5 Kinder im Grundschulalter vor Whiteboard
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Syrien: Kindern eine Perspektive geben

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Nach mehr als zehn Jahren Krieg ist Frieden in Syrien nicht in Sicht – auch wenn es nur noch selten zu Kampfhandlungen kommt. Millionen Menschen leben mit der ständigen Angst um ihre Sicherheit, mit traumatischen Erlebnissen und in einem in weiten Teilen zerstörten Land. Nahrungsmittel, Strom und Medizin sind knapp und teuer. Es gibt kaum Gebäude die keine Kriegsschäden aufweisen. Die Hälfte aller Schulen ist so stark beschädigt, dass sie nicht genutzt werden kann. Nahezu überall fehlt es an Wohnraum. Rund die Hälfte der Bevölkerung wurde vertrieben oder umgesiedelt, viele Betroffene mussten mehrfach fliehen. Für die Menschen ist der Alltag so schwer wie nie zuvor und die Bedrohung durch Corona kommt noch hinzu. Für arche noVa heißt das: Vor Ort bleiben und helfen.
Syrien
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Höchste Zeit für Wiederaufbau

Nach zehn Jahren Unsicherheit, Angst und Abhängigkeit von Hilfslieferungen wünschen sich die Menschen in Syrien vor allem eins: Ihre Zukunft wieder in die eigenen Hände nehmen zu können. Doch dafür fehlen angesichts zerstörter Infrastruktur und wirtschaftlicher Krise die Voraussetzungen. arche noVa trägt in Abstimmung mit anderen Hilfsorganisationen an den Projektstandorten dazu bei, dass die Menschen auf ihrem Weg zu stabileren Verhältnissen einen wichtigen Schritt vorankommen. Konkret helfen wir dabei, die Grundfunktionen der weitestgehend zerstörten Wasser- und Abwasser-Infrastruktur wieder herzustellen. Ziel ist es, für rund 110.000 Menschen zumindest eine Grundversorgung mit sauberem Trinkwasser wieder zu ermöglichen. Darüber hinaus widmen wir uns dem Thema Bildung, weil es für die Zukunft der nächsten Generation so wichtig ist. arche noVa hilft pro Jahr 5.000 Kindern und Jugendlichen, die schon lange keine Schule mehr besuchen konnten, auf den Weg zurück in das öffentliche Schulsystem.  Insgesamt richtet sich unsere Hilfe an Binnenvertriebene, Rückkehrerfamilien, aber auch an die Bevölkerung in Dörfern, die bereit sind Geflüchtete aufzunehmen.

Ein ganzes Kinderleben ohne Schule

Die meisten Kinder in Syrien können sich an ein Leben ohne Krieg nicht erinnern. Herabfallende Bomben, Kämpfe im eigenen Wohnviertel, Verlust des Zuhauses, der Anblick von Toten und Verletzten – diese Erlebnisse haben sich in eine ganze Generation eingebrannt. Zugleich fehlt das, was ein Kinderleben haben sollte: Sicherheit, Verlässlichkeit, Perspektiven und ein geregelter Alltag. Ganz besonders betroffen sind die Kinder und Jugendlichen, die nicht zur Schule gehen können.

Etwa die Hälfte der Schulen sind zerstört, es fehlt an Personal und finanziellen Mitteln. OCHA, das UN-Nothilfebüro, geht davon aus, dass 41 Prozent der Kinder im schulfähigen Alter in unserem Projektgebiet keinen Schulunterricht erhalten. Unter den jüngeren Kindern gibt es viele, die noch nie eine Schule von innen gesehen haben. In vielen der kleinen und größeren Ortschaften des Projektgebietes gibt es seit Jahren keine Schule mehr. Deshalb war die Freude riesig als Ende Februar 2021 unser erstes Lernzentrum eröffnete.

Lesen, Schreiben und Rechnen lernen

Lesen, Schreiben und Rechnen stehen weltweit ganz oben auf den Stundenplänen von Schülerinnen und Schülern. Es sind die Grundkompetenzen, die es Kindern überhaupt erst ermöglichen ihr Potenzial zu entfalten. Sie sind wichtig für das weitere Lernen und die Aussicht auf ein auskömmliches Einkommen. In unseren Vorbereitungsklassen werden die Grundlagen der arabischen Sprache unterrichtet, die für die meisten teilnehmenden Kinder und Jugendlichen die Muttersprache ist. Mathematik und Englisch stehen ebenfalls auf dem Stundenplan. Zugleich müssen die von uns unterstützten Kinder und Jugendlichen gezielt ans Lernen herangeführt werden, damit sie wieder ins Schulsystem zurückfinden.

Portrait Wolfram Lorenz

Vielen Kindern fehlt das Selbstvertrauen und die Fähigkeiten dem Unterricht überhaupt folgen zu können. Wir wollen die Kinder stärken, ihre Selbständigkeit fördern, ihren Alltag strukturieren, geschützte Räume zum Spielen anbieten und natürlich auch Wissen vermitteln.

Wolfram Lorenz, Projektreferent Syrien

Geschützte Räume für den Unterricht

Unser Projekt richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren, die schon lange oder noch nie eine Schule besucht haben, weil es an ihren Wohnorten keine Schule mehr gibt, oder weil sie aus anderen Gründen nicht in der Lage waren eine zu besuchen. Für die Vorbereitungsklassen werden geschützte Räume geschaffen. Wo es möglich ist, mietet das lokale arche noVa-Team geeignete Klassenzimmer an, stattet sie entsprechend aus und sorgt für das Schulmaterial für die Kinder. Wo keine geeigneten Räume zu finden sind, kommt das arche noVa-Team mit mobilen Unterrichtsräumen zu den Kindern. Ganz wichtig ist es, dabei auch für ein geeignetes Umfeld für soziale Interaktion zu sorgen. Deshalb werden Spielflächen und Spielplätze im Freien geschaffen. Einmal wöchentlich wird zudem für eine gemeinsame Schulmahlzeit gesorgt.

Für dieses Projekt spenden

18
Schultasche, Stifte und Hefte für ein syrisches Schulkind
175
Kompletter Vorbereitungskurs über drei Monate für ein Kind

Es fehlt an Grundversorgung im gesamten Projektgebiet

Unser Projektgebiet für diese Übergangshilfe in Nordsyrien ist in der Vergangenheit durch Kämpfe stark zerstört worden. Die Region gleicht in weiten Teilen einer Trümmerlandschaft. Seit etwa fünf Jahren hat sich die Situation jedoch beruhigt und die Region ist nur noch gelegentlich Ziel von Anschlägen. Inzwischen beherbergen die kleinen und größeren Ortschaften eine wachsende Anzahl Menschen, die seit dem Abklingen der Kämpfe hier Zuflucht gefunden haben. Für die stark gewachsene Bevölkerung gibt es kaum Strom und nicht genug Wasser. Vor allem der Mangel an sauberem Trinkwasser und die nicht mehr vorhandene Abwasserentsorgung sind für die Menschen ein großes Gesundheitsrisiko. Immer wieder kommt es zu Ausbrüchen von hoch ansteckenden Krankheiten.

arche noVa-Einsatz in Nordsyrien

Die Wasserversorgung wieder in Gang bringen

2020 begann unser lokales Team mit der Wiederherstellung der Funktionen der Wasserversorgungssysteme. In Pumpstationen wurden Pumpen, Absperrventile, Stromanschlüsse und Generatoren repariert oder ausgetauscht. Wo notwendig, wurden auch Rohrleitungen zu den Trinkwasseraufbereitungsanlagen repariert oder erneuert und Verbindungen zu den Wassernetzen in den Siedlungen wieder hergestellt. Bei allen Maßnahmen waren technische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der lokalen Wasserversorgungsdienste der Gemeinden involviert, denn sie sollen in der Lage sein die Anlagen im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe weiter zu betreiben und zu warten.

Entsorgung der Abwässer sichern

Zu den größten Gesundheitsgefahren vor Ort zählen Infektionskrankheiten, die durch Wasser übertragen werden. Nahezu jede Wasserquelle in der Projektregion ist durch offene Abwässer verunreinigt, weil die Infrastruktur zerstört, marode und überlastet ist. Ungehindert gelangt das Schmutzwasser in die Fließgewässer aber auch in das oberflächennahe Grundwasser. Unser Team hat deshalb Abwasserkanäle gesäubert, neue Leitungen verlegt, Kanalisationsschächte ausgehoben und Klärgruben gereinigt. Neue Saugpumpen und Tankanhänger werden genutzt, um in den Ortschaften Sickergruben zu entleeren und die Abwässer abzutransportieren, wo es keinen Anschluss an die Kanalisation gibt. Mit unseren Aktivitäten konnte das Gesundheitsrisiko deutlich gesenkt und die Lebensqualität der Menschen verbessert werden.

Der Müll muss aus den Wohngebieten

Niemand möchte da wohnen, wo überall Müll herumliegt. Besonders schlimm ist es, wenn die Sandmücken kommen, die in den Müllhalden brüten. Sie bringen die gefürchtete Leishmaniose mit, die erst zu juckende Knötchen auf der Haut und schließlich zu Geschwüren führt. Die erkrankten Menschen erkennt man sofort, weil vor allem die Gesichter betroffen sind. Meist sind es Kinder. Man trifft sie in vielen Regionen Syriens, weil der Krieg die organisierte Abfallentsorgung zum Erliegen gebracht hat – so auch in unserem Projektgebiet.

arche noVa setzte deshalb die Abfall-Entsorgung im Projektgebiet wieder in Gang. Unser Team half bei der Reparatur und Wartung der Fahrzeuge. In den meisten Orten sind es Traktoren und Lader, die bei den Gemeinden für die Müllabfuhr zur Verfügung stehen. Zudem wurden Müllcontainer und Abfallbehälter für die Siedlungen zur Verfügung gestellt. Die lokalen Müllabfuhr-Teams haben notwendige Arbeitskleidung und Arbeitsgeräte erhalten. Sogar das Gehalt der liebevoll „Müllkutscher“ genannten zusätzlichen Hilfskräfte wurde gezahlt. Damit von den Abfallsammelstellen keine Gesundheitsgefahr ausgeht, werden Insektizide und Handsprayer bereitgestellt.

Besonders wichtig waren zudem der Aushub und die Erweiterung von Mülldeponien fernab der Wohngebiete. Wo möglich sind bestehende Mülldeponien bis zur Kapazitätsgrenze aufgefüllt und verschlossen worden. Neue Mülldeponien wurden eingerichtet. Dafür wurden vorübergehend zusätzliche Hilfsfahrzeuge angemietet. Pestizide und Sprayer sollen auch auf diesen offenen Deponien dafür sorgen, den Bestand an Sandmücken und anderen Schädlingen einzudämmen.
Bis Ende 2020 konnten insgesamt etwa 110.000 Menschen von diesen Maßnahmen profitieren. Ihr Lebensumfeld hat sich dadurch erheblich verbessert.

Projektsteckbrief

Projektziel

Zugang zu Schulbildung für Kinder und Jugendliche in Nordsyrien sowie Wiederherstellung und Anpassung von Wasserversorgung sowie Abwasser- und Abfallentsorgung

Zielgruppe

Binnenvertriebene, Rückkehrer, gastgebende Gemeinden

  • Bildungsprojekt: 10.800 Kinder und Jugendliche von 8 bis 14 Jahren, 120 Lehrkräfte
  • WASH-Projekt: 110.000 Menschen (Zugang zu Trinkwasser für 25.000 Menschen, Zugang zum Kanalisationsnetz für 30.000 Menschen, Zugang zu Abfallbewirtschaftung für 110.000 Menschen)
Aktivitäten
  • Schul-Vorbereitungskurse für 8- bis 14-Jährige über je drei Monate
  • Aufklärungskampagne für Eltern „Back to School“
  • Verteilung von Schulmaterial
  • Anmietung und Ausstattung von Unterrichtsräumen
  • Psychosoziale Unterstützung
  • Wiederherstellung von Wassersystemen (Reparatur / Austausch von Pumpen, Generatoren, Leitungen, Ventile, Tanks)
  • Wiederherstellung von Abwassersystemen (Reparatur / Erneuerung von Abwasserkanälen, Leitungen, Abpumpen von Klärgruben)
  • Wiederherstellung der Abfallentsorgung (Abfallbeseitigung, Anlage / Schließung von Deponien, Reparatur und Wartung von Traktoren und Lader, Bereitstellung von Müllcontainern, Bezahlung von Hilfskräften

 

Projektlaufzeit
Seit Dezember 2019
Förderer

Private Spenderinnen und Spender

AnsprechpartnerIn
Portrait Meike John mit roter Pumpe
Meike John
Abteilung
Kommunikation
Funktion
Referentin Öffentlichkeitsarbeit
Telefon
0351 481984-12
E-Mail
meike.john [at] arche-nova.org

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