Title Pakistan-Mirpur Khas-Badin - Girls

Pakistan: Armut im Sindh mit Wissen, besserer Landwirtschaft und Vorsorge bekämpfen

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Mangelernährung und Ernährungsunsicherheit nehmen in Pakistan kontinuierlich zu. Vor allem im Sindh, einer der vier Provinzen Pakistans, ist die Lage besorgniserregend: 72% der Haushalte haben mit Ernährungsunsicherheit zu kämpfen; rund eine Million Kinder sind unterernährt, 400.000 schwer mangelernährt. Damit ist die Bevölkerung des Sindh die am stärksten von Armut und mangelhafter Nahrungsmittelversorgung betroffene in ganz Pakistan. In den immer wieder von heftigen Wetterereignissen betroffenen Gebieten verschlechtert sich die Lage zusätzlich – Dürren und Fluten rauben den Bewohnern ihre Lebensgrundlage.
Pakistan
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Ziel des gemeinsamen Engagements von arche noVa und Plan International Deutschland im Sindh ist es daher, die Ernährungssituation in 40 – regelmäßig von Naturkatastrophen verwüsteten – Dörfern in den Distrikte Badin und Mirpur Khas nachhaltig zu verbessern. Hierzu setzten wir eine umfangreiche Bandbreite an Maßnahmen um: Einerseits sichern wir durch zahlreiche Aktivitäten den verbesserten und dauerhaften Zugang zu vielfältiger Nahrung. Andererseits errichten und erweitern wir die WASH-Infrastruktur und treffen Maßnahmen im Bereich der Katastrophenvorsorge.

Ernährungssicherheit

Die beschwerliche Land- und Viehwirtschaft ist für den Großteil der Sindh-Bevölkerung die einzige Quelle, aus der sie Nahrung und Einkommen schöpfen können. Eine Quelle, die mehr tröpfelt als dass sie fließt, denn die Produktivität der Farmer und Viehwirte ist häufig gering – es fehlt an Wissen über artgerechte, fruchtbare Viehhaltung, Geräten zur Landwirtschaft, ertragreichem Dünger und vielem mehr. Unberechenbare Wetterereignisse und zerstörerische Klimakatastrophen geben der Ernte dann häufig den Rest und können Lohn und Nahrung eines ganzen Jahres auf einen Schlag vernichten. Auch die extrem nachteiligen Pachtverhältnisse im Sindh, bei denen die Bauern bis zu 75 Prozent ihrer Erträge an ihre Grundbesitzer abgeben müssen, verschlechtern die Lage. Die seit Jahren steigenden Lebensmittelpreise verschärfen die Situation zusätzlich und zwingen die Bevölkerung dazu, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken, ihr Vieh zu verkaufen oder sich zu hohen Zinsen Geld zu leihen.

Unser Augenmerk konzentriert sich daher vor allem darauf, durch ein geballtes Programm die Wertschöpfungsketten, also den gesamten Weg vom Kauf des Saatgutes bis hin zum Verkauf der Produkte auf dem lokalen Markt und neuen Investitionen, zu verbessern. Es gilt, die Produktivität der Haushalte auf Gemeindeebene zu steigern, deren Einkommen zu erhöhen und so die Nahrungsmittelvielfalt nachhaltig zu verbessern. So werden wir beispielsweise landwirtschaftliche Produktionsmittel und mehrere hundert Nutztiere bereitstellen und die begünstigten Frauen in den Bereichen moderner, flut- und dürreresistenten Landwirtschafts- und artgerechter, effizienter Viehzuchtmethoden schulen. Außerdem werden nach Abschluss des Projekts 20 Obstbaumschulen von Frauen als Kleinstunternehmen geführt. Zur Sicherung des kostbaren Viehs vor Überflutungen, werden flutsichere Evakuierungspunkte errichtet. Um den Bauern eine effiziente Landwirtschaft  zu ermöglichen, werden in den Gemeinden so genannte „Werkzeugbänke“ errichtet werden, die von allen Mitgliedern der Gemeinschaft genutzt werden können.

Einkommenssicherung

Wo es in hochmodernen Agrarbetrieben mittlerweile aufwendigste Technik braucht, um die Produktion noch weiter zu steigern, erzielen im Sindh schon kleine Verbesserungen große Erfolge. Daher werden zahlreiche junge Frauen und Männer im Rahmen unseres Projektes intensiv geschult. Einerseits um ihre technischen und beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, andererseits, um mit dem gelernten Wissen das sie weitertragen, die Produktivität der gesamten Region zu erhöhen. Durch ihre Ausbildung erhalten sie die Chance, in dem prägenden Landwirtschaftssektor eine angemessene Arbeit – gegebenenfalls auch als Selbstständige – zu finden und dadurch ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften. Mit dem Wissen, wie sich beispielsweise Milch auch zu Joghurt, Käse oder Speiseeis weiterverarbeiten lässt, erhöht sich die Vielfalt der Nahrungsmittel und fördert damit die gesündere Ernährung der ganzen Gemeinde. 

Wasserwirtschaft

Mal ist es zu viel, mal zu wenig Wasser, mit dem die Bauern und Landwirte des Sindh wirtschaften müssen. Zwar durchzieht ein öffentliches Kanalnetz die Region und wird – mehr oder minder regelmäßig – mit Wasser gespeist, doch sind durch die häufigen Fluten einige Kanalwände eingebrochen, die Umgebung verschlammt. Hinzu kommt, dass das Kanalwasser angesichts mangelnder Alternativen als Viehtränke oder Trinkwasserquelle genutzt wird. In der Trockenzeit kommt es vor, dass die Kanäle erst nach zwei, drei Wochen und dann nur für wenige Tage Wasser liefern. Dieses über einen längeren Zeitraum zu speichern und dann gezielt an Land und Vieh abgeben zu können, ist daher von entscheidender Bedeutung für eine ertragreiche Landwirtschaft. Hierfür werden während der Projektlaufzeit 15 Speicherbecken neu gebaut bzw. rehabilitiert und zerstörte Kanalsysteme instand gesetzt.

Katastrophenvorsorge

Wenn sich das Wasser nach einer Flut zurückzieht, verschwinden nur einige der nassen Probleme. So ist sauberes Trinkwasser durch die Überflutungen der letzten Jahre im Sindh schwer zu finden, oftmals versalzen und damit für Mensch und Tier ungenießbar. Durch den überflutungssicheren Aus- oder Neubau von Brunnen und Trinkwassersystemen, sind diese auch während einer Flut nutzbar und liefern sicheres Wasser. Praktisch werden die Anlagen z.B. auf ein Niveau 30cm über dem höchsten Flutniveau von 2011 gehoben, um eine Verunreinigung durch stehendes Wasser zu verhindern. Alle Trinkwasserbohrungen werden mittels Laboranalysen getestet und erst bei Erreichen der Trinkwasserqualität zur Nutzung frei gegeben. Gebaute Sanitärkabinen werden mit einer Handpumpe ausgestattet, um damit Wasch- und Spülwasser für den zugehörigen Waschplatz fördern zu können. Beides wird flutsicher errichtet, sodass jede Großfamilie über einen eigenen Waschplatz verfügt. Erfahrungen zeigen, dass dies den Gebrauch und die Sauberkeit der Anlage enorm verbessert. Die Techniker der für den Betrieb der Wasserinfrastruktur zuständigen Wasserkomitees nehmen am gesamten Planungs- und Bauprozess teil. Sie lernen dabei die Anlagen sehr genau kennen. In Wartungsworkshops erhalten sie ein intensives theoretisches und praktisches Wissen für Betrieb, Wartung und Ausbau der Systeme. Pro Gemeinde wird für die Instandhaltung außerdem ein Werkzeug- und Wartungsset verteilt.

Hilfe zur Selbsthilfe

Gemäß der Grundsätze unserer Arbeit, basiert das gesamte Projekt auf dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe um zu gewährleisten, dass die Errungenschaften des Projekts auch darüber hinaus nachhaltig weitergeführt werden. Da die Zielgruppen in die Durchführung aller Maßnahmen einbezogen werden (z. B. durch Schulungen), werden sie in Zukunft nach dem Ende des Projekts besser in der Lage sein, Selbsthilfemaßnahmen durchzuführen, und werden über die dafür notwendige Ausstattung verfügen (z. B. Vieh, landwirtschaftliche Geräte usw.).

Für dieses Projekt spenden

150
Mit 150,- Euro kann ein Küchengarten für eine sechsköpfige Familie angelegt werden.
100
kostet die Installation einer Handpumpe, die 280 Menschen langfristig mit Trinkwasser versorgt.
50
Für 50,- Euro erhalten 25 Haushalte eine Hygieneschulung.

Projektsteckbrief

Zielgruppe

200.000 Menschen (1.772 Familien) in 40 Dörfern in den Distrikte Badin und Mirpur Khas

Projektziel
Die Ernährungssituation in 40 regelmäßig von Flut und Dürre heimgesuchten Dörfern in Sindh (Badin und Mirpur Khas) ist durch verbesserten Zugang, Verwendung und Verwertung von Nahrung, Nahrungsverfügbarkeit und eine ausgebaute WASH-Infrastruktur sowie Katastrophenvorsorgemaßnahmen gesichert.
Aktivitäten
  • Verbessere Ernährungs- und Einkommenssituation: Verteilung von Nutztieren (Kühe, Schafe, Ziegen, Geflügel), Schulungen in artgerechter Tierhaltung und Produktmanagement, Bau von flutsicheren Vieh-Evakuierungspunkten, Schulungen in resilienten Anbaumethoden, Bereitstellung von landwirtschaftlichen Geräten, Anlegen von Küchengärten
  • Wissensmanagement im Bereich Ernährung: Durchführung von Programmen zur Hygiene- und Gesundheitspromotion, Verteilung von Hygiene-Kits, Durchführung von Erste-Hilfe-Trainings, Ausstrahlung von Radio- und Fernsehsendungen zur Sensibilisierung für Ernährungsthemen, Weiterbildungen für Dorfentwicklungsorganisationen
  • Wassermanagement und Katastrophenvorsorge: Errichtung von Wasserversorgungssystemen, Errichtung von Handpumpen und Waschplätzen sowie Latrinen/Waschraum-Kombinationen (alle katastrophensicher), Wartungsworkshops für Techniker, Verteilung von Reparatur- und Wartungssets, Erarbeitung eines Frühwarnsystems für Katastrophenfälle, Anlage von Maßnahmen zum Katastrophenschutz (z.B. Dämme)
Projektlaufzeit
Juli 2015 - Juni 2018
Kooperationspartner

Pakistan Agricultural Research Council (PARC) und Plan International Deutschland e.V.

Förderer
  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
  • Spenderinnen und Spender
AnsprechpartnerIn