Wie unterrichtet man Nachhaltigkeit in Sachsen – und wie in Uganda? Was können Lehrkräfte und Schulleitungen voneinander lernen, wenn sie über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten? Genau das erforscht der BNE-Fachaustausch Sachsen und Uganda – ein Projekt, das seit Oktober 2025 Menschen aus Sachsen und Uganda zusammenbringt und zeigt, wie viel Kraft in echtem interkulturellem Austausch steckt.
Was ist der BNE-Fachaustausch?
Der BNE-Fachaustausch ist ein regelmäßiges Online-Format für bis zu 30 Teilnehmende – je 15 aus Sachsen und 15 aus Uganda. Alle Beteiligten engagieren sich aus echtem Interesse, meist in ihrer Freizeit, und bringen ihre Erfahrungen aus Schulen, Bildungseinrichtungen und der BNE-Praxis mit.
Das Projekt läuft von Oktober 2025 bis Ende Dezember 2026. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase im Herbst 2025 – mit Willkommenstreffen und Workshops zu BNE, Online-Tools und interkultureller Kompetenz – arbeiten die Teilnehmenden seit Januar 2026 in vier festen Kleingruppen zusammen. Jede Gruppe widmet sich einem der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) gewidmet, das zu ihrem Arbeitsfeld passt oder sie persönlich bewegt:
🌾 SDG 2 – Kein Hunger
📚 SDG 4 – Hochwertige Bildung
♻️ SDG 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion
🌍 SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz
In jeder Gruppe sitzen ugandische und sächsische Teilnehmende gemeinsam am virtuellen Tisch. Mindestens einmal im Monat treffen sie sich, tauschen sich aus, lernen voneinander – und entwickeln gemeinsam ein Lernmaterial zu ihrem SDG, das sie im Unterricht oder in ihrer pädagogischen Arbeit einsetzen können.
Ende Mai 2026 hatten alle vier Gruppen die Gelegenheit, ihre Ideen gegenseitig vorzustellen und Feedback zu geben. Das Ergebnis: sichtbare Motivation und beeindruckende Ansätze. Anfang November 2026 werden die fertigen Materialien in einer Abschlusspräsentation vorgestellt.
Das Projekt wird hauptsächlich vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK) sowie von der Stiftung Nord-Süd-Brücken (SNSB) und mit einem Eigenanteil von arche nova finanziert.
Das Projektteam aus Uganda zu Gast in Sachsen
Damit der Austausch nicht nur digital bleibt, war Ende Oktober / Anfang November 2025 das ugandische Projektteam in Sachsen zu Gast: Philemon Mukisa Kirunda (ugandischer Projektkoordinator), Margaret Nakato (Geschäftsführung der ugandischen Partnerorganisation Katosi Women Development Trust) und Fiona Okwere (Mitarbeitende von KWDT) reisten nach Deutschland.
Die Woche war dicht gepackt: Das Team besuchte eine Schule sächsischer Fachaustausch-Teilnehmender, nahm am Netzwerktreffen der Uganda-Sachsen-Partnerschaft teil und traf sich mit dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus. Auch ein Fachtag zu globalen Schulpartnerschaften und eine BNE-Methodenschulung bei Cambio e.V. standen auf dem Programm.
Für das ugandische Projektteam war es eine tolle Möglichkeit, BNE in Sachsen hautnah zu erleben. Für das Team von arche nova war es mindestens genauso wertvoll: Gemeinsam mit KWDT konnten wir planen, justieren und den Blick auf das Projekt schärfen – im direkten Gespräch, nicht per Videocall.
Gegenbesuch in Uganda: BNE mit allen Sinnen erleben
Im Februar 2026 war es Zeit für den Gegenbesuch: Ein Team von arche nova, darunter Projektleiterin Violetta Siering, reiste nach Uganda.
Die ersten Tage verbrachten sie gemeinsam mit einer Gruppe von Lehramtsstudierenden der TU Dresden und besuchten einen Kindergarten, fünf Grundschulen (zwei davon inklusiv), drei weiterführende Schulen und Berufsschulen sowie drei Universitäten – von vielen dieser Einrichtungen nehmen Lehrkräfte am BNE-Fachaustausch teil. Eines wurde bei den Besuchen deutlich: BNE findet hier nicht nur auf dem Papier statt, sondern wird jeden Tag gelebt – in kleinen und großen Schritten.
In der Kita „Les Enfants Pre School“ zum Beispiel tragen schon die Kleinsten Verantwortung für ihre Umwelt. Jedes der Kinder hat eine eigene Pflanze, um die es sich kümmert. Diese Pflanzen wachsen in umfunktionierten und liebevoll mit Zahlen und Buchstaben beschrifteten Autoreifen. So verbindet der Kindergarten Umweltbildung mit der Vermittlung grundlegender Fertigkeiten. Upcycling als Unterrichtsmaterial – so einfach und doch wirkungsvoll.
Ein besonders beeindruckendes Beispiel aus der Kololo Secondary School in Kampala, der Partnerschule des Campus Cordis in Dresden: der Junior Achievers Club, eine Art Schul-AG, die sich auf das Thema Nachhaltigkeit spezialisiert hat.
Mindestens zweimal pro Woche treffen sich dort rund 50–60 Schüler*innen im Alter von 12 bis 18 Jahren – freiwillig, nach dem Unterricht. Gemeinsam mit ihrer Mentorin Rachel Akol, Englisch-Lehrerin und leidenschaftliche Umweltaktivistin, sorgen sie dafür, dass das Schulgelände plastikfreier wird. Aus gesammeltem Müll entstehen z. B.:
- wasserabweisende Rucksäcke, Schlüsselanhänger und Taschen aus Plastiktüten
- Mülleimer aus Plastikflaschen
- Insektenschutz aus Plastikdeckeln
- Körbe, Dekorationen, kleine Tische und ein „Lernbaum" aus Plastikflaschen
Der Club nimmt mit seinen Ideen und Erfindungen an nationalen und internationalen Wettbewerben teil. Eine besondere Erfolgsgeschichte: Rachel ließ ihre Schüler*innen im Rahmen eines Wettbewerbs einen „Roboterbaum" aus Flaschen als Lehrwerkzeug bauen – der Weg führte vom Schulwettbewerb über nationale Wettbewerbe bis zu einer globalen Präsentation in Bischkek, Kirgisistan.
Was kommt als Nächstes?
Die vier Kleingruppen arbeiten derzeit weiter an ihren Lernmaterialien. Anfang November 2026 werden sie diese in einer gemeinsamen Abschlusspräsentation vorstellen.
Ein persönlicher Austausch der Teilnehmenden vor Ort – in Sachsen oder Uganda – wäre der nächste Traum: um die erstellten Materialien gemeinsam zu testen, voneinander zu lernen und die Verbindungen zu vertiefen, die online gewachsen sind. Ob das möglich wird, hängt von zukünftiger Förderung ab. Aber eines ist jetzt schon klar: Dieser Austausch zeigt, wie viel möglich ist, wenn Menschen mit Leidenschaft und Neugier aufeinandertreffen.