Gaza gleicht nach über zwei Jahren militärischer Kämpfe und Bombardierungen einer Trümmerlandschaft. Von Wiederaufbau ist trotz brüchigen Waffenstillstands nicht zu sehen. Die Sicherheitslage ist höchst instabil und die Lebensbedingungen der Bevölkerung sind nach wie vor katastrophal. So ist auch die Versorgung mit Wasser und Sanitäranlagen weitgehend zusammengebrochen.
Nach Angaben der Vereinten Nationen waren im Juni 2026 rund 84 Prozent der Haushalte in Gaza von Wasserunsicherheit betroffen. 62 Prozent nannten Trinkwasser als dringendstes humanitäres Problem. In den dicht belegten Behelfsunterkünften und Zeltstädten ist damit schon das Trinken, Kochen und Waschen eine tägliche Herausforderung.
Unsere gemeinsame Nothilfe erreicht 4.770 Menschen
Angesichts der dramatischen Versorgungslage vor Ort führt arche nova mit Palestinian Environmental Friends (PEF) ab Juli 2026 ein neues Nothilfeprojekt durch. Unterstützt werden rund 900 Haushalte in drei Camps in Al Mawasi bei Chan Yunis. Pro Person und Tag sind sechs Liter sicheres Trinkwasser vorgesehen. Insgesamt werden 4.770 Menschen erreicht.
Das Trinkwasser stammt aus Entsalzungsanlagen und wird per Tankwagen zu Ausgabestellen gebracht. Weitere 19 Liter Brauchwasser pro Person und Tag kommen aus vier Brunnen. Dieses Wasser steht für Körperhygiene, Wäsche und Haushalt zur Verfügung. Besonders gefährdete Menschen wie Kinder, Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen werden gezielt berücksichtigt.
Ohne Zweifel verändert der Zugang zu Wasser alles schlagartig. Sobald eine Familie sicheres Trinkwasser hat und über genügend für Körperhygiene, Kochen und Waschen verfügt, beginnt sich ihre Gesundheit zu verbessern, ihr Sicherheitsgefühl kehrt zurück und ihre tägliche Belastung wird gemildert.
Das ist kein langsamer Prozess. Es geschieht sofort, ist greifbar und verändert das Leben vom ersten Moment an.
Abwasserentsorgung schützt die Gesundheit
Wo viele Menschen auf engem Raum leben, werden überlaufende Abwassergruben schnell zum Gesundheitsrisiko. Deshalb umfasst das Projekt auch die Entleerung gefluteter Sickergruben an den Notunterkünften und – je nach Bedarf – an weiteren Orten in der Umgebung. Ein Tankwagen mit Saugpumpe übernimmt die Arbeiten.
arche nova-Nothilfe in Gaza auf einen Blick
- Projektstandorte im Gebiet Al Mawasi bei Chan Yunis: Camp Ahel Alkhair, Camp Friends, Camp Taawon1
- Projektstart: Juli 2026
- Zielgruppe: 4.770 Menschen in 900 Haushalten
- Trinkwasserversorgung: 6 Liter pro Person und Tag
- Brauchwasserversorgung: 19 Liter pro Person und Tag
- Entwässerung von Sickergruben
- Lokale Partnerorganisation: Palestinian Environmental Friends
Lokale Partnerschaft macht Hilfe in Gaza möglich
Umgesetzt wird das Projekt von Palestinian Environmental Friends. Unsere lokale Partnerorganisation organisiert die Wasseraufbereitung, den Transport und die Verteilung. Dabei wird die Wasserqualität an allen Stationen der Versorgungskette bis zu den Kanistern der Menschen überprüft. Sollten Messwerte Verunreinigungen anzeigen, werden unverzüglich Anpassungsmaßnahmen durchgeführt. arche nova hat mit PEF bereits 2025 zusammengearbeitet und schätzt die Zusammenarbeit in besonderem Maße, weil der Kontext so herausfordernd ist. Im Sommer 2025 konnten 6.090 Vertriebene mit Wasser-, Sanitär- und Hygieneaktivitäten unterstützt werden. „Das Engagement des Teams, das Verantwortungsbewusstsein und die Verlässlichkeit sind beeindruckend“, betont arche nova-Nothilfekoordinator Lorenz Ewers.
PEF ist als kleine, lokale Organisation in Gaza tief verwurzelt. Diese Nähe ist entscheidend, weil sich Bedingungen und Bedarfe schnell verändern. arche nova arbeitet eng mit dem Team zusammen und finanziert das Projekt weitgehend aus Spenden. Eine institutionelle Förderung konnte trotz mehrmonatiger Bemühungen nicht gewonnen werden. Der Umfang der Hilfe bleibt deshalb eng an die Unterstützung von Spenderinnen und Spendern gebunden.
In Gaza ist humanitäre Hilfe nicht einfach nur wichtig – sie ist eine Frage des Überlebens. Für unzählige vertriebene Familien ist schon der Weg zu einem Glas sauberem Wasser ein täglicher, kräftezehrender Kampf. Bei unserer Arbeit mit arche nova geht es darum, dieses grundlegendste menschliche Bedürfnis wiederherzustellen.
Wasser gibt das Gefühl zurück, wieder Mensch zu sein
Ayat Riad Adwan gehört zu den Menschen, die PEF schon mit Vorgängerprojekten erreicht hat. Ihre Geschichte steht stellvertretend für Hunderttausende Vertriebene in Gaza. Vor mehr als zwei Jahren ist die Familie aus ihrem Zuhause im Norden des Palästinensischen Gebiets vertrieben worden. Heute lebt Ayat mit ihren vier Kindern im Camp Canda Al Ahed in Chan Yunis. Sie teilen ein kleines Zelt mit einer weiteren Familie. Monatelang lief Ayat täglich mehr als einen Kilometer zu einer öffentlichen Wasserstelle und wartete dort drei oder vier Stunden. Manchmal war das Wasser aufgebraucht, bevor sie an die Reihe kam. Dann musste sich die Mutter von vier Kindern entscheiden, ob sie ihre äußerst knappen Mittel für Wasser oder Lebensmittel ausgibt.
„Wenn das Wasser regelmäßig kommt, kann ich aufatmen. Ich kann meinen Kindern ohne Angst etwas zu trinken geben. Ich kann ihre kleinen Hände waschen“, erzählt Ayat. Die Wasserlieferungen, die PEF seit einiger Zeit in der Nähe ihrer Unterkunft durchführt, sparen Ayat lange Wege und Zeit. Das Wasser gebe ihr „das Gefühl zurück, wieder Mensch zu sein“.
Auch Alaa Al-Kurd, Vater von sechs Kindern und früher Bauarbeiter, beschreibt diese Entlastung. Bevor regelmäßig Wasser geliefert wurde, verbrachte er oft einen halben Tag mit der Suche nach Wasser. Seit der Versorgung von PEF kann er seine Zeit wieder für seine Kinder nutzen und sich auf die Suche nach Gelegenheitsarbeit machen.