Blick auf hügeliges Flüchtlingscamp
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Bangladesch: Nothilfe im größten Flüchtlingscamp der Welt

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Im größten Camp für geflüchtete Rohingyas in Bangladesch, Kutupalong, herrschen katastrophale Zustände. Den vertriebenen Rohingyas aus Myanmar fehlt es an allem: Infrastruktur, Wasser, Lebensmitteln, Brennmaterialien und vielem mehr. arche noVa arbeitet hier zusammen mit OBAT Helpers, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.
Bangladesch
Simple World Map - Author: Al MacDonald Editor: Fritz Lekschas License: CC BY-SA 3.0 ID: ISO 3166-1 or "_[a-zA-Z]" if an ISO code is not available

Ende August 2017 begann die massenhafte Vertreibung der Rohingyas aus Myanmar. Ganze Dörfer wurden niedergebrannt. Menschen verfolgt und bedroht. Etwa 670.000 Menschen der ethnischen Minderheit flohen in das benachbarte Bangladesch, wo bereits 300.000 vor ihnen Schutz gesucht hatten. Die meisten leben auf den Hügeln des Camps Kutupalong, dem am dichtesten besiedelten Flüchtlingscamp der Welt. Sie sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Tiefbrunnen werden gebohrt

Im eilig errichteten Kutupalong war schnelle Hilfe gefragt, insbesondere was den Trinkwasserbedarf anging. Brunnen entstanden, die jedoch fast immer viel zu flach angelegt wurden. Etliche drohten schon bald auszutrocknen oder zu kollabieren. Die größte Gefahr für das Trinkwasser geht von den oft in der Nähe gebauten Toiletten aus. Die Abwässer verschmutzen die oberen Grundwasserleiter, die die Brunnen speisen oder fließen direkt in die Brunnen. Vor allem bei starken Regenfällen kommt es deshalb zur Kontamination des Trinkwassers mit Keimen und Krankheitserregern. Ohne Alternative sind die Brunnen dennoch stark frequentiert. Was weitere Probleme auslöst: Der Grundwasserspiegel in Kutupalong ist bereits stark gesunken und somit sind eine Vielzahl der Brunnen trocken gefallen. arche noVa ersetzt deshalb einige der ersten Brunnenlösungen durch Tiefbrunnen. Vier wurden im Jahr 2018 gebaut. Sie versorgen rund 3.000 Campbewohnerinnen und -bewohner.  Weitere, solar-angetriebene Tiefbrunnen sollen folgen. Begleitend gibt es Hygienetrainings, um aufkommenden Krankheiten entgegenzuwirken.
 

Rodung als großes Problem

Kutupalong wurde eilig aus dem Boden gestampft. Wo früher Wald war, stehen nun einfache Hütten. Für deren Bau und den täglichen Bedarf an Brennholz haben die Menschen die Hügel in und rund um das Camp gerodet und sogar die Wurzeln auszugraben. Inzwischen sind auch die Wälder rund um das Lager verschwunden. Die Menschen hoffen, dass der sandige Boden hält. Doch bei den extremen Regenfällen während des Monsuns verwandeln sich große Teile in Schlammlawinen, die die Hütten mitreißen und begraben können.

Einfache Pflanzen um den Boden zu stabilisieren

Um den Boden vor Schlammlawinen und Erosionen zu schützen, fördert arche noVa den Anbau schnell wachsender, tief wurzelnder Pflanzen. Die von uns gewählte Grasart ist sehr widerstandsfähig und wirkt bodenstabilisierend, da die vergleichsweise dicken Wurzeln bis zu 13 Metern lang werden. Sie halten selbst bei Monsun. Zusätzlich ist die Pflanze sehr preisgünstig und damit effizient. 200 Pflanzen füllen eine Fläche von 150 Fußballfeldern. Geplant sind die Aussaat und das Setzen von 250.000 Pflanzen auf 2,76 Quadratkilometern. Damit können drei Campbereiche stabilisiert werden, in denen rund 16.000 Familien wohnen.

Hinzu kommen schnell wachsende Pflanzen zur Feuerholzgewinnung sowie Obst- und Moringa-Bäume zur Verbesserung der Ernährungssituation. Insgesamt pflanzen wir mit unserer lokalen Partnerorganisation rund 1.300 Bäume, darunter Papaya-Stecklinge. Die Stecklinge der Moringas werden zunächst in kleinen Baumschulen ausgesät und für sechs bis acht Wochen wachsen gelassen, danach werden sie dann zum Camp transportiert und dort ausgepflanzt. Alle Beteiligten erhalten eine Schulung bezüglich Anbau, Pflege und Verwendung von Moringa. Der Baum wächst bis zu vier Meter pro Jahr, alle Teile der Pflanze sind verwendbar, äußerst nährstoffreich und dienen auch medizinischen Zwecken. Zusätzlich verteilen wir weitere Samenpakete an 650 Familien. Damit können sie Tomaten, Wintergemüse, Spinat und Auberginen anbauen und ihre Ernährungssituation aufwerten.

Ineffiziente Öfen belasten den Alltag

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Aktivitäten richtet sich auf die Energieversorgung der geflüchteten Familien. Zwar verteilt die Campverwaltung an etliche Familien Kerosin zum Kochen. Doch die Rationen reichen nicht, da die Öfen sehr ineffizient heizen. Einer Erhebung unserer lokalen Partnerorganisation zufolge benötigen rund 90 Prozent der Familien zusätzliches Brennholz. Dies zu beschaffen ist Aufgabe der Mädchen und Frauen, die dafür inzwischen bis zu acht Kilometer weit laufen müssen. Dabei setzten sie sich einem hohen Risiko aus, Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt zu werden, aber auch Angriffe von wilden Tieren wie Elefanten sind nicht selten. Täglich werden rund um das Camp vier Fußballfelder Holz gerodet, trotzdem leidet über die Hälfte der Familien an zu wenig Brennstoff. Alles, was sie auftreiben können, landet in den ineffizienten Öfen, die große Mengen gesundheitsschädlichen Rauchs produzieren. Eine regelrechte Dunstglocke liegt über Kutupalong, die rund 90 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner beeinträchtigt.

Effiziente Öfen um Brennstoffe zu sparen

Trotz Keronsinverteilungen kochen die meisten Menschen im Camp am offenen Feuer. Nur wenige verfügen über Öfen, die zudem äußerst ineffizient sind. Deshalb werden Unmengen Feuerholz verbraucht. Das belastet die Atemluft extrem und erhöht die Brandgefahr enorm.

arche noVa treibt deshalb die Verbesserung der Energieausnutzung im Camp voran. Im Zuge des Projektes bauen lokal ausgebildete Maurer aus lokal verfügbaren Materialien energieeffiziente und sichere Öfen. Solche Öfen werden Bondhu Chula genannt. Sie bereiten in einem Bruchteil der Zeit und des sonst eingesetzten Brennmaterials das Essen zu und sind zudem bedeutend sicherer. Als Brennmaterial kann nicht nur Holz, sondern auch getrockneter Dung und dünne Äste verwendet werden.

Jede Familie, die so kocht, kann ihren Brennstoffverbrauch und den CO2 Ausstoß spürbar senken. Damit ist ihnen und der Umwelt geholfen. In zwei Campabschnitten entstehen 650 dieser Öfen. Zusätzlich werden die Menschen trainiert diese Öfen in Zukunft selbst zu bauen. Alle Beteiligten erhalten zudem ein Training zu gesunder Ernährung und Hygiene.

Für dieses Projekt spenden

9
für einen Moringabaum, der die Ernährungssituation einer Familie verbessert
15
für 10 der Pflanzen die insgesamt 150 Fußballfelder Land stabilisieren sollen
40
für einen effizienten und sicheren Herd für eine Familie

Projektsteckbrief

Projektziel

Verbesserung der Lebensumstände der Bewohner des Kutupalong-Balukhali Camps

Zielgruppe

42.000 Familien

Aktivitäten
  • Bau von 650 energieeffizienten Öfen
  • Funktions-, Bau- und Ernährungstrainings
  • Bau von z.T. solarbetriebenen Tiefbrunnen
  • Hygienetrainings
  • Anpflanzung von Hang stabilisierenden Pflanzen, Obstbäumen und Moringa Bäumen, sowie Verteilung von Gemüsensamen Sets  (Aufwertung der Ernährungsituation)

 

Finanzvolumen
58.000€
Projektlaufzeit
Seit Frühjahr 2018
Kooperationspartner

OBAT Helpers

Förderer
  • private Spenderinnen und Spender
  • Hartkorn Gewürzmühle GmbH
  • Aktion Deutschland Hilft
AnsprechpartnerIn
Dana Ritzmann
Dana Ritzmann
Abteilung
Kommunikation
Funktion
Leitung Kommunikation und Presse
Telefon
0351 481984-16
E-Mail
dana.ritzmann [at] arche-nova.org
Förderer

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