Kinder aus Lusera mit Wasserkanistern
arche noVa/Axel Fassio

Uganda: Dörfer am Victoriasee erhalten Trinkwasser und Toiletten

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Die Situation am Victoriasee ist dramatisch. Überfischung, Umweltverschmutzung und Bevölkerungszuwachs gefährden die Lebensgrundlagen der Menschen. Trotzdem nutzen noch immer viele Menschen im Distrikt Mukono das Seewasser, selbst zum Trinken und Kochen. Häufige zum Teil schwere Infektionen sind die Folge. In Kooperation mit der lokalen Organisation KWDT unterstützt arche noVa die Frauenselbsthilfegruppen in den Dörfern dabei, die Situation zu verbessern.
Uganda
Simple World Map - Author: Al MacDonald Editor: Fritz Lekschas License: CC BY-SA 3.0 ID: ISO 3166-1 or "_[a-zA-Z]" if an ISO code is not available

Das Ökosystem des Viktoriasees ist stark gefährdet. Täglich gelangen ungeklärte Industrieabwässer, Pestizide, Treibstoff von Booten und Müll in den See. Hinzu kommt, dass das Nordufer des Sees zunehmend dichter besiedelt wird. Aus anderen Teilen des Landes kommen Menschen an den See, in der Hoffnung auf eine sichere Lebensgrundlage. Dieser Zuzug verschärft die Lage weiter. Im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene fehlt es an allem. Mindestens genau so prekär ist die Situation in den landeinwärts liegenden Dörfern. In Ermangelung sicherer Wasserquellen entnehmen die Menschen ihr Wasser aus Tümpeln und offenen Wasserstellen, wo die Wasserqualität extrem schlecht ist.

Kooperation mit KWDT

Gemeinsam mit der ugandischen Organisation Katosi Women Development Trust (KWDT), einem Netzwerk von Frauenselbsthilfegruppen, setzt sich arche noVa seit 2014 für eine Verbesserung der Lebensbedingungen ein. Im Mittelpunkt stehen sichere Wasserquellen, eine angemessene Sanitärversorgung sowie Förderung guter Hygienepraktiken im Distrikt Mukono.

Zugang zu Trinkwasser wird gesichert

Der See ist für die Menschen Fluch und Segen zugleich. Während er ein Einkommen verspricht, kann er zugleich krank machen. Oft fehlt den Menschen das Wissen darüber, welche Konsequenzen die Verunreinigung des Wassers und der anschließende Konsum haben. Denjenigen, die dieses Wissen haben, können an ihrer Situation jedoch auch nichts  ändern, weil sie zum Kauf von Wasser kein Geld haben. Die meisten Familien leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. Um die Versorgungslage zu entschärfen, ist KWDT und arche noVa seit mehr als sechs Jahren im Einsatz. Im Rahmen des aktuellen Projekts wird der Bau und Einsatz von Biosandfiltern auf Haushaltsebene gefördert. Zudem werden öffentliche Brunnen gebaut. Damit verbessert sich nicht nur die Qualität des Wasserangebots, sondern auch die Verfügbarkeit. In vielen der Projektdörfer mussten die Einwohnerinnen und Einwohner bisher weite Strecken zurücklegen, um Wasser zu besorgen.

Öffentliche Toiletten werden gebaut

In einigen Dörfern gibt es nicht eine einzige Toilette. Die Männer, Frauen und Kinder verrichten ihre Notdurft meist im Freien. Diese so genannte offene Defäkation kann Ursache für zahlreiche Krankheiten wie etwa Typhus oder Bilharziose sein.

Portrait von Rose Nakibuule aus Bugula - (c)Axel Fassio/arche noVa

Bevor wir eine anständige Toilette hatten, betrieb hier jeder offene Defäkation und alles wurde in den See gespült. Vor allem während der Regenzeit war das ein Albtraum. Dadurch bekamen wir Typhus, Durchfall und Bilharziose. Seitdem uns arche noVa und KWDT mit den Toiletten geholfen haben, hat sich hier im Ort sehr viel verbessert.

Rose Nakibuule (21), aus Bugula im Distrikt Mukono

In einigen Siedlungen werden im Zuge unseres aktuellen Projektes öffentliche Toiletten gebaut. Ausgewählt wurden Fischerdörfer und Marktorte, wo besonders viele Menschen aufeinander treffen. Die Toiletten sind ein wichtiger Schritt zum Gesundheitsschutz. Nachhaltig wird die Investition in Toiletten aber erst dadurch, dass sich jemand um den Betrieb und die Wartung der Anlagen kümmert. Diese Aufgabe übernehmen Toilettennutzerkomitees. Sie sorgen für die Sauberkeit in den Räumen und müssen unter anderem die Entleerung der Klärgruben organisieren, eine mühsame und gesundheitsgefährdende Aufgabe, wenn man das mit Schaufeln und Eimern machen muss. Deshalb geht dieses Projekt einen Schritt weiter: ein Klärgrubenfahrzeug wird angeschafft und Personal geschult. Ihr Auftraggeber sind nunmehr die Komitees der Orte. Um diesen Service bezahlen zu können, richten die Nutzerkomitees Gebührensysteme ein.

Duschräume schützen vor Blicken

Neben öffentlichen Brunnen und Toiletten sind auch geschlechtergetrennte Gemeinschaftsduschen Teil des Projekts. Sie sind ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Hygienebedingungen vor Ort und geben den Menschen Würde im Alltag. Gerade Frauen fühlen sich unwohl, wenn sie am See im Freien ihre Körperhygiene betreiben. Zudem ruft das Seewasser Hautkrankheiten hervor. Aber auch das Waschen im eigenen Haus ist eine unangenehme Prozedur, bei der entweder alles weggeräumt werden muss oder nass wird. Die Schlüssel für die neuen Gemeinschaftsduschen werden von Komiteemitgliedern verwaltet. Das Wasser muss sich jeder vom Brunnen selber mitbringen.

Portrait Atimango Zabib aus Buleebi

Ich bin sehr glücklich, dass in Buleebi ein Raum fürs Duschen gebaut wurde. Damit wird das unanständige Baden im Freien, am Seeufer, auf Veranden und in den Häusern eingedämmt. Oft hörte man Streit unter den Nachbarn wegen des Badens in der Nähe ihres Hauses. Jetzt kann jeder in der Gemeinde zu jeder Tageszeit sicher baden. 

Atimango Zabib (30), Mitglied des WASH-Komitees in Buleebi. Sie kontrolliert die Nutzung der Duschräume.

Müllmanagement für eine gesunde Umwelt

Eine große Gefahr für die Gesundheit stellt darüber hinaus der vielerorts wild entsorgte Müll dar. In den meisten Gemeinden existiert keine organisierte Müllentsorgung. Der Müll sorgt für eine zusätzliche Belastung des Viktoriasees, was sich wiederum negativ auf die Fischbestände und damit auf die Lebensgrundlage der meisten Bewohner des Distrikts auswirkt. KWDTrichtet daher in jedem beteiligten Fischderdorf Deponien ein und regt die Gründung von Abfallentsorgungskomitees an. Diese Gruppen werden geschult und mit Arbeitsmaterialien und Schutzanzügen ausgerüstet. Sie übernehmen das Müllmanagement. Dem Biomüll kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Er kann als Dünger wiederverwendet werden.

Coronaprävention auf allen Kanälen

Mit Informationen über Corona, Seifenproduktion und Plänen zur Maskenherstellung steuert KWDT einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor der Covid-19-Pandemie in den entlegenen Orten am Viktoriasee bei. Als eine der ersten Aktivitäten wurden Informationen aufbereitet und die offiziellen Richtlinien in die lokale Sprache Luganda übersetzt. Verschiedene Kanäle werden seitdem genutzt, um die Information in die Dörfer zu tragen. Dazu zählen u.a. Radiosendungen. Frauen der beteiligten Selbsthilfegruppen informieren aber auch ganz direkt die Menschen vor Ort – zum Beispiel per Megafon. In der Öffentlichkeit und auf Sportveranstaltungen sind sie präsent und involvieren dabei auch Kinder, die wiederum die Informationen in die Familien tragen.

Frauenpower ist die Basis dieser Projektkooperation

Alle Arbeiten werden von Frauenselbsthilfegruppen in den Gemeinden gesteuert, die auch außerhalb dieses Projektrahmens eng vom arche noVa-Projektpartner KWDT betreut werden. Sie sind gewissermaßen der Draht in die Gemeinden. Durch die enge Verbindung mit den Gruppen ist KWDT hinsichtlich der Sorgen und Nöte in den Gemeinden stets im Bilde. So werden die Gemeinden von Beginn an in die Projektumsetzung eingebunden. Auf diese Weise stärkt das Projekt die Gleichberechtigung. KWDT setzt sich aktiv für die Stärkung von Frauen und anderen marginalisierten und ausgegrenzten Gruppen ein. Sie werden motiviert, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv an politischen Prozessen zu beteiligen.

Höhepunkt: Ausbildung für Handpumpenmechanikerinnen

Unser gemeinsames Projekt eröffnet KWDT und den beteiligten Frauenselbsthilfegruppen neue Betätigungsfelder. Dabei liegt arche noVa die Vermittlung von WASH-Knowhow besonders am Herzen.  So fördern wir beispielsweise die Produktion von Flüssigseife und den Bau von Sandfiltern. Zu den Höhepunkten unserer Kooperation mit KWDT gehört das Training der Frauen am Klärgrubenfahrzeug und die Ausbildung in Handpumpenmechanik. 27 Frauen und neun Männer nahmen 2019 und 2020 daran teil. Zu den Teilnehmerinnen zählt Margaret Nakafu aus Luyobyo. Wie sie einen Brunnen repariert, zeigt das Video.

Die Heldinnen vom Viktoriasee - WASH ist hier Frauensache

©arche noVa

Für dieses Projekt spenden

18
Material zur Produktion von Flüssigseife
63
Kosntruktion eines Biosandfilters für eine Familie
162
Solarpaneele und Beleuchtung für eine kommunale Toilette

Projektsteckbrief

Projektziel

Beitrag zu verbesserten Lebensbedingungen der Fischergemeinden im Mukono Distrikt am Victoriasee, Uganda

Zielsetzung ist dabei vor allem eine Verbesserung des Zugangs zu sauberem und sicherem Wasser sowie eine adäquate Sanitär- und Hygieneversorgung für die ländlichen Fischergemeinden durch den Aufbau von Infrastruktur. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts ist das Empowerment der Gemeindestrukturen und im Besonderen eine Stärkung von Frau in der Region.

Zielgruppe

Die Zielgruppe des aktuellen Projekts sind Menschen in elf Fischergemeinden am Ufer des Viktoriasees im Mukono Distrikt. Diese Menschen sind besonders auf Unterstützung angewiesen. Die Bewohnerinnen und Bewohner dieser Gemeinden werden oft ausgegrenzt und marginalisiert. Häufig fehlen Ihnen die Möglichkeiten, die eigene Lebenssituation aus eigener Kraft zu verbessern. Eine besondere Rolle kommt dabei Frauenselbsthilfegruppen zu, die im Distrikt aktiv sind.

Aktivitäten
  • Bau von Flachbrunnen und Bohrlöchern in Fischerdörfern und benachbarten Gemeinden
  • Bau von Regenwassersammeltanks an Schulen
  • Konstruktion von Biosandfiltern zur Nutzung auf Haushaltsebene
  • Errichtung von Gemeinschaftslatrinen in Fischerdörfern und an Marktplätzen sowie Klärgrubenmanagement
  • Konstruktion von Gemeinschaftsduschen
  • Aufbau funktionierender Müllentsorgungssysteme auf Dorfebene
  • Kapazitätsaufbau
  • Aufklärungskampagnen zu den Themen Wasser, sanitäre Grundversorgung und Hygiene
  • Schulung von Wasser-Nutzer-Komitees, Toiletten-Nutzer-Komitees, Handpumpenenmechaniker*innen, Müllmanagementgruppen
  • Lobbyarbeit mit den Distriktbehörden zur Verbesserung der WASH-Bedingungen der Fischergemeinden auf lokaler Ebene  
Projektlaufzeit
seit 2014
Kooperationspartner

Katosi Women Development Trust (KWDT)

Förderer
  • Stadtentwässerung Dresden GmbH
  • Wilhelm Ewe GmbH & Co. KG
  • OASE GmbH
  • sz-Reisen GmbH (*ein Unternehmen der DDV-Mediengruppe)
  • private Spenderinnen und Spender
Förderer

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