von 2010 bis 2012 war seiner Meinung nach das Beste, das er je für arche noVa leiten durfte. „Mit dem Team entwickelte ich dort aufregende Ideen für die Wasserversorgung. Zum Beispiel Tanks aus Ferrozement zum Speichern des Wassers, weil die Versorgung durch die Brunnen nie die Trockenzeit überdauerte. Wir bauten einfache Pumpen aus PVC-Rohren, die die Leute in den Dörfern selbst bauen konnten und die so billig waren, dass sie sich jeder leisten konnte. Wir entwickelten sogar ganze Wasserwerke in unseren Werkstätten.“

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