25 Jahre arche noVa - 25 Geschichten Nr. 2 Firas Aljoma

25 Jahre arche noVa - 25 Geschichten Nr. 2 Firas Aljoma

Der Schreibtisch könnte überall auf der Welt stehen: Furnierte Oberfläche, Laptop drauf, Pinnwand mit Stundenplänen an der Wand. Es ist der typische Arbeitsplatz eines Schuldirektors. Doch Firas Aljomas Schreibtisch steht im Norden Syriens und damit ist hier vieles ganz anders als an den meisten anderen Orten der Welt.

"Immer mehr syrische Kinder müssen ihre Schullaufbahn abrupt unterbrechen“, berichtet Firas Aljoma

Noch vor einem Jahr hatte Firas Aljoma selber nicht gewusst, dass er heute hier sitzen würde. Weniger als eine dreistündige Autofahrt von Aleppo entfernt, ist an diesem Ort nichts wirklich sicher. Erst mit dem Bildungsprojekt von arche noVa war klar, dass sein Job bezahlt und der Unterricht für die Kinder an der Alsawrah Schule ermöglicht würde.
 
„Das Engagement von arche noVa wird hier dringend gebraucht, vor allem weil es immer mehr Kinder gibt, die ihre Schullaufbahn abrupt unterbrechen mussten“, erzählt er den Mitarbeitenden von unserem lokalen Team. Den Eltern sei kein Vorwurf zu machen. „Sie sehen sich mit so vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Und sie haben weder die Zeit noch das Geld, um sich ausgiebig um ihre Kinder zu kümmern“, erläutert der Firas Aljoma, der selber Vater einer Tochter ist.
 
Unter diesen Umständen spielt Schule eine umso wichtigere Rolle. Sie strukturiert den Alltag, bietet Schutzraum und eröffnet Zukunftschancen. Firas Aljoma freut sich über jede Unterstützung, die an seiner Schule ankommt. „Alle Schülerinnen und Schüler haben von arche noVa Schultaschen und Schreibmaterial bekommen. Es gibt Unterricht nach Lehrplan und Weiterbildungsangebote für unsere Lehrkräfte.“
 
In den letzten Wochen ist es im Norden Syriens empfindlich kalt geworden. arche noVa hat deshalb trotz großer logistischer Herausforderungen dafür gesorgt, dass an den insgesamt neun Schulen des Projektes die Klassenräume geheizt werden können. Auch an der Alsawrah Schule wurden Öfen aufgebaut und Heizmaterial verteilt.
 
Firas Aljomas größter Wunsch ist, dass alle „seine“ Kinder bis Schuljahrsende den Unterricht besuchen und lernen können. Weiter denken kann er nicht. Kein Wunder ist die Welt um ihn herum ständig in Bewegung. Familien kommen und gehen. Traumatische Erlebnisse lasten auf Erwachsenen und Kindern. Immer wieder bricht unter den Schülerinnen und Schülern und den Unterrichtenden Panik aus, wenn die schon von weitem hörbaren Militärflugzeuge tief fliegen, um irgendwo ihre tödliche Ladung abzuwerfen. Firas Aljomas Schreibtisch ist wahrlich ein ganz besonderer Arbeitsplatz an einem ganz besonderen Arbeitsort.