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Hoffentlich steckt sich keiner an

11. Dezember 2020 - Ukraine
Sechs Jahre ist der bewaffnete Konflikt in der Ostukraine jetzt her, vieles ist zerstört, anderes marode und ein Großteil der Menschen, die in den Regionen Slowjansk und Donezk lebt, kann sich kaum selbst versorgen. Die Ausbreitung von Covid-19 hat die dramatische Situation noch einmal verschärft. Laut UN-Schätzungen sind derzeit etwa 3,4 Millionen Menschen im Osten der Ukraine auf Hilfe angewiesen. Besonders betroffen sind Kinder, die deshalb jetzt mit einem speziellen Hilfsprojekt von arche noVa unterstützt werden.

Lilija Filenko ist Lehrerin aus Leidenschaft. Nichts ist ihr wichtiger, als ihren Schülerinnen und Schülern eine gute Lernatmosphäre zu schaffen, damit sie gern zur Schule kommen und konzentriert arbeiten können. Das alte Gemäuer, in dem Frau Filenko unterrichtet, atmet Geschichte. Hier hat schon der bekannte ukrainische Schriftsteller Stepan Wasiltschenko die Schulbank gedrückt und andere lokale Größen. Seit 1898 steht die heutige Schule Nr. 21 in der kleinen Stadt Schtscherbinowka in der Oblast Donezk. Als 2014 der Krieg in der Ostukraine losbrach, war die Stadt Torezk, zu der Schtscherbynowka formal gehört, plötzlich mitten im Kampfgebiet. Bis heute verläuft nur wenige Kilometer von hier die sogenannte Konfliktlinie. Gerade hier sind die Menschen ganz besonders auf Hilfe angewiesen.

Denn während Lilija Filenko in den vergangenen Jahren trotz aller Schwierigkeiten den Schulalltag ihrer 106 Kinder ganz gut organisiert bekam, machte ihr die im März einsetzende Pandemie schwer zu schaffen. Plötzlich war die Schuldirektorin nicht mehr vor allem für einen guten und ansprechenden Unterricht und Lernerfolge ihrer Schülerinnen und Schüler zuständig, sondern sie musste sich um Hygienekonzepte, Abstandsregeln und Maskenpflicht im Schulhaus kümmern. 

Woher sie all die plötzlich nötigen Desinfektionsmittel nehmen sollte, um den Schutz ihrer Schulkinder vor der Ansteckung mit dem Corona-Virus zu gewährleisten, konnte Frau Filenko niemand sagen. Auch nicht, womit sie diese hätte bezahlen sollen. Umso dankbarer war die Direktorin aus Schtscherbynowka daher, dass die ukrainische Hilfsorganisation New Way aus dem nahe gelegenen Slowjansk Unterstützung anbot. Der lokale Partner von arche noVa, der vor einem Jahr aus dem ehemaligen arche noVa-Team hervorgegangen war, realisiert Hilfsprojekte entlang der Konfliktlinie. Ebenso wie bei arche noVa sind die zentralen Aufgaben neben Hygieneprävention auch Wasser- und Sanitärversorgung. Aufgrund von Corona gibt es derzeit zahlreiche Hilfsmaßnahmen, die dem Schutz vor Covid-19 dienen.

Insgesamt unterstützt arche noVa mit dem aktuellen Hygieneprojekt 29 Bildungseinrichtungen entlang der Konfliktlinie im Gebiet Donezk. Knapp 5800 Schul- und Kindergartenkinder sowie 1100 Lehrer*innen, Erzieher*innen und Reinigungspersonal, darunter viele Binnengeflüchtete, sollen vor einer Verbreitung des Virus an Bildungseinrichtungen geschützt werden.

Lilija Filenko ist froh über die Hilfe. „Die Unterstützung für die Schule war dringend nötig, niemand sonst konnte uns helfen. Wir sind dankbar für alle, die dieses Projekt finanziell und organisatorisch unterstützen“, sagt die Direktorin der 21. Schule in Schtscherbynowka.

 

Möglich wurde das arche noVa-Projekt unter anderem aufgrund des Engagements der Sächsischen Staatskanzlei. Wichtig war dabei die Kooperation mit lokalen Partnerorganisationen, da es aufgrund der Pandemie nicht möglich war, von Dresden aus in die Ostukraine zu reisen. Mit New Way hat arche noVa seit einem Jahr einen zuverlässigen Partner in der Region, der zügig und effektiv Hilfsmaßnahmen umsetzt.

So wurden im Rahmen des aktuellen Hygieneprojekts insgesamt 1600 Flyer und Poster zu Handhygiene und AHA-Regeln an Kitas und Schule verteilt, die Einrichtungen wurden dabei unterstützt, individuelle Hygienepläne zu erarbeiten und ihr Personal zu schulen. Außerdem bekam jede Schule ein Hygienepaket mit Desinfektions- und Putzmitteln, wie Seife, Spülmittel, Mülltüten, Toilettenpapier, Lappen und Bürsten. Außerdem enthielten die Päckchen Reinigungshandschuhe für das Hauswirtschaftspersonal und einen Eimer. Das Team von New Way, das die Hygienepakete an die 29 Schulen und Kitas in und um Torezk verteilte, wurde ebenfalls mit Schutzmasken und Handschuhen ausgestattet.

Lilija Filenko ist froh, dass jetzt in ihrem Haus gut vorgesorgt ist. Trotzdem hofft sie, dass sich möglichst keines ihre Kinder und auch keiner vom Kollegium mit dem gefährlichen Virus infiziert. Und dass sie alle gut durch den Winter kommen, der jetzt mit Minusgraden und dem ersten Schnee in Schtscherbynowka beginnt.

Logo Freistaat SachsenDiese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.

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