Tripoli, 04.06.2026
Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer der schwersten Wirtschaftskrisen welt-weit. Eine beispiellose Inflation hat die Kosten für Lebensmittel und lebensnotwendige Güter inzwischen weit über das Budget von Millionen von Haushalten hinausgetrieben. Hinzu kommt die akute humanitäre Krise durch militärische Gewalt im Süden des Landes. Nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms leiden etwa
- 17 % der Bevölkerung – rund 874.000 Menschen – unter akuter Ernährungsunsicherheit,
- 2,7 Millionen Menschen benötigen dringend Nahrungsmittelhilfe.
Der anhaltende wirtschaftliche Niedergang, verschärft durch die instabile Sicherheitslage sowie beschädigte landwirtschaftliche Infrastruktur und den massiven Rückgang der Mittel für humanitäre Hilfe, bringt einen großen Teil der Bevölkerung in massive Existenznot. Eine nahrhafte Mahlzeit am Tag zu sich nehmen zu können, ist für viele Familien inzwischen alles andere als selbstverständlich.
Hausgärten: Ein Weg aus der Unsicherheit
Um dieser dramatischen Entwicklung entgegenzusteuern, braucht es eine schnelle, und im besten Fall nachhaltige Lösung. Die Hilfsorganisation arche nova gibt betroffenen Familien die Mittel an die Hand, um sich besser selbst versorgen zu können – mit kleinen Gärten, die direkt vor ihrer Tür entstehen. Die Hausgärten, in denen Hühner gehalten und verschiedene Gemüsesorten angebaut werden, ermöglichen es Familien, einen Teil ihres Nahrungsbedarfs selbst zu decken und darüber hinaus einen Beitrag zur lokalen Lebensmittelproduktion zu leisten.
Die Gärten sorgen nicht nur dafür, dass die Menschen frische und gesunde Lebensmittel essen können, sie machen sie auch unabhängiger von schwankenden Marktpreisen und verschaffen ihnen durch den Verkauf der Produkte vor Ort ein zusätzliches Einkommen.
Zur Unterstützung beim Aufbau der Gärten stellt arche nova den Familien Saatgut, Setzlinge, Obstbäume, wassersparende Tröpfchenbewässerungssysteme, landwirtschaftliche Geräte, Hühnerställe und Nutztiere bereit.
„Inmitten von Wirtschaftskrise und Inflation ist dieses Projekt vor allem für junge Menschen eine große Hilfe“, sagt Rajaa Al Masri, die Mutter eines Mannes, der mit Unterstützung von arche nova seinen eigenen Hausgarten eingerichtet hat und nun eine kleine Zahl an Hühnern hält. Junge Menschen wie er sind infolge der anhaltenden Krise besonders stark von Arbeitslosigkeit und fehlenden Einkommensmöglichkeiten betroffen.
Nachhaltige Methoden und Stärkung der Gemeinschaft
Teil des Projekts, das durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wird, ist auch die technische Beratung und begleitende Unterstützung, damit in den Gärten auch unter schwierigen wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen gute Ernten erzielt werden können. Die Familien werden dazu ermutigt, nachhaltige Anbaumethoden zu verfolgen, vielfältige Kulturen zu pflanzen und damit die begrenzten Landressourcen optimal zu nutzen.
Die Initiative verbessert nicht nur die Ernährungslage – sie stärkt auch den Zusammenhalt und das Selbstvertrauen von Familien, die besonders stark unter der Wirtschaftskrise leiden.
Wichtige Ergebnisse des Projekts
Bisher konnte arche nova die Einrichtung von 60 Hausgärten unterstützen und damit 384 Personen erreichen, davon 19 Personen mit Behinderung.
„Im heutigen Libanon können es sich viele Familien schlichtweg nicht leisten, Essen auf den Tisch zu bringen. Die Preise steigen weiter, Arbeitsplätze sind rar und Hilfe von außen wird immer knapper. Durch unser Hinterhofgarten-Projekt geben wir Familien die Mittel, die sie benötigen, um zu Hause ihre eigenen Lebensmittel anzubauen, damit sie weniger auf teure Produkte angewiesen sind. Unsere Erfahrung zeigt: Es funktioniert – die Fami-lien können sich besser ernähren, müssen weniger Geld ausgeben und haben mehr Kon-trolle über ihr Leben. Damit wir noch mehr Familien erreichen können, benötigen wir dringend finanzielle Unterstützung. Denn nur, wenn Menschen sich selbst ernähren kön-nen, können sie sich dem Wiederaufbau ihres Landes widmen.“
Onelda Perndreca, Leiterin der Projekte von arche nova im Libanon
arche nova im Libanon:
Die Dresdner Hilfsorganisation arche nova ist seit 2016 im Libanon tätig. Sie unterstützt syrische Geflüchtete und die lokale Bevölkerung dabei, ihre Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Seit der militärischen Eskalation im März 2026 leistet arche nova außerdem Nothilfe für Menschen, die innerhalb des Landes auf der Flucht sind.
Bild- & Videomaterial:
Das zur Verfügung gestellte Bild- und Videomaterial kann unter Angabe der Bildrechte ©arche nova frei verwendet werden.
Zum Bildmaterial » (Passwort: libanon)
Gesprächsangebot: Für weitere Informationen oder ein Interview zur Lage im Libanon stehen Ihnen Onelda Perndreca (Englisch, remote) und Margret Thieme (Deutsch) gern zur Verfügung.