Stefanie Knörr: Klimaschutz muss keine Zusatzaufgabe sein

21.10.2026 - 13:18 - Deutschland
Drei Jahre lang war Stefanie Knörr für arche nova weltweit als Verantwortliche für das gemeinsame Globale Programm mit dem ASB und der German Toilet Organization unterwegs, um Katastrophenschutz und WASH-Versorgung in Regionen zu verbessern, die besonders stark von der Klimakrise betroffen sind. Ein wichtiger Teil des bislang einzigartigen Programms in 13 Ländern war auch die Frage: Wie kann humanitäre Hilfe so gestaltet werden, dass sie das Ökosystem möglichst wenig belastet? Zum Ende des Programms berichtet Stefanie Knörr von ihren Erfahrungen, ihrem Fazit und Begegnungen, die ihr besonders in Erinnerung geblieben sind.

Was genau macht das Globalprogramm aus deiner Sicht so besonders und bedeutend?

Das Programm verbindet Wasser-, Sanitär- und Hygienearbeit in 13 Ländern mit einem klaren Schwerpunkt: Umwelt- und Klimaschutz werden systematisch in die Planung humanitärer Maßnahmen integriert, statt als Zusatz behandelt zu werden. Gemeinsam mit dem ASB haben wir dafür ein globales Fundament geschaffen, also einen Ansatz zum Environmental Mainstreaming, ein darauf abgestimmtes Training und gemeinsame Lernformate. Diese wurden in den Ländern jeweils an Kontext, Risiken und Maßnahmen angepasst. Die Bedeutung liegt darin, dass Projekte akute Bedürfnisse decken und zugleich die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden gegenüber Klimafolgen stärken.

Warum braucht es (mehr) Mittel für Programme dieser Art?

Klimarisiken wie Dürren, Überschwemmungen und Extremwetter treffen besonders die Gemeinden, die ohnehin erschwerten Zugang zu sauberem Wasser und sanitärer Versorgung haben. Ohne gezielte Finanzierung bleibt Klimaanpassung in der humanitären Arbeit schnell eine Zusatzaufgabe, die bei knappen Budgets als Erstes wegfällt. Mehr Mittel braucht es daher für Trainings und Kapazitätsaufbau bei Partnerorganisationen, für regionale Lernformate, für Klimarisikoanalysen in neuen Projekten und für die Sicherung der Erfahrungen über das Projektende hinaus. Unsere Erfahrung zeigt außerdem, dass sich Klimaschutz und Anpassung oft mit ohnehin notwendigen Verbesserungen verbinden lassen. Das macht sie nicht automatisch teurer, setzt aber voraus, dass sie von Anfang an eingeplant werden.

Was war dein persönliches Highlight der letzten drei Jahre?

Mein persönliches Highlight waren die Regionalworkshops. Zu erleben, wie Kolleg*innen aus verschiedenen Ländern ihre Erfahrungen teilen und bei Feldbesuchen konkrete Maßnahmen vor Ort sehen, war für mich besonders wertvoll. Die Gespräche gingen dabei weit über reine Präsentationen hinaus. Besonders berührt hat mich außerdem das wachsende Verständnis dafür, dass eine klimasensitive Vorgehensweise keine zusätzliche Last sein muss.

Gibt es einen Menschen, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Bei einem Projektbesuch in Nicaragua habe ich eine junge Frau kennengelernt, die mir erzählte, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben Wasser direkt an ihrem Haus hat. Sie berichtete davon mit so viel Freude, dass dieses Gespräch mir besonders in Erinnerung geblieben ist. Möglich wurde das durch die Gemeinde selbst: Die Menschen dort haben elf Tage am Stück gemeinsam gearbeitet und die Leitungen vom Brunnen zum Wassertank und von dort zu den einzelnen Haushalten gegraben. Das Projekt hat die Materialien bereitgestellt, die Arbeitskraft kam aus der Gemeinde. Für mich zeigt diese Geschichte, wie viel Wirkung entsteht, wenn Technik und gemeinsames Engagement zusammenkommen.

Was wünschst du dir für die Projektregionen, die du begleitet hast?

Ich wünsche mir, dass die Gemeinden in den Projektregionen dem Klimawandel mit wachsender Widerstandskraft begegnen können. Dazu gehört, dass Wasserversorgung und Sanitärsysteme so geplant und instand gehalten werden, dass sie auch bei Dürren, Starkregen und Überschwemmungen funktionieren. Ebenso wichtig ist, dass Wissen und Verantwortung dort bleiben: Die gestärkten Katastrophenkomitees und die gemeinsam erarbeiteten Notfallpläne sollen auch nach Projektende aktiv sein, regelmäßig überprüft und an neue Klimarisiken angepasst werden. Und ich hoffe, dass die Partnerorganisationen die Ansätze zu Klimaschutz und Anpassung eigenständig weiterentwickeln und in ihre eigene Arbeit übernehmen, damit Klimaresilienz zu einem selbstverständlichen Teil der Wasser- und Katastrophenvorsorge wird.

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